Weiter

Heute fühlte ich mich ausgeruht und bereit für den Kampf für die Bewilligung. Es war sehr gut, mich am Wochenende zu bewegen und das Desaster hier für einige Stunden hinter mir zu lassen. Es ist äusserst schwierig, in einem Staat etwas zu erreichen, der derart korrupt ist. Aber wir haben vor es zu schaffen.

Zuerst werden wir das Dossier vervollständigen. Das heisst, wir brauchen immer noch diese ominöse staatlich diplomierte Pflegefachperson mit fünf Jahren Erfahrung und einer Bewilligung in einem privaten Gesundheitszentrum zu arbeiten. Im Moment haben wir zwei mögliche Kandidatinnen. Rabiatou, die eine hat zwölf Jahre Erfahrung. Ihre Familie lebt in Foumban und sie selbst arbeitet in Yaoundé und würde sich sehr freuen wieder in Foumban zu leben. Ihre Kinder leben dort. Wenn mit ihren Papieren alles klappt, wird sie wahrscheinlich unsere sehnlichst gesuchte Person sein. Die zweite Frau, Ida, lebt in Yaoundé und hat auch ihre Familie dort. Sie ist sich noch nicht ganz sicher, ob sie tatsächlich umziehen möchte. Die Bewilligung in einem privaten Gesundheitszentrum zu arbeiten kann man anscheinend nur einmal im Leben hinterlegen. Das heisst, dass der Entscheid, die Papiere im Mbambeluh zu hinterlegen, lebenswegweisend ist.

Auch Assana braucht noch eine Bewilligung um in einem privaten Zentrum zu arbeiten. Sie meinte jedoch, das sei kein Problem, sie könne das morgen organisieren. Sobald wir diese Papiere haben, ist unser Dossier vollständig. Dann gehen wir wieder zum netten korrupten Herr Chef du District de la Santé und reichen das Dossier ein. Dort erhalten wir eine Quittung für das eingereichte Dossier. Mit der arbeiten wir dann weiter.

Assana ist eine Prinzessin, sie ist die Nichte vom Sultan. Sie kann uns die Türen öffnen. Aber wir müssen uns noch etwas gedulden, der Sultan weilt nämlich in Yaoundé im Parlament. Er wird Ende Monat zurück kommen. Assana hat schon mit den Königinnen gesprochen. Ich weiss nicht genau mit wie vielen. Der Sultan hat über zwanzig Frauen. Das tönt doch wie 1001 Nacht?
Zum Glück hören die jungen Männer langsam mit der Polygamie auf. Es ist fürchterlich! Finde ich.

Mit den Frauen im Centre haben wir den Start der KiTa für morgen organisiert. Mal sehen, vielleicht haben wir Kinder, die kommen. Es wäre schön. Ab übermorgen beginnen wir auch mit den Hausbesuchen. Ich hoffe, dass ich da dann vieles erzählen kann.

Rafiatou. Sie war heute die Schönste!

Es ist schön, dass die Frauen mitmachen! In einer Welt, in der die Menschen gerne alles wie immer hätten, ist es eine grosse Leistung, wenn du statt in der Pflege zu arbeiten, aufeinmal Kinder betreust. Aber ich glaube, sie freuen sich. Sie sind auf jedenfall motiviert durchzuhalten und wollen das Zentrum.
Es ist schon klar, dass sie uns gefallen wollen und wahrscheinlich nicht immer genau das sagen was sie denken. Aber es ist auch so, dass man es sofort merkt. Haltung, Augen und Mimik strafen die Aussage sofort Lüge. Sie haben gemerkt, dass ich zu höre und sie ihre Meinung sagen können, dass ich zu Kompromissen bereit bin.

Nachdem die Frauen nach Hause gegangen sind, blieben Assana und ich noch eine Weile im Centre und plauderten. Da erfuhr ich von ihrem Leben, von ihren Kindern und ihrem Mann. Assana war schon einmal verheiratet. Aus dieser Ehe hat sie einen Sohn. Der Mann hat sie verlassen weil sie nicht mehr schwanger wurde. Später bekam sie eine Tochter mit einem Mann, den sie jedoch nicht heiratete. Ihr jetziger Mann hat mit ihr drei Frauen. Sie hat mit ihm keine Kinder, sie hat ihn gern und er sie auch. Eine andere Welt ist das.

