Orange

Keine Angst, dies wird kein Werbeschreiben. Aber ja, es geht nicht um die Farbe, ja es geht um den Anbieter (die Anbieterin?) von Telekommunikation und Internet. Vor allem das Internet ist meine Brücke nach Hause, zu euch. Orange hat mir aber meine Simkarten gesperrt und ich wusste nicht warum. In Koutaba findet man alle zwanzig Meter einen Stand mit Simkarten, Guthabenkarten, keiner wusste warum meine Karten gesperrt sind. Die Email Adresse von Orange Support existiert nicht. Auch nach mehrmaligem senden, Adresse auf der Webseite studieren, vergleichen, sie blieb immer gleich, existierte immer noch nicht. Dann halt Hotline, nach Diversen, drücken sie die Taste 1,2,3,4, oder so, ein netter Herr, schlechter Empfang, aber ich durfte endlich mein Problem erfahren. Ich muss in einen Shop mit meinem Pass und mich verifizieren.

Heute sind wir 55 Kilometer, nach Bafoussam, zum Orange Shop gefahren. Vor dem Shop steht ein Zelt, das sassen etwa fünfzig Personen. Um in den Shop zu kommen, wurden wir mit einem Metalldetektor abgesucht, er hat gepiept und gepiept, ohne Konsequenzen. Dann war ich drinn. Warten. Leute kamen rein, wurden bedient. Warten. Endlich kommt ein wichtig aussehender Typ, will meine Handynummer und meinen Pass. Er tippt auf einem Handy herum. Warten. Ich werde aufgerufen, die Dame will meinen Pass, geht ihn kopieren, kommt zurück. Vorne auf die Kopie soll ich meine Handynummern schreiben und dreimal unterschreiben, häääh? Ich tus. Hinten soll ich einen Plan zeichnen, vom Ort wo ich wohne. Hilfe! Omar komm, zeichne, bitte! Omar zeichnet. Die Strasse, das Militäscamp, Koutaba Teyandi. Der Plan wird angenommen. Glück gehabt. Nun sollen wir raus, zur Verifizierung. Hääh? Draussen sitzt eine Dame unter dem einen Zelt und immer noch gegen fünfzig Leute in Reihen unter dem anderen Zelt. Zuerst hatte ich gedacht, die warten vielleicht auf einen Gottesdienst. Es war etwas ähnliches, Verifizierung. Warten? Zum ersten Mal seit ich hier bin, hat mir mein exotisches Aussehen geholfen. Ich wurde sofort verifiziert, der Auslöser für grossen Protest unter den Wartenden. Ich verstehe sie, aber ehrlich, ich war zu fest froh, dass ich nicht noch einmal Warten musste, dass ich mich dort unter dem Zelt nicht in die hinterste Reihe stellen musste, dass ich einfach verifiziert wurde. Die Frau unter dem kleineren Zelt fotografierte meinen Pass, den Plan wo ich wohne, für jede Nummer einmal und ich musste mit dem Finger auf ihrem Smartphone unterschreiben. Und jetzt? Warten. In etwa achtundvierzig Stunden sind meine Karten wieder aufgeschaltet. Nun soll ich den Service benoten. Der Service, das heisst die Menschen dort, haben ihre Arbeit gut gemacht. Aber der Ablauf, komplizierter geht nimmer. Und das ist hier überall so, du kannst nichts in einem Wisch erledigen, es sind immer mehrere Stationen und viel, viel Warten.

Zurück im Centre, war ich nur noch müde. Nach Orange waren wir noch auf der Bank. Was man da macht? Warten. Wir mussten Geld von einem Konto auf das Andere überweisen. Wie das geht? Zuerst hebst du das Geld ab. Du hast es in deiner Hand. Dann zahlst du das Geld wieder ein. Simpel, oder?

Jetzt sitze ich im Dunkeln. Seit ich zu Hause bin hat es keinen Strom, kein Wasser. Ein Sturm fegte durch Koutaba, die Luft war rot. Dann kam der Regen. Jetzt ist alles sauber, kühl und rein.

Morgen um sechs fahre ich los, Richtung Kribi. Es kann sein, dass ihr euch bis zu meiner Rückkehr gedulden müsst, vielleicht mache ich Blogferien. Ich weiss es noch nicht.

Viecher

Irgendwie sind hier die Viecher die kriechen und fliegen grösser. Ich springe schon mal auf vor Schreck, wenn sich so ein Viech nähert. Aber wenn ich mir dann Zeit nehme, sie genauer zu betrachten, sind sie unglaublich, äusserst glatt, oder samten, mit Glanz, perfekt gezeichnet, skurril oder einfach so wie sie sein sollten. Und viele sind gar nicht hässlich.

Dass ich die Viecher immer fotografiere, hat auch Rafiatou gemerkt. Nun zeigt sie mir jedes, das sie sieht und ich lerne mehr von diesen übergrossen Flieg- und Kriechviechern kennen als mir lieb ist. Es hat viele. Es ist ein sehr fruchtbares Land hier, in jeder Hinsicht.

