Viecher

Irgendwie sind hier die Viecher die kriechen und fliegen grösser. Ich springe schon mal auf vor Schreck, wenn sich so ein Viech nähert. Aber wenn ich mir dann Zeit nehme, sie genauer zu betrachten, sind sie unglaublich, äusserst glatt, oder samten, mit Glanz, perfekt gezeichnet, skurril oder einfach so wie sie sein sollten. Und viele sind gar nicht hässlich.

Dass ich die Viecher immer fotografiere, hat auch Rafiatou gemerkt. Nun zeigt sie mir jedes, das sie sieht und ich lerne mehr von diesen übergrossen Flieg- und Kriechviechern kennen als mir lieb ist. Es hat viele. Es ist ein sehr fruchtbares Land hier, in jeder Hinsicht.

Das Viech oben ist etwa so gross wie mein Handteller, auf jeden Fall gefühlt. Dass, das Land fruchtbar ist, merkten wir auch an der Menge der hungrigen Kinder, die uns besucht haben. Einige kommen wie es sich gehört, am Morgen und bleiben bis nach dem Mittag, andere kommen, wenn sie das Essen, das wir für sie zubereiten, riechen. Sie bringen dann auch nichts mit, das wir für sie kochen könnten. Sie kommen mit leerem Magen und grossem Appetit. Wir haben uns heute überlegt, was wir mit diesen Kindern machen sollen, sie kommen alleine, ohne ihre Mütter oder sie werden von grösseren Geschwistern gebracht. Was macht man mit drei bis sechs jährigen, hungrigen Kindern? Soll man sie wegschicken? Sollen sie den Kindern, deren Mutter eine Hand voll Reis mitgegeben hat, beim Essen zuschauen? Wir wissen, dass zu Hause niemand ist, der für die Kinder Mittagessen kocht, wir wissen, dass es die grösseren Geschwister sind (ab sechs Jahren aufwärts), die sich um ihre kleinen Schwestern und Brüder kümmern und die schauen, dass wenigstens die kleinen etwas zu Essen bekommen. Wir haben uns entschieden, dass wir die Kinder, solange unsere Pfannen gross genug sind nicht wegschicken. Wir werden jedoch mit den Müttern, denen, die wir antreffen, sprechen, ihnen unsere Regeln erklären, immer und immer wieder.

Das ist Freschnell (wahrscheinlich schreibt man den Namen anders).

Freschnells Mutter, Zenabou arbeitet im Nähatelier. Es ist ein Verein von Frauen, die das Nähen lernen wollen. Zenbou lehrt die jungen Frauen an. Diese Arbeit macht sie ohne Lohn. Daneben versucht sie mit Privataufträgen ihr Leben zu verdienen. Sie ist geschieden und alleinerziehend. Sie hat zwei Kinder. Freschnell kommt