Nach einer Weile kamen zwei Jungen, der eine vielleicht zehn Jahre, der andere etwa sieben. Sie hatten einen selbst gebauten Bus dabei. Sie haben den Bus mal hier mal dort hingestellt und sind um uns herum gestrichen. Auf einmal sagte der Grössere ganz leise, vendre. Sie wollten den Bus an mich verkaufen. Er hatte keine Räder, ich machte sie darauf aufmerksam. Sie drucksten weiter herum, stellten dann den Bus hin und verschwanden. Wenig später kamen sie zurück, mit Rädern. Der Kleinere montierte sie. Ich konnte nicht mehr anders, ich musste den Bus kaufen. Ich fragte sie, was sie mit dem Geld machen wollen, Hefte kaufen, antworteten sie.

Avenir voyage.

Und wieder müssen die Kinder selber für ihr Schulmaterial aufkommen. Ich kann das nicht verstehen, ich kann nicht verstehen, dass ein Staat seine Kinder einfach sitzen lässt.

Die Besteigung des Mbapit

Nachdem wir mit unseren Töffs die Nationalstrasse verlassen hatten, fuhren wir durch Maisfelder und kleine Dörfer. Die Maisfelder sind sehr schön, der Mais ist noch klein und dazwischen wachsen Bananen, Ölpalmen, Mangos und noch viel anderes Grünzeug. Das macht die Felder sehr lebendig und spannend für die Augen. Die Dörfer sind klein und einfach. Im letzten Dorf wurde uns ein Eintrittsgeld für die Besteigung des Mbapit abgenommen. Aber das ist üblich. Jetzt ging es stetig bergauf, die Wege wurden schlechter. Wir fuhren an einem Bororodorf vorbei, mit lustigen Strohhäusern. Überall weideten Herden von Böhs..

Auf einmal hatten wir das Ziel unserer Fahrt vor Augen. Eine lange, lange Treppe, die schnurgerade den Berg hinauf führt. Im Niemandsland, ohne Zufahrtsstrasse, einfach eine lange, lange Treppe aus Beton. Auf halber Höhe, ein Gebäude, zu oberst noch einmal eines.

Da wollen wir rauf, Tritt um Tritt, es sind viele, ich habe sie dummerweise nicht gezählt. Aber es sind wirklich sehr viele. Die Gebäude dienen zum Ausruhen. Sie bieten Schatten, sind so etwas wie eine Herzinfarktprophylaxe. Unten sind die Stufen sauber, man kann gut einen Schritt nach dem anderen machen, die Umgebung geniessen, das Grün, das Gebirge rund herum, die Bäume, Palmen…
Oben sind die Tritte voller kleiner, runder schwarzer Steine. Es wird rutschig. Die Umgebung wird zweitrangig, die Konzentration auf die einzelnen Tritte gelenkt.
Jede Treppe hat ein Ende, und ähnlich wie beim Creu du vent, steigst du auch noch den letzten Tritt hinauf und weisst nicht was dich erwartet.

Und dann siehst du das.

Es ist der magische See. Der Krater eines erloschenen Vulkans. Ein tiefes Blau, eine unbeschreibliche Ruhe (soviel wie ich von Ruhe schreibe, könnt ihr euch vielleicht etwas besser vorstellen wie laut es hier ist), es ist wirklich magisch und ich möchte sofort hinein springen. Leider ist der See aber weit, weit unten und umgeben von Felswänden. Es gibt einen Pfad nach unten, den werden wir später testen. Zuerst ist jedoch Fototermin.

Jaja, Sherifa und Omar beim Selfie machen.
Nächstes Selfie.

Die Treppe entpuppte sich als harmlos. Die Umrundung des Kraters hiess, zuerst eine brutale, gefühlt nie endende Steigung überwinden. Mit hochrotem Kopf, klopfendem Herzen, tropfendem Schweiss und rebellierender langjähriger Raucherinnenlunge, ein wenig über mich fluchend, stieg ich, Schritt für Schritt nach oben. Jaja trabte hoch wie eine Bergziege und Omar versuchte es ihm gleich zu tun, was ihm nicht so recht gelang und Sherifa solidarisierte sich mit mir. Warum tut man so etwas? Wegen der spektakulären Aussicht, wegen dem kühlenden Wind auf der Krete, wegen dem Hochgefühl, wenn man oben ist.

Ich weiss nicht ob es sich um ein Naturgesetz handelt, aber es kann grundsätzlich nie einfach rauf und dann runter gehen (ausser vielleicht beim Niesen). Es geht immer rauf und wieder runter und wieder rauf und dann wieder runter. Aber es war wunderschön. Auf der einen Seite sahen wir Koutaba und Foumbot und weit weg ein Gewässer und weitere Berge, auf der anderen Seite den hinreissenden Kratersee.