Das Viech oben ist etwa so gross wie mein Handteller, auf jeden Fall gefühlt. Dass, das Land fruchtbar ist, merkten wir auch an der Menge der hungrigen Kinder, die uns besucht haben. Einige kommen wie es sich gehört, am Morgen und bleiben bis nach dem Mittag, andere kommen, wenn sie das Essen, das wir für sie zubereiten, riechen. Sie bringen dann auch nichts mit, das wir für sie kochen könnten. Sie kommen mit leerem Magen und grossem Appetit. Wir haben uns heute überlegt, was wir mit diesen Kindern machen sollen, sie kommen alleine, ohne ihre Mütter oder sie werden von grösseren Geschwistern gebracht. Was macht man mit drei bis sechs jährigen, hungrigen Kindern? Soll man sie wegschicken? Sollen sie den Kindern, deren Mutter eine Hand voll Reis mitgegeben hat, beim Essen zuschauen? Wir wissen, dass zu Hause niemand ist, der für die Kinder Mittagessen kocht, wir wissen, dass es die grösseren Geschwister sind (ab sechs Jahren aufwärts), die sich um ihre kleinen Schwestern und Brüder kümmern und die schauen, dass wenigstens die kleinen etwas zu Essen bekommen. Wir haben uns entschieden, dass wir die Kinder, solange unsere Pfannen gross genug sind nicht wegschicken. Wir werden jedoch mit den Müttern, denen, die wir antreffen, sprechen, ihnen unsere Regeln erklären, immer und immer wieder.

Das ist Freschnell (wahrscheinlich schreibt man den Namen anders).

Freschnells Mutter, Zenabou arbeitet im Nähatelier. Es ist ein Verein von Frauen, die das Nähen lernen wollen. Zenbou lehrt die jungen Frauen an. Diese Arbeit macht sie ohne Lohn. Daneben versucht sie mit Privataufträgen ihr Leben zu verdienen. Sie ist geschieden und alleinerziehend. Sie hat zwei Kinder. Freschnell kommt jeden Tag in die KiTa. Meist kann sie nichts mitbringen, ihre Mutter ist schon weg, wenn sie sich zusammen mit den anderen Kindern auf den Weg macht. Ich kenne Zenabou gut genug, um zu wissen, dass sie etwas mitgeben würde, wenn sie etwas hätte. Und so sieht es wahrscheinlich bei vielen Familien aus.

Und so kaufe ich oft das Essen ein. Für etwa drei Franken kochen wir dann für etwa dreissig Personen ein Mittagessen. Das ist irgendwie schon verrückt. Und wenn du dann siehst, wie die Kinder essen und dabei sehr zufrieden sind, dann kannst du sie sowieso nicht wegschicken.

Am Freitag fahre ich nach Kribi. Nérisa und die Kinder werden kommen. Ich freue mich Lily und Hugo zu sehen, drei Tage am Strand zu verbringen und mit ihnen zu Baden. Es wird eine lange Reise werden und es wird viel, viel heisser sein in Kribi. Aber dafür ist dort das Meer, ich kann baden, baden, baden. Es ist übrigens fast wie im Thermalbad, kein brrrr…

Wieder ein Tag

„Nur“ vierundzwanzig Kinder. Ein Mädchen, Sheriffa, hatte hohes Fieber, es kam mit den anderen Kindern. Seine Mutter war schon auf dem Feld. Sie konnte sich kaum noch auf den Füssen halten, alle waren überzeugt, dass das Kind, sobald die Mutter zurück ist, ins Spital muss und eine Antibiotika-Infusion braucht, alle ausser ich. Kinder haben ab und zu hohes Fieber, wir müssen Sheriffa ausziehen, kühle Wickel machen, schauen dass das Fieber nicht steigt, schauen dass sie trinkt. Ich habe sie ausgezogen, ihr das Fieber gemessen (39°C) und sie mit kühlen Tüchern gewaschen. Ich habe ihr „ds Vreneli vom Guggisbärg“ gesungen, sie gehalten, ihr Wasser und Bouillon eingeflösst, wieder Fieber gemessen, wieder kühl gewaschen, wieder zu Trinken gegeben, sie gehalten, gesungen…

Sheriffa

Jedesmal, wenn ich mit dem Fiebermesser kam, glaubte Sheriffa, es sei eine Spritze und fing wie am Spiess an zu schreien. Gegen Mittag fing das Mädchen an zu schwitzen und das Fieber sank. Uff… ich weiss nicht, ob ihr die Situation kennt, ihr seit euch eigentlich sicher in eurem Tun, aber die geballte Überzeugung, dass alles anders ist, dass alles viel schlimmer ist, die euch entgegenkommt, verunsichert, macht Angst. Und wenn ich nicht recht habe? Wenn das Kind tatsächlich etwas ganz schlimmes hat? Deshalb uff, ich war so froh, dass ich richtig reagiert habe. Sheriffa ass von den Teigwaren mit Bolo-Sauce, die ich gekocht hatte und ging dann, zwar immer noch krank, aber doch schon auf dem aufsteigenden Ast, nach Hause.

