Omar

Wir üben. Wir üben eine offene, allesumfassende Kommunikation. Es ist nicht einfach. Er gibt sich Mühe und er hat Mühe. Also, nach dem ich leide, nach dem ich mir dies und das und noch vieles mehr überlege, nachdem die Nerven zwischendurch blank liegen, erzählt er mir heute, dass er (letzte Woche) mit dem Chef du District de la Santé telefoniert habe und dieser gesagt habe, wir sollen einfach das komplette Dossier einreichen, dann komme es gut. Diese Info bekam ich, nachdem ich den Vorschlag gemacht habe, dass wir vor dem Sultan, der ein Geschenk erwartet, zuerst zum Präfekt vom Departement Noun gehen sollten (Tipp von Madame Yvette). Nicht, dass ich nicht erfreut bin über die Nachricht, aber Omar, warum sagst du das nicht gleich? Das sei schliesslich nicht offiziell, meint er. Soviel zum Thema, alle haben die gleichen Informationen. Omar gibt sich sehr Mühe, wie schon gesagt, aber es ist noch ein langer Weg bis er, einfach so, alle Informationen preisgibt. Ich glaube, er will mir keine falschen Hoffnungen machen. Aber Schritt für Schritt kommen wir einer transparenten Kommunikation näher. Der gute Chef du District de la Santé ist übrigens, anscheinend von irgendwoher unter Druck gesetzt worden und hat gemerkt, dass er ein sehr schlechtes Zeichen setzt, wenn er weiter bockt.

Ich habe heute mit Omar über Nutz-Haustiere gesprochen. Er hatte einmal ein Huhn. Alle fanden er soll es essen, aber er erklärte, das Huhn hat einen Namen und gehört zur Familie. Leider wurde es von einer Seuche heimgesucht und starb. Ich fragte ihn, ob er eine Kuh besitzt, weil er liebt Käse. Nein. Eine Kuh ist jedoch sehr teuer, etwa vierhundert Franken. Dann erzählte ich ihm, dass man aus Ziegenmilch auch sehr guten Käse machen kann. Eine Ziege kostet nur etwa fünfzig Franken. Ich habe ihm versprochen, dass, wenn das Centre eröffnet ist, wir zwei zum Viehmarkt fahren und ich ihm und seiner Familie eine Ziege schenke. Ich hoffe, dass jemand von euch weiss, wie man Ziegenkäse herstellt. Ich brauche ein einfaches, brauchbares Rezept. Und falls man irgendwelche Kulturen braucht, müsste man die Dänu zur Eröffnung des Centres in Pulverform mitgeben.

Heute kamen 25 Kinder! Und ich sage euch, die sind so anständig! Die sind wirklich nicht wie 25 Kinder. Das KiTa Geschäft (grosse Worte für ein paar Toamten) läuft. Auch die Sensibilisierung läuft. Wir haben schon etwa hundert Haushalte erreicht.

Eigentlich wollte ich Arbeitsabläufe fürs Centre schreiben, aber ihr seht selbst, es war schwierig sich zu konzentrieren. Die Kinder fanden es sehr lustig am Fliegengitter zu kleben und mich zu necken. Es ist ehrlich gesagt nichts wirklich Schlaues herausgekommen. Dafür freuten sich die Kinder über die Foto, die ich gemacht habe, schaut was sie mit ihren Fingern machen, das ist anscheinend international. Sie fanden es super cool, dass man die Handzeichen auf dem Foto sieht.

Das Essen geniessen die Kinder besonders. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht genau, warum Kinder in einer Gegend wo so vielfältiges Gemüse wächst, so schlecht ernährt werden. Um Omars heiss gewünschte Entwicklung des Dorfes voranzutreiben braucht es noch extrem viel! Aber wir sind auf dem Weg.

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