Der Versuch zum See runter zu kommen scheiterte. Nachdem wir schon ein gutes Stück runtergeklettert waren (es brauchte Nerven, ein falscher Schritt und du stürzst fünfzig Meter in die Tiefe), stellte sich heraus, dass der Pfad derart überwuchert war, dass wir ihn nicht mehr sahen. Es war zu gefährlich. Schade, ich wäre gerne im See geschwommen.

Als wir wieder oben an der Treppe angekommen waren, fühlten sich meine Beine wie Kaugummi an. Aber ich habe auch die lange, lange Treppe noch geschafft und wir haben ihn getroffen:

Er ist wie ein Kunstwerk von jemandem, der gerne Muster macht. Er erinnert mich ein wenig an langweilige Sitzungen, in denen man sich mit kritzeln wach hält.

Spaziergang

Um halb sechs heute früh klopfte es an meine Tür. Der grosse Auszug hatte begonnen. Dänu und Symplice reisten mit dem Auto nach Douala und Adele mit dem Bus nach Yaounde. Omar und ich sind übrig geblieben. Ganz kurz fand ich es sehr schlimm.

Eigentlich wollte ich danach wieder schlafen, aber das hat irgenwie nicht geklappt. Ich fühlte mich zu verloren. Also habe ich geputzt, das war nämlich dringend nötig. Mein Plan für den heutigen Tag war, nicht ans Centre denken. Es ist mir praktisch gelungen. Zwar kamen von Dänu noch einige Anweisungen per WhatsApp, aber die habe ich mit ja, mache ich, beantwortet.

Ich bin auf den Hügel gestiegen, weit hinter Koutaba. Es war, ich kann es gar nicht beschreiben. Ich habe mich oben unter einen Mangobaum in den Schatten gesetzt, es war absolut ruhig, nur die Vögel hörte ich, ab und zu huschte eine bunte Echse vorbei, es raschelte in den Blätter und sonst einfach nur Ruhe.

Vielleicht alle zehn Minuten ist jemand vorbei gegangen, mit Kochbananen auf dem Kopf. Kein Töff, kein Auto, alle zu Fuss.

Die Sicht war wunderschön. Unterwegs hatte ich nach dem Weg gefragt, nachdem ich die Frage, warum ich da hoch wolle, mit Sport und Aussicht beantwortet hatte, zeigten die Leute grosses Verständnis für mein Vorhaben. Auf dem Rückweg nahm ich dann eine Abkürzung, Susle like, der Weg war auf einmal nirgends mehr, aber ich kam heil unten an und es war fast eine Abkürzung.

Wisst ihr was das ist?
Das!

Jetzt bin ich müde, so richtig schön müde, mit müden Füssen, müden Armen und nicht nur mit müdem Kopf.

Die Leute, die nach dem Weg gefragt habe, wunderten sich, dass ich keine Angst habe, alleine dort hoch zu gehen. Es war, als ob du im Emmental, natürlich nicht optisch, aber von den Füssen her, auf einen Hoger rauf gehst, da hast du auch keine Angst. Es gibt hier nämlich keine Raubtiere, nur Antilopen und Affen und denen wäre ich gerne begegnet, bin ich aber nicht. Dafür habe ich junge Böhs (ich glaube es sind Zebus, aber hier sagen sie Böh) angetroffen, noch ohne Hörner und die oben erwähnten Echsen und eine Quelle habe ich gefunden (auf der Abkürzung).

La grande bouffe

Dänu geht morgen. Heute war aufräumen, packen und noch viele Leute sehen, auf dem Programm. Und heute hat es geschifft und geschifft und es schifft immer noch. Der Strom kam und ging und tut es immer noch. Das Brot im Backautomat, das gibts und das haben wir hier, hat gebacken und wieder auf Strom gewartet und wieder gebacken, aber es ist trotzdem ein Brot geworden.

Was unser Centre anbelangt, heisst es Tee trinken und abwarten. Das werde ich auf jeden Fall dieses Wochenende tun. Ich fühle mich, nach den ereignissreichen Tagen abgrundtief erschöpft.

Am Nachmittag waren wir noch in Foumbot. Hüte kaufen:

Dänu und ich tragen beide schon Hüte, aber jetzt fällt auch Omar und Adele der Himmel nicht mehr auf den Kopf.

Dann zu Hause, kamen noch alle vorbei. Simplice um Dänu abzuholen, Omar, wie immer, Zenabu zum Abrechnen, Jaja für diverse Informationen, Sakary mit Bronceskulpturen, Lazare in Handschuhen und einige sind geblieben und wir haben uns quer durch die Vorräte gekocht und gegessen. Es gab Pilze, Würstchen, Bratkartoffeln, Tortellini, Brot, Käse und Schoggi.