Dieser Medikamentenglaube, der treibt mich noch… ich weiss auch nicht genau wohin. Yvette hat es mir etwas erklärt. Jahrelang hat man den Leuten hier gepredigt, dass sie sich nicht von ihren Heilern behandeln lassen sollen, dass die Schulmedizin der einzige richtige Weg sei und dass Antibiotikum das Allerheilmittel schlechthin ist. Wenn du dann auf die Idee kommst zu Hausmitteln zu greifen, reagieren die Menschen mit Entsetzen. Dass es noch einen Weg zwischen Krankheitsbeschwörung und Schulmedizin gibt, dass es Hausmmittel gibt, die durchaus sinnvoll sind, heisst, die ganze bisherige Erziehung wieder auf den Kopf zu stellen und von vorne zu beginnen.

Etwas was mich sehr beschäftigt, ist die Reflexion, die Fähigkeit, etwas aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Ich glaube (nicht zu verwechseln mit, ich weiss), dass Bildung hier einen zentralen Faktor spielt. Und zwar die Bildung, die das selber Denken unterstützt, nicht die Bildung, die schon für alles und jedes eine Lösung bereit hat. Hier, heisst Bildung das Vorbeten von Weisheiten, die sich irgendwer ausgedacht hat und die niemand hinterfragt. Das übrigens nicht nur bei den Kindern, auch bei den Erwachsenen. Zum Beispiel an den Impftagen, da sitzen die Mütter auf ihren Bänken und Fragen fliegen ihnen entgegen, die sie dann im Chor beantworten müssen. Lauter, noch lauter, ich habe euch nicht gehört. Es ist irgendwie überall gleich, in der Schule, im Militär, in der Kirche, in der Moschee, im Gesundheitszentrum und wahrscheinlich überall wo eine Überzeugung weiter gegeben wird. Zum Glück bin ich flexibler, so kann ich immer wieder versuchen, etwas aus verschiedenen Winkeln zu beleuchten. Wenn Antibiotika-Resistenzen nicht helfen, dann vielleicht die Stärkung des Immunsystems, weniger Gift im Körper, günstigere Behandlungen, und so weiter.

Das ist Caisa, auf meinem Rücken.

Rafiatou, die Mutter von Caisa war heute auf Hausbesuch, ich habe mich um ihre Tochter gekümmert. Als ich mit Caisa am Rücken weiter gearbeitet habe, ging es nicht lange, bis die Mädchen ihre Stofftiere auf den Rücken banden. Und he, die haben das genau so gemacht wie ihre Mütter! Also auch die Art, wie sie die Stofftiere nach hinten gebracht haben, nicht einfach irgendwie, nein, richtig.

Ich hoffe für die Mädchen, dass das Leben für sie, noch mehr als Kinder auf dem Rücken zu tragen, bereithält.

Omar

Wir üben. Wir üben eine offene, allesumfassende Kommunikation. Es ist nicht einfach. Er gibt sich Mühe und er hat Mühe. Also, nach dem ich leide, nach dem ich mir dies und das und noch vieles mehr überlege, nachdem die Nerven zwischendurch blank liegen, erzählt er mir heute, dass er (letzte Woche) mit dem Chef du District de la Santé telefoniert habe und dieser gesagt habe, wir sollen einfach das komplette Dossier einreichen, dann komme es gut. Diese Info bekam ich, nachdem ich den Vorschlag gemacht habe, dass wir vor dem Sultan, der ein Geschenk erwartet, zuerst zum Präfekt vom Departement Noun gehen sollten (Tipp von Madame Yvette). Nicht, dass ich nicht erfreut bin über die Nachricht, aber Omar, warum sagst du das nicht gleich? Das sei schliesslich nicht offiziell, meint er. Soviel zum Thema, alle haben die gleichen Informationen. Omar gibt sich sehr Mühe, wie schon gesagt, aber es ist noch ein langer Weg bis er, einfach so, alle Informationen preisgibt. Ich glaube, er will mir keine falschen Hoffnungen machen. Aber Schritt für Schritt kommen wir einer transparenten Kommunikation näher. Der gute Chef du District de la Santé ist übrigens, anscheinend von irgendwoher unter Druck gesetzt worden und hat gemerkt, dass er ein sehr schlechtes Zeichen setzt, wenn er weiter bockt.

Ich habe heute mit Omar über Nutz-Haustiere gesprochen. Er hatte einmal ein Huhn. Alle fanden er soll es essen, aber er erklärte, das Huhn hat einen Namen und gehört zur Familie. Leider wurde es von einer Seuche heimgesucht und starb. Ich fragte ihn, ob er eine Kuh besitzt, weil er liebt Käse. Nein. Eine Kuh ist jedoch sehr teuer, etwa vierhundert Franken. Dann erzählte ich ihm, dass man aus Ziegenmilch auch sehr guten Käse machen kann. Eine Ziege kostet nur etwa fünfzig Franken. Ich habe ihm versprochen, dass, wenn das Centre eröffnet ist, wir zwei zum Viehmarkt fahren und ich ihm und seiner Familie eine Ziege schenke. Ich hoffe, dass jemand von euch weiss, wie man Ziegenkäse herstellt. Ich brauche ein einfaches, brauchbares Rezept. Und falls man irgendwelche Kulturen braucht, müsste man die Dänu zur Eröffnung des Centres in Pulverform mitgeben.