Morgen wird es ruhig hier. Ich werde aufräumen und putzen. Simplice hat mir übrigens einen Wischmopp mitgebracht, es wird also viel schneller gehen. Und dann wird es still sein, nur noch ich. Ich hoffe, dass ich die Ruhe geniessen kann, ich hoffe, dass es nicht auf einmal leer sein wird. Es ist ein komischer Zustand, in dem ich mich befinde und ich weiss noch nicht was mich erwartet. Die Probleme, die ich vorher noch nicht hatte, die seit Montag jedoch immer grösser wurden, sind leider nicht weniger, während dem Wachstum der Probleme, waren wir zu dritt um uns gegenseitig zu stützen, um zu jammern, um Hoffnung zu schöpfen und um mit Galgenhumor über alles zu lachen.

Ihr werdet erfahren wie es weiter geht.
Übrigens, Selfie schreibt man mit f und nicht mit v – hat Chrigu gesagt.

Action in Foumban

Dänu, Assana, Nfouapon und der Chef du village sind heute am Morgen nach Foumban gefahren. Im Gepäck hatten sie ein Argumentarium, um den Chef de district de santé (nicht Präfekt, obwohl das viel kürzer wäre), auch ohne infirmère diplomée d’état mit fünf Jahren Erfahrung, von unserer Eröffnung zu überzeugen. Schon kurz nach der Begrüssung durfte das Quartett, beziehungsweise Trio, denn der Chef du village hätte es schon wissen müssen, erfahren, dass die IDE das kleinste Problem darstellt. Das echte, das alles verhindernde Problem ist das Centre Santé Intégré in 150m Entfernung.

Ein Centre Santé Inégré ist ein staatliches Gesundheitszentrum. Ich war gestern mit Dänu dort, in der Hoffnung zu einer Medikamentenbestellliste zu kommen. Begrüsst wurden wir von einem Huhn (wirklich ein Huhn, das Tier mit Schnabel und Federn, das Tier, das ich gerne esse, wenn Wali es für mich zubereitet). Das Huhn trippelte gerade aus dem Centre. Drinnen trafen wir eine junge, sehr sympatische Hebamme an. Sie war alleine und nicht befugt uns mit den Medikamenten zu helfen. Aber sie zeigte uns das Centre. Im Eingangsbereich klafft ein Loch in der Decke, Richtung Strasse gibt es ein Fenster, das wars mit Fenster. In einem Bretterverschlag ist das Büro der Chefin, im nächsten Bretterverschlag das Einzelzimmer, das Bett aus Holz, nur Holz, keine Matratze. Hinter den beiden Bretterverschlägen waren drei weitere „Betten“, ohne Tageslicht. Im Gebärsaal stand ein Möbel, das mir bis anhin fremd war. Ein Gebärbett? So in der Art. Ein flacher Schragen, mit einem schwarzen Überzug, im unteren Drittel war ein grosses Becken eingelassen und zu unterst befanden sich zwei Holzteile, wahrscheinlich die Fussstützen. Gruselig.

Nun versteht ihr den Vorschlag, den der Chef de District der Delegation vom Centre de Santé Mbambuluh gemacht hat: „Schenken Sie das neu gebaute Centre dem Staat, dann können Sie morgen eröffnen und das Centre de Santé Intégré noch heute einziehen.“ Ihr könntet zusammenarbeiten. Fusionieren.

Ein Wechsel wäre sicher nicht zu verachten.

Eine Idee, die zum Glück nicht lange Bestand hatte, die Fusion. Aber, damit war das Problem natürlich nicht gelöst. Die Chefin des Centre de Santé Intégré (CSI), die inzwischen zusammen mit ihrem Chef angereist war, duldet keine Konkurrenz. Zu Recht. Sie hätten keine Kundschaft mehr.
Unsere Konkurrenz wartet auf einen Neubau des Centres, in einer anderen Ecke des Dorfes. Sobald also fünf Kilometer zwischen den beiden Centres liegen, kann Mbabuluh eröffnen (unter der Bedingung, dass wir die berühmte IDE und ihre Papiere haben).

Alle Versuche, irgend einen Weg zu finden, zum Beispiel nur Geburten anzubieten bis das CSI umgezogen ist, scheiterten an dessen Chefin. Sie sah nur eine Möglichkeit: sie ziehen ins Mbambuluh, bis ihr Neubau fertig ist und wir dürfen die Eröffnung machen.

Fazit, der Staat schützt sich vor Konkurrenz und lässt seine Mitmenschen im Siff sitzen. Wir haben also die Eröffnung verschoben.

Aber, das ist der schöne Teil, die Dynamik hat heute Abend eine positive Wende genommen. Wir haben die Aufgaben neu verteilt und eine Zwischennutzung beschlossen.
Das Dorf baut innerhalb eines Monats das neue CSI auf, mit Vertrag. Omar wird den Bau leiten und ich werde ihn unterstützen.
Im Centre wird für einen Monat eine KiTa angeboten, damit die Frauen in Ruhe auf dem Feld arbeiten können. Bezahlung sind Nahrungsmittel, die sie mitbringen, damit wir für die Kinder kochen können.
Zusätzlich gehen wir von Haus zu Haus, besuchen die Bewohner und Bewohnerinnen, sensibilisieren sie für Hygiene, Krankheitsprävention und gleichzeitig bieten wir etwas Unterstützung in der Pflege an. So können die Frauen weiter im Centre arbeiten.

Ich werde die Behördengänge übernehmen und schauen, dass wir, sobald das CSI ins neue Gebäude gezogen ist, den Stempel bekommen und eröffnen können.

Le chef du district de la santé.

Es war eine Katastrophe, die letzten Tage, der heutige Tag … bis zu unserer Rückfahrt aus Foumban (ich bin im Laufe des Tages auch zur Delegation gestossen), im Auto hat es noch ein wenig gebebt, dann fingen wir an vorwärts zu schauen. Es geht uns wieder gut.

Was bisher geschah…

Nichts. Nichts. Nichts.

So könnte man es sehen, im Moment. Aber so stimmt es natürlich nicht. Ein wirklich schönes Centre ist gebaut worden. Es ist eingerichtet, fast. Es hat Personal, fast genug. Es bekommt eine Bewilligung, bald.

Aber jetzt kommt der etwas verzweifelte Teil, der Teil der Nerven kostet, der Teil, der einen schneller altern lässt. Ihr wisst, dass wir auf der Suche nach einer infirmière d’état sind, ihr wisst dass eine Frau aus Yaoundé sich interessiert. Sie muss aber noch ihre Papiere legalisieren. Das heisst, sie muss die Papiere in der Schule für infirmières beglaubigen lassen. Heute hat sie den ganzen Tag dort gewartet. Gegen Feierabend konnte sie die Papiere abgeben. Morgen kann sie sie abholen, gegen 120’000CFA. Wir haben die Frau noch nie gesehen. Sie hat natürlich keine 120’000 CFA. Für die, die es nicht wissen, das sind etwa 240CHF. Und wie gesagt, wir haben diese Frau noch nie gesehen. Das heisst, ich versuche jetzt, jemanden in Yaoundé zu organisieren, der sie mit dem Geld begleitet.

Kurz, wir haben noch keine Papiere. Wir haben auch noch keine Medikamente. Das war heute dann irgenwie noch der Supergau. Für die Eröffnung des Centres brauchen wir noch einiges an Material, unter anderem Medikamente. Ich hatte Omar x-Mal gefragt, ob man die wirklich einfach holen kann. Er sagte ja, kein Problem.

Heute dann, sind Omar, Dänu und Adele nach Baffousam gefahren um die Medikamente zu holen. Wer staunt, wenn ich sage, dass niemand einfach in die zentrale Apotheke der Gesundheitsbehörde marschieren kann und ohne Bewilligung, für knapp 1’000CHF, Medikamente holen kann? Auch das Trio hat das nicht geschafft. Das war der nächste Eklat, nach dem Besuch vom Chef und Omar beim Präfekt in Foumban. Dänu, wieder an der Decke und immer verzweifelter.

Mbambeluh, wir glauben weiter an deine Eröffnung.

Während die drei in Baffousam zusammen, aber nicht mehr gemeinsam durch die Hölle gingen, warteten Assana und ich auf Monsieur Nfouapon. Er wurde von Marie-Thérèse geschickt.
Monsieur Nfouapon ist leider nicht infirmière diplomé d’état, aber Monsieur Nfouapon ist sehr sympathisch und weiss, wie man wann, wo und bei wem muss. Er ist zwar Pflegefachmann, aber nicht staatlich geprüft. Aber er will uns helfen. Als das Telefon über die Katastrophe in Baffousam uns erreichte, war der Kommentar der Beiden, Assana und Nfouapon: Logisch, dazu braucht es eine Bewilligung. Das heisst, das Wissen wäre vorhanden gewesen.

Monsieur Nfouapon

Das Problem ist, dass die Informationen nicht fliessen. Viele sagen dir das, was Du hören möchtest. Ich bekomme immer nur ein halbes Häuschen von einer Tafel Schokolade und das Häuschen ist wahrscheinlich auch noch von einer anderen Tafel.