Heute kamen 25 Kinder! Und ich sage euch, die sind so anständig! Die sind wirklich nicht wie 25 Kinder. Das KiTa Geschäft (grosse Worte für ein paar Toamten) läuft. Auch die Sensibilisierung läuft. Wir haben schon etwa hundert Haushalte erreicht.

Eigentlich wollte ich Arbeitsabläufe fürs Centre schreiben, aber ihr seht selbst, es war schwierig sich zu konzentrieren. Die Kinder fanden es sehr lustig am Fliegengitter zu kleben und mich zu necken. Es ist ehrlich gesagt nichts wirklich Schlaues herausgekommen. Dafür freuten sich die Kinder über die Foto, die ich gemacht habe, schaut was sie mit ihren Fingern machen, das ist anscheinend international. Sie fanden es super cool, dass man die Handzeichen auf dem Foto sieht.

Das Essen geniessen die Kinder besonders. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht genau, warum Kinder in einer Gegend wo so vielfältiges Gemüse wächst, so schlecht ernährt werden. Um Omars heiss gewünschte Entwicklung des Dorfes voranzutreiben braucht es noch extrem viel! Aber wir sind auf dem Weg.

Besuch bei Yvette Champetier

Ich brauchte dingend Kontakt mit einem Menschen aus Europa. Vor etwa zweieinhalb Wochen traf ich in Ngoundoup Yvette Champetier. Sie ist Französin. In der Nähe von Foumban in der Brouse (steppiger Busch) hat sie einen Biohof aufgebaut und eine Biobauern Genossenschaft gegründet. Die Genossenschaft gibt es seit zwei Jahren und sie zählt über 400 Mitglieder.

Madame Yvette (so spricht man hier mit älteren Frauen und Männern, ich bin Madame Suzanne, nicht weil ich weiss bin, wegen meinem Alter) wollte zuerst eine Schule gründen, aber, nachdem sie gesehen hat, wie man hier lernt und wie viele nach der Primarschule immer noch nicht lesen und schreiben können, entschied sie sich, in die Bildung von jungen, erwachsenen Menschen zu investieren. Daraus entstand die Idee mit der Biolandwirtschaft.

Mit ihren Ideen wandte sie sich an verschiedene französische Hilfsorganisationen, ohne Erfolg. Die Antwort lautete unisono, in Kamerun investieren wir nicht mehr. Madame Yvette ist pensioniert, sie hat einen erwachsenen Sohn, einen ebenfalls erwachsenen Neffen und einen Enkel, der Rest ihrer Familie ist in kurzer Folge gestorben. Nun finanziert sie ihr Engagement hier, mit ihrer Rente. In Frankreich war sie seit Jahren nicht mehr. Es ist zu teuer und sie kann den Bauernhof nicht zu lange allein lassen, sonst wird dort nicht gearbeitet.

Trotz dauernder und herber Rückschläge, trotz Lehrveranstaltungen in der Genossenschaft, mit dem Resultat, dass die Genossenschafterinnen und Genossenschafter am Schluss immer noch nicht begriffen haben um was es geht, trotz Subventionen, die sie gesprochen bekommt, die ausbezahlt werden und doch nie ankommen, trotz dem Umstand, dass sie hier immer noch kein Zuhause hat, gibt sie nicht auf. Sie sagt, lachend, der angefangene Weg muss zu Ende gegangen werden.

Ich habe sie in Foumban getroffen, sie hat dort eine Zelle mit zwei Räumen in der katholischen Mission gemietet. Dort ist auch das Büro der Genossenschft, im etwas grösseren, kleinen Raum. Den Bauernhof darf ich demnächst besuchen. Darauf freue ich mich.

Es hat mir gut getan ein wenig mit jemandem aus meiner Gegend zu plaudern. Sie hat uns ermuntert weiter zu machen, fand es gut wie wir vorgehen.

Nach meinem Besuch bin ich viereinhalb Kilometer zur Busstation gelaufen, das war weit und jetzt habe ich Flipp-Flopp-Blasen zwischen den Zehen. Blöd. Aber es hat sich gelohnt. Foumban liegt auf einem Hügel, aus dem Taxi habe ich nur wenig gesehen, zu Fuss jedoch konnte ich richtig schön gaffen.

Stadttor?

Etwa alle hundert Meter musste ich ein Mototaxi abwehren und auch alle paar Meter erklären warum ich laufe. Aber das kenne ich ja schon. So etwas nehme ich langsam sportlich.

Gelbe Kirche?

Ich wünsche Euch eine schöne Sommerzeit! Vergesset nicht, morgen eine Stunde früher auf zu stehen.

An einem Tag in Afrika, an jedem Tag in Afrika

Der Ort ist klein, die N6, die Hauptstrasse in den Norden des Landes führt durch den Ort. Sie ist stark befahren, Lastwagen, Busse, die kleinen und die grossen, Buschtaxis, Autos, Töffs, Fussgänger mit und ohne Anhänger, Schubkarren und sogar vereinzelte Fahrräder sind auf dieser Strasse unterwegs. Früh am Morgen wird die Strasse von den Soldaten erobert, um mal in Jogging-Kleidung, mal in Vollmontur mit Rucksack, lautstark ihre Macht zu demonstrieren. Einmal in der Woche gehört sie am Morgen in die eine Richtung und am Abend in die andere Richtung den Böhs, die zum Markt und wieder zurück wandern.

Die Fussgänger und die Böhs, sie sind ruhig, gemächlich, Schritt für Schritt. Der Verkehr passt sich dem Tempo der Böhs an, keiner hupt, keiner wird ungeduldig. Denn die Böhs sind wichtig, ohne Böhs kein Fleisch. Anders mit den Fussgängern, die sind im Weg, die werden ausgehupt, umgefahren, weggescheucht. Alles wird ausgehupt, ausser den Böhs. Der Verkehr hat immer Vortritt, darf dir über die Füsse rollen, darf dich wegscheuchen, überall, immer. Und es hupt und hupt, jeder hupt und wer heiratet hupt noch mehr.

Der Rand der Strasse ist vollgeparkt, mit Autos, Lastwagen, Kanistern, Säcken, dazwischen schlängeln sich die Fussgängerinnen, die Fussgänger durch die Lücken, den Blick in alle Richtungen schweifend, zielstrebig. Frauen und Kinder tragen Tabletts mit Früchten, mit Gemüse, mit Fisch auf den Köpfen, Eimer mit Wasser, Säcke mit Marktwaren. Elegant schlängeln sie, elegant lassen sie ihre Blicke schweifen, hoch aufgerichtet, sicher. Die Männer laden Waren aus, Waren ein, füllen Benzin um, stehen am Strassenrand mit ihren Gebetsketten und tun nichts.

Die Strasse wird von Bretterbuden gesäumt, Getränkehandlungen, Seifenladen, Beignets, Grills, Metzgereien, Bars, Handy-Guthaben-Anbieter, einer Tankstelle, Horden von Mottotaxis, die Fahrer drapiert wie für einen Play-Girl Kalender. Die Pneus für die Motos, hängen eingewickelt in buntes, glitzerndes Papier an der Aussenwand der Buden, Geschenke für einen Kindergeburtstag. Am Strassenrand suchen Hühner nach etwas Fressbarem, Pfützen erinnern an den Regen in der letzten Nacht, Schlosser hämmern und schweissen immer gleiche Türen, Schreiner bauen pompöse Möbelstücke, so schwer, dass man sie nie mehr aus der Wohnung trägt.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit, füllt sich die Strasse mit Bussen, mit Marktfrauen in bunten Kleidern, mit Kindern, Männern, Körben mit Hühnern, Säcken. Langsam stopfen sich alle in die Busse, nebeneinander und übereinander, langsam leert sich der Ort, zurückbleiben die Hiesigen. Mit der Dunkelheit verschwinden die Motos, viele Autos. Grosse Lastwagen und Busse donnern in der Dunkelheit durch den Ort, hupend, viel zu schnell. Nun gehört die Strasse den Schwergewichten. Aus einer Disco am Strassenrand dröhnt zwischen Huptönen Raga, etwas weiter weg wird gesungen. Bis auf einmal die Wolken kesselweise Wasser ausschütten, der Strom ausgeht und alles ruhig wird. Nur noch Wasser ist zu hören,laut, mächtig…

Zum Abschluss noch ein Update zur Situation: Wir haben jetzt eine konkrete, lebendige IDE gefunden. Sie macht sich nächste Woche an ihre Papiere. Es braucht zwar noch etwas Zeit, sie arbeitet, aber sobald sie Frei hat, geht sie auf die diversen Büros. Sie weiss jedoch erst am Montag wie sie nächste Woche arbeiten wird. Geduld, Geduld, Geduld …

Sensibilisation

Ich habe gestern schon gestaunt, welche Themen bei unseren Hausbesuchen wichtig sind. Aber gestern war ich nicht dabei.
Zusammen mit Fatimatou machte ich mich heute auf den Weg zur Sensibilisierung. Hauptthema, Trinkwasser und Hände Hygiene. Beim ersten Haus kamen etwa sechs Frauen dazu. Zuerst meinten sie, dass ich hier bin um Medikamente und Brillen zu verteilen und dass ich Ärztin sei. Das Missverständnis konnte ich klären. Dann fingen wir an. Erklärten den Frauen, dass sie das Wasser zum Trinken abkochen sollen, grosse, konzentrierte Augen sahen uns an. Ich konnte es fast nicht glauben, hatten die Frauen das nicht schon hundert Mal gehört? Ist es möglich, dass sie entweder so schnell vergessen oder tatsächlich noch nie jemand mit ihnen darüber gesprochen hat? Durchfallerkrankungen gehören neben Malaria zu den häufigsten Krankheiten hier. Mit grossem Interesse folgten sie unseren Ausführungen, wann und weshalb man die Hände waschen soll. Haben sie das wirklich nicht gewusst? Ich bin ehrlich gesagt etwas ratlos und auch etwas schockiert.

Wir gingen von Haus zu Haus. Überall erzählten wir das Gleiche, überall staunende Augen, verständnisvolles Nicken, grosses Aha-Erlebnis. Das ist die Realität, verdammte Sch…, die Menschen hier, wissen viele Sachen nicht. Mehr den je, verstehe ich nach den Hausbesuchen den Wunsch von Omar, dass sich sein Dorf entwickelt. Menschen sterben an Durchfall und ein grosser Teil wäre zu verhindern mit sauberem Wasser und einer angemessenen Hände- und Lebensmittelhygiene.

Von den Frauen, die wir beim ersten Haus angetroffen haben, litten fünf an Bauchschmerzen und etwas Durchfall. Als ich ihnen erklärte, dass sie Milchprodukte und Öl reduzieren sollten, erntete ich entsetzte Blicke. Nicht wegen den Milchprodukten. In jedem Garten stehen Palmölpalmen. Jede Familie produziert ihr eigenes Palmöl. Ein Liter reicht etwa für zwei, drei Tage. Kochen ohne Palmöl, heisst, dann hat ja alles keine „Chuscht“ mehr. Das Argument, dass Salz auch hilft um die „Chuscht“ zu fördenrn, half.

Gegen zwanzig Familien haben wir besucht. In einem Register, das lieben die Leute hier, alles kommt in ein Register, haben wir den Namen der Person, mit der wir gesprochen haben und die Anzahl Personen im Haushalt registriert. Die Frage nach der Anzahl Personen im Haushalt, hat bei den meisten eine grosse Rechnerei ausgelöst. Ich war beeindruckt. Das hat man von den vielen Kindern. Man weiss nicht mehr genau, wie viele es tatsächlich sind. Und ob der Ehemann, der nur zweimal pro Woche im Haushalt lebt, auch gerechnet werden muss, macht die Rechnung nicht einfacher.

Auf unserem Rückweg ins Centre, kamen wir wieder an den Häusern, die wir besucht hatten, vorbei und siehe da, da waren Mütter dabei mit ihren Kindern die Hände zu waschen. Inshallah, machen sie es auch morgen und übermorgen.

Danach war noch Sitzung im Centre angesagt. Omar kam, um mit den Frauen ihren Arbeitsvertrag zu besprechen und für Lohnverhandlungen. Ich habe in dieser Zeit ein wenig in meinem Buch gelesen, ich habe nämlich fast kein Wort verstanden. Aber zum Schluss waren sich alle einig und das war das Ziel der Sitzung.

Es war ein schönes Bild. Auf der einen Bank sassen drei Frauen, jede ein Baby oder Kleinkind an der Brust. Sitzung auf afrikanisch.

Morgen, falls wir ohne weitere Steine im Weg, einen Schritt weiter kommen, kommt eine neue Bewerberin für den IDE Posten. Sie konnte heute nicht kommen, da sie familiäre Probleme lösen musste. Was? Hochzeit. Es gibt hier sehr viele Gründe, warum man nicht arbeiten kann. Da sind zum Beispiel Hochzeiten, dann sehr viele Todesfälle, dann ist am Freitag das Freitagsgebet, dann ist am Sonntag Sonntag und am Donnerstag ist „propre jeudi“. Der Saubere Donnerstag war ursprünglich dazu gedacht, dass die Bevölkerung zusammen bis zehn Uhr ihr Dorf, beziehungsweise ihr Quartier putzt und erst um zehn Uhr mit der Arbeit beginnt. Der Teil, um zehn Uhr mit der Arbeit zu beginnen, hat sich hartnäckig gehalten. Der Teil mit dem Dorf oder Quartier putzen, ist leider verloren gegangen.

Mais

Ich lag auf dem Bett, habe gelesen. Irgendwann dachte ich an Kaffee. Warum Kaffee? Warum jetzt? Warum riecht es nach Kaffee? Koutaba ist keine Kaffee Gegend, es wird nicht Kaffee angebaut und wenn, warum rösten die um dreinundzwanzig Uhr Kaffee? Nicht mein Problem. Ich lese weiter. Warum wird der Geruch immer intensiver? Und sowieso, können die den Kaffee nicht aus der Rösterei nehmen, er riecht schon verbrannt. Bis jetzt hat es noch nie nach geröstetem Kaffee gerochen. Warum jetzt? Hat das etwas mit mir zu tun? Ach du heilige Scheisse!

Spannend? Es ist ganz leicht.

Ich öffnete die Zimmertüre und stand im Nebel. Im dichten Nebel. Ich glaube, ihr habt es alle erraten. Das war Mais, er sollte nur kurz aufkochen und dann bis heute Abend quellen. Gegen Mitternacht stand ich im dichten Rauch, mit einer ruinierten Pfanne und dem oben abgebildeten Objekt, in der Küche, fasersplitter nackt und musste sofort alle Türen aufschliessen, Durchzug machen, etwas anziehen und den Schaden begutachten. Und ich konnte nicht zurück ins Bett. Die Türen offen lassen, das geht hier leider nicht, den Rauch drinnen lassen, auch nicht. Also setzte ich mich auf den Balkon, mit meinem Buch, aber statt konzentriert zu lesen, habe ich vor allem still vor mich hin geflucht.

Als Adriano Celentano mich um zehn nach sechs weckte war ich noch etwas müde. Die Wohnung stank nach wie vor nach verbranntem Kaffee, ich habe trotzdem einen getrunken, auf dem Balkon. Es stinkt übrigens immer noch.

Die Rückseite vom Objekt Mais.

Ansonsten war der Tag, wie oft, ein Tag des Wartens. Die Frauen haben mit den Kindern gespielt, Hausbesuche gemacht, gekocht und geputzt, ich habe mit den Kindern gespielt, Leitlinien fürs Centre erarbeitet, ein Vorstellungsgespräch vorbereitet und auf eine IDE aus Yaoundé gewartet. Sie hatte nur sechs Stunden Verspätung. Leider, leider, … sie wäre gut, sie wäre engagiert, sie hat sich beworben beim Staat zu arbeiten, ihr Dossier ist schon weit nach oben gerutscht. Vielleicht können wir doch noch ihre Papiere brauchen, wahrscheinlich nicht. Die Suche läuft.

Mützig

Es ist Mittwoch, Markttag. Und ich habe keine toten, flachen Ratten gesehen, bis jetzt und jetzt müsste mich der Rattengiftverkäufer in die Wohnung verfolgen. Aber er kommt nicht rein.
Pädu fragte mich, ob die toten, flachen Ratten wenigstens knusprig seinen. Spontan antwortete ich, dass sie nicht frittiert seien, aber dann hat mich das Thema doch noch beschäftigt. Also, ich denke die toten, flachen Ratten sind eher so wie die Drachenschwänze vom Bärner Münstergassmärit von Res Bärtschi (ich denke jetzt bekomme ich nie mehr Rabatt), zäh und faserig. Ob sie ebenso viel Chuscht (gibt es ein entsprechendes Wort in Hochdeutsch?) haben, ich weiss nicht. Ratten sind zwar Allesfresser, da könnte man eine reichhaltige Palette an Aromen (das hochdeutsche Wort, aber weniger schön und klar) erwarten, aber trotzdem, ich weiss nicht. Ausserdem sind die toten, flachen Ratten haarig, die Drachenschwänze nicht, man muss also nicht dauernd Haare aus dem Mund zupfen beim Essen. Ich weiss auch nicht genau warum diese toten Ratten flach sind, vielleicht ist es das Gift, das ihnen alle Flüssigkeit entzieht, vielleicht ist es der Rattengiftverkäufer, der einen Autofahrer bittet, füre, zrügg, füre, zrügg, über die tote Ratte zu fahren. Aber eigentlich ist es manchmal ganz schön nicht alles zu wissen.

Mützig ist Bier. Als Nachbarin einer Brauerei gönne ich mir auch hier gerne ab und zu ein Feierabendbier. Der Kauf dieses Biers hat etwas abenteuerliches und es ist auch ein wenig, wie wenn ich in die Methadonabgabe gehen würde. Ich packe zwei leere Flaschen in meine Tasche, gehe aus der Wohnung, überquere die Strasse und gehe etwa hundert Meter Richtung Foumban. Dort gibt es eine kleine Kneipe, ich gehe hinein. Die Kneipe hat einen kleinen, gedeckten „Vorgarten“ und einen schummrigen Hauptraum. Zuhinterst ist ein Verschlag mit Holzgittern und dort ist das kühle Bier. Wenn ich hinein komme, egal wie viele Leute vor dem Verschlag Schlange stehen, werde ich sofort bedient. Omar hat das organisiert (ohne meine Einwilligung). Die Kellnerin, ich habe ihren Namen leider vergessen, ruft mich sofort zu sich. Ich glaube das Ziel ist, dass ich mich nicht zu lange in diesem anrüchigen Lokal aufhalten muss. Ich gebe ihr meine zwei leeren Flaschen, bekomme zwei volle Flaschen in meine Tasche, bezahle und gehe wieder.

Das Müsig!

Es ist nicht wie in Marokko, wo du dich nicht mit Alkohol sehen lassen kannst, aber trotzdem hat es für mich etwas von einer Drogenabgabestelle.

Heute fühlte ich mich wie ein Hamster in seinem Rad. Es geht vorwärts und doch hast du das Gefühl auf der Stelle zu treten. Wir sind nach wie vor mit der Suche nach einer IDE (Infirmière diplomée d’état) beschäftigt. Die Informationen bekomme ich immer nur häppchenweise. So ist es extrem schwierig Schritte zu planen. Was ich neu weiss ist, dass es die Ausbildung zur IDE erst seit fünfzehn Jahren gibt und damit alle älteren Semester wegfallen. Das heisst auch, dass die Anzahl der IDE mit fünf Jahren Berufserfahrung sehr beschränkt ist. Ausserdem lohnt es sich für die IDE für den Staat zu arbeiten, da sie dort eine Altersvorsorge haben. Das brauchen wir auch! Ansonsten ist es wie, wenn du freiwillig ins Gefängnis gehst, wenn du beim Staat arbeitest. Du kannst zwar nicht gekündigt werden, aber du kannst selber auch fast nicht kündigen. Morgen kommt Rabiatou, die IDE aus Yaoundé mit Familie in Foumban. Sie möchte am liebsten, vom Staat angestellt werden, das heisst für uns, wir müssen billieren.