Dänu kümmert sich morgen zusammen mit Monsieur Nfouapon und dem Chef du village weiter um die Bewilligung und Omar und ich arbeiten im Centre. Es gibt nämlich noch unendlich viel zu tun, wenn wir am Freitag eröffnen wollen. Und, falls morgen alles nicht klappt, haben wir doch etwas Konstruktives gemacht.

So viel gewartet wie hier in Koutaba, habe ich noch selten. Das fängt an mit der Pünktlichkeit und geht damit weiter, dass jedes Mal wenn du den Kopf drehst, die Leute weggelaufen sind.

Die Zeit heute, die ich mit Assana und Monsieur Nfouapon verwartet habe, war dafür sehr kurzweilig. Durch Nfouapon habe ich endlich einges über das System hier erfahren. Wenn ich Assana und ihm zugehört habe, war es nicht mehr erstaunlich, dass jemand, der vom Gesundheitswesen hier nur wenig weiss, überfordert ist und in die Fettnäpfchen tritt.

Ich, als staatlich geprüfte Kampfoptimistin, mit weit über fünfzig Jahren Erfahrung, glaube weiter, dass wir es noch schaffen. Die Frau aus Yaoundé … LiveTicker: Rabiatu, die Frau aus Yaoundé müsste 620’000CFA bezahlen. Sie hat sich zurück gezogen, beziehungsweise, sie nimmt sich mehr Zeit um eine günstigere Lösung zu finden. Assana hat mich grad informiert. Dänu schläft. Ich lasse ihn schlafen und euch auch.

Infirmière diplomé d’état

Das war ein Tag. Die intensive Suche nach einer staatlich diplomierten Pflegefachkraft hat sich gelohnt. Heute schon, stellte sich ein Mann vor. Ich bin mir nicht so sicher bei ihm. Er hat etwas machohaftes. Aber vielleicht ist es nur ein Vorurteil. Morgen kommt ein weiterer Mann, aus Foumban, Marie-Thérèse, kurz MT, die Mutter von Nérisa hat ihn vemittelt. Und möglicherweise kommt noch eine Frau aus Yaoundé zum Vorstellungsgespräch.

Ich gebe es zu, ich hätte viel lieber eine Frau. Ich hätte gerne ein Zentrum mit Frauenpower. Es macht mir ein wenig Angst, wenn die bestausgebildete und bezahlte Person ein Mann ist. Ich habe das Gefühl, dass die Hirarchie dadurch verstärkt wird. Die hiesigen Männer sind der Meinung, dass es im Team einen Mann braucht für die Autounfälle und ähnliches. Aber in Greys Anatomy schaffen das auch die Frauen. Da sollte es doch auch hier möglich sein.

Aber, die gute Nachricht ist, dass wir nun mit grosser Wahrscheinlichkeit am Freitag eröffnen. Es war alles in allem sehr eindrücklich wie einige Leute den Finger aus dem A… nahmen und wie alle, die wir um Hilfe gebeten haben, MT, Roger und Reginamaria Eder sofort bei der Suche mitgeholfen haben. Danke!
Der Präsident von der Reiscooperation, Père Innocent, Ngoundoup, ist mit dem Mototaxi losgefahren um verschiedene Centre de Santé zu besuchen und um Hilfe zu bitten.

Auf dem Balkon im ersten Stock finden die Vorstellungsgespräche statt.

Und ich? Ich habe weitere Papiere für das Centre produziert. Auf dem Papier ist es dort jetzt sehr sauber! Die Realität findet hoffentlich ab Freitag statt. Auch der Eintritt und der Austritt einer Patientin, eines Patienten funktioniert auf dem Papier perfekt.
Dann habe ich noch abgewaschen, Brot gebacken, bin mit dem Präsidenten der Reiscooperation spazieren gegangen, habe Vorstellungsgespräche geführt und rumtelefoniert.


Baschi.

Baschi ist ein Junge aus der Nachbarschaft. Er arbeitet hier vor dem Haus. Er wäscht Autos und Töffe und nimmt jede erdenkliche Arbeit an. Baschi war seit einer Woche nicht mehr in der Schule. Er durfte nicht mehr hingehen, weil er das Semestergeld, etwa 30 Franken, noch nicht bezahlt hatte. Er arbeitet, um sich die Schule leisten zu können. Er ist der fünft Beste in seiner Klasse. Er ist stolz darauf. Baschi liebt die Schule! Am Sonntag war Dänu bei seiner Mutter, sie hat vier Kinder, keinen Vater, der ist in den Norden gezogen, sie hat nichts. Dänu hat die 30 Franken für die Schule bezahlt, er hat das Geld aber nicht Baschis Mutter geben können, sie hätte es für wichtigere Dinge gebraucht. Nun geht Baschi wieder in die Schule und ist glücklich. Nach der Schule arbeitet er weiter als Auto- und Töffwäscher. Er spart für das nächste Semester, er gibt einen Teil seiner Mutter.
Wie Baschi arbeiten viele Kinder um ihr Schulgeld zu verdienen.

Das sind die Momente wo ich mir viel bewusster werde, wie gross unser Glück ist, in einem Land geboren zu sein, wo wir gratis in die Schule gehen können. Wir können uns den Luxus leisten, die Schule doof zu finden.

Selvie mit Adele und Susle

Ich wollte euch noch zeigen, dass es mich noch gibt und dass ich jetzt auch zu den Selviemithelferinnen gehöre.

Krise

Heute ist der grosse Tag der Krise. Die Eröffnung des Centres war vorgesehen für Mittwoch. Gestern teilte uns Omar mit, dass er heute mit dem Dorfchef zum Präfekt von Foumban geht, wegen der Eröffnung. Ich war zusammen mit den Frauen im Centre, wir haben Kommunikation geübt, über den inflationären Einsatz von Antibiotika in Kamerun diskutiert und Lavendel und Rosmarin gesäät. Wir waren also, alle bester Laune, am sääen, als der Monsieur Chef und Omar mit dem Auto vorbei fuhren. Freudige Begrüssung unsererseits, betretene Gesichter ihrer seits. Der Präfekt habe erklärt, dass wir zwar von ihm aus eröffnen können, aber nicht ohne den neuen Minister für Gesundheit in Yaounde gefragt zu haben. Nun waren auch unsere Gesichter betreten.

Die Frauen waren der Ansicht, dass Der Dorfchef noch heute nach Yaounde fahren soll und morgen zum Minister gehen muss. Gut, der Dorfchef war bereit zu fahren. Aber er kann erst morgen gehen, da er noch ein Papier vom Präfekt braucht. Dass man das schon heute hätte verlangen können, das ist natürlich zu viel verlangt. Dänu war … kann man nicht mehr wirklich beschreiben. Aber es kommt noch besser. Nachdem der Austausch immer heftiger und lauter wurde, kam dann heraus, dass der Grund, dass man die Bewilligung des Ministers brauche die fehlende staatlich diplomierte Pflegefachperson mit fünf Jahren Berufserfahrung ist. Super, bis heute wurde uns gesagt, das sei kein Problem, man könne das nachholen und trotzdem eröffnen. Wir hatten mehrmals auf diesen Makel aufmerksam gemacht und ja, wir hätten schon länger intensiv suchen können.

Vielleicht müssen wir jetzt doch auf die fürchterlichen Masken hoffen.

Nun haben wir sämtliche Komtakte in Kamerun auf die Suche nach einer staatlich diplomierten Pflegefachkraft mit fünf Jahren Erfahrung geschickt. Einige würden jetzt sagen, da hilft nur noch abwarten und beten. Andere, dass auch das nicht hilft. Und der Dorfchef findet, si dieu veux.

Heute sind die Welten, die uns trennen, mit grosser Wucht aufeinander geprallt. Sachen, die uns selbstverständlich scheinen, sind es nicht.

Aber dafür, dank Dänu, der in seiner Krise etwas tun musste, ist jetzt die Wohnung mäusesicher. Er hat alle Türen mit Eisenplatten abgedichtet.

Von Mäusen und Ratten

Die Geschichte beginnt in der Schweiz. Dänu erzählte mir, dass in der Wohnung in Koutaba eine ganz niedliche Maus lebe. Er habe sie regelmässig gefüttert. Dies veranlasste mich, Omar eine Email zu schreiben. Ich bat ihn, doch bitte eine Katze einzuladen, damit diese die Maus jagen kann. Er schrieb, das sei kein Problem, er werde die Maus jagen. Soweit so gut. Ich komme also in Koutaba an und Omar erzählt mir von der Mäusejagd. Sie sei nach draussen geflüchtet.

Die meisten von euch kennen meine Reaktion auf Mäuse – schnell auf den Tisch und nie mehr runter. In meiner Zeit alleine hier in der Wohnung, liess ich kein Körnchen Reis, nichts unverschlossen, alles mäusesicher weggesperrt. Ich habe sogar jeden Abend abgewaschen um die Maus nicht in Versuchung zu bringen meinen Teller auszuschlecken. Einmal putzte ich ein paar Mäusegägel weg, sind vielleicht noch von vor meiner Ankunft. Dem war aber nicht so. Als ich das Zimmer für Dänu putzte war es voll von Mäuseschissen. Ich war mir immer sicherer, dass die Maus, nach einem ausgiebigen Ausgang und dem Verschwinden der Mäusejäger wieder nach Hause kam.