Der Brunnen vor dem Centre.

Omar wünscht sich von Herzen ein Dorf, das sich entwickelt. Er erzählte mir heute die Geschichte vom Centre de Santé Integrée (CSI) im Dorf. Die Dorfbevölkerung tat sich zusammen um ein Gebäude für das CSI zu errichten. Dann kam der „Wahlkampf“. Die Delegationen stürmten das Dorf und erklärten, dass die Dorfbewohner nicht bauen müssen, dass der Staat das Geld für den Bau gesprochen habe und selber baue. Dann waren die Wahlen und danach nichts mehr. Immer wieder stehen sie da und müssen von vorne beginnen mit der Motivation der Dorfbevölkerung.

KiTa Tag eins

Um acht Uhr haben wir uns getroffen im Centre, Rafiatou, Fatimatou, Ramatou und ich. Um acht Uhr zehn kam das erste Kind. Um halb neun waren es zwanzig. Wir hatten ein Tuch auf dem Boden ausgebreitet, etwa zweieinhalb mal zweieinhalb Meter und Dänu hat uns Stofftiere und Fingerkasperli gegeben. Alle zwanzig Kinder nahmen Stofftiere und sassen eng an eng auf dem Tuch. Ganz schüchtern.

Ganz brav waren sie, keines bewegte sich weg vom Tuch. Die Frauen machten Musik und forderten die Kinder zum Tanzen auf. Sie standen auf und tanzten, auf dem Tuch.

Ein Junge wollte bislen gehen, ins Gebüsch. Stopp, hier gibt es eine Toilette, das Ergebnis, ein Kind auf dem Klo und zehn, die staunend zuschauen. Alle mussten auf einmal aufs Klo. Und dann am Lavabo Hände waschen, ein Highlight!

Langsam kamen sie an, bewegten sie sich weg vom Tuch, gingen zur Schaukel, zur Mbambeluh, trauten sich etwas zu streiten, gab es auch Tränen. Aber sie waren noch immer nicht wie zwanzig Kinder. Der Umgang mit ihnen ist sehr anders als wir es kennen. Tut sich ein Kind weh, renne ich hin, gehe schauen, gehe trösten, nicht so die Frauen hier, das Kind muss zu ihnen kommen, kein Trösten, ein Blick auf die schmerzende Stelle, es blutet nicht, der Knochen ist noch an seinem Platz, alles ok.

Rafiatou kochte für die Kinder, Reis mit Bohnen, Karotten und Tomaten. Wir hatten zuwenig Teller, zuwenig Löffel. Also haben immer zwei Kinder einen Teller und einen Löffel geteilt. Und sie haben sich mit dem Löffel abgewechselt! Eines ass mit den Fingern und das Andere mit dem Löffel und umgekehrt. Es war sehr still, alle haben gegessen, viel, sehr viel. Dazu gab es Wasser und zum Dessert Wassermelone. Sie haben es geliebt, ausser den Karotten, die hatten nicht alle Kinder gerne, die sind dann ab und zu im Kies gelandet. Sie haben sie aber nach dem Essen feinsäuberlich zusammen gelesen und in den Grünkübel verfrachtet.

Nach dem Essen wurden einige etwas müde. Leider sind sie nicht gewohnt, ein Mittagschläfchen zu machen, aber die Stofftiere haben sie ruhig gestellt. Aber alles in allem wurde es nach dem Mittagessen um einiges lebendiger. Die Kinder haben zusammen gespielt, geschaukelt und sind rum gerannt und rum gestrielt.

Läck, war ich am Arsch, um zwei Uhr, als die Kinder gegangen waren. Als erstes sass ich für eine halbe Stunde in einem Spitalsessel (schweizerisch) und habe gelesen. Dann entschloss ich mich zu einem Spaziergang.

Ich ging durchs Dorf und traf einige Kinder wieder an. Sie hatten ihren Eltern erzählt, dass ich ihnen etwas zu Essen gegeben habe. Und sie erzählten von den Stofftieren und sie wollen morgen wieder kommen und noch mehr Kinder wollen kommen.

Vorhin, am Telefon mit Chrigu, habe ich erzählt, erzählt, von den Kindern, erzählt wie sie ruhig zu zweit aus einem Teller gegessen haben, wie sie die Toilette bestaunt haben, wie sie schüchtern und lieb waren. Er meinte, da wird zwei Jahre lang alles für ein Gesundheitszentrum vorbereitet und dann wird es zu einer unvorbereiteten KiTa und funktioniert irgendwie.

Der Spaziergang hat mich wieder in die Natur geführt. Es ist zwar immer unsäglich heiss, aber ich leide gerne. Es hilft mir, den Kopf zu leeren. Mit der Eröffnung kommen wir langsam aber stetig voran. Wann es soweit ist, keine Ahnung, aber das Gesundheitszentrum wird eröffnet werden. Da bin ich sicher.