Dann, die erste Nacht von Dänu und die Bestätigung. Die Maus wohnt in diesem Zimmer. Letzte Nacht konnte er sie rausjagen. Mit Tüchern und Flipflop verstopfte er die Türritzen. Aber diese Maus ist eine Kampfsau. Sie frass einfach ein Stück Flipflop weg und kam wieder rein. Am Morgen konnte er sie wieder rausjagen. Aber da waren noch ihre acht Kinder. Die packte er in eine Kartonkiste und brachte sie zum Militärcamp. Ein Teil der Jungen lebte in einem Plastiksack, die waren schnell verpackt.

Nun fehlt nur noch die Mutter. Aber für sie hat Dänu eine Eimerfalle mit Käse gebaut. Wir werden sehen.

Und als ob das noch nicht genug wäre, lief heute ein Verkäufer den ganzen Tag mit Megaphon, flachen, getrockneten, toten Ratten und Rattenfallen durchs Dorf. Aber ich nehme es mit Humor.

Nach all den Mäusen, nach stundenlangem Listen schreiben, Brot backen, Kochen, Abwaschen, war ich lange spazieren. Es war sehr schön! Jetzt tun mir aber die Füsse weh und ich bin müde.

Antibiotika, Antibiotika … das sind die beliebtesten Medikamente. Omar zum Beispiel nimmt im Schnitt viermal pro Jahr Antibiotika. Wenn ein Baby ein rotes Füdli hat, bekommt es einfach ein Pilzmittel, als Tablette. Das wird schwierig und wahrscheinlich etwas hoffnungslos. Aber, aber … eine Tablette weniger, ist eine Tablette weniger.

Foumban

Premiere! Heute fuhr ich mit Adele mit dem Sammeltaxi nach Foumban. Vier erwachsene Menschen sassen vorne und vier hinten. Das war ein bisschen eng. Aber es geht und das freut mich. Foumban hat mir nämlich sehr gefallen. Und auch die Fahrt war schön, es hatte Pinien unterwegs. Das war irgendwie ein wenig heimelig.

Teil des Sultanpalastes in Foumban

Angekommen sind wir beim Eingang zum Sultanpalast. Das heisst, es handelt sich hier um das neue Museum. Darauf sind die Leute sehr stolz.

Ein Verkäufer von furchtbaren Afrikamasken führte uns im Hof des Palastes herum. Es gibt dort eine Ahnengalerie. Die Dauer der Regentenzeit der diversen Sultane ist unter dem entsprechenden Porträt festgehalten. Ein Bild stellt eine Frau dar, Goungoure, sie war 30 Minuten Sultanin.

Etwas älter, dieser Teil des Palastes.

Natürlich mussten wir nach dem Rundgang im Hof des Palastes mit unserem Führer seine furchtbaren Afrikamasken anschauen gehen. Eigentlich hätten wir eine dieser furchtbaren Masken kaufen sollen. Aber ich erklärte, dass die furchtbaren Masken mir Angst machen und ich alles Andere, Halsketten, Nashörner und Elefanten schon besitze. Sie verstanden es nicht wirklich, aber nach dem ich an jeder Bude auf dem kleinen Touristenmarkt vor dem Palast das Gleiche gesagt habe, durften wir weiter gehen.

Der Markt in Foumban ist – soo schöön! Im Inneren hat es keine Autos, keine Töffs, keine toten flachen Ratten, keine Lautsprecher. Er ist sehr bunt und trotz der vielen Leute sehr ruhig. Alles ist sauber und schön präsentiert. Ganz anders als die Anderen. Ich werde noch oft nach Foumban fahren. Wir haben für unser Znacht eingekauft. Bei Metzger Ibrahim, zähes Rindfilet.

Metzger Ibrahim, himself.

Apropos Metzger Ibrahim, als wir vom Busstopp zur Wohnung zurück gegangen sind, sahen wir die „Boucherie Anticrise“.

Ich muss euch noch ein Bild zeigen, es geht um eine Kieslieferung in der Nähe von Yaounde:

Ohne Kommentar.

Den Nachmittag habe ich mit Arbeiten verbracht. Hygiene Konzepte schreiben, Umgang mit Automedikation, Medikamentenliste und so. Es war ein produktiver Nachmittag. Während ich arbeitete bekam ich ein Telefon von einer der Mitarbeiterinnen im Centre (dem Früchtchen). Sie wollte nur rasch fragen wie es mir geht. Das war sehr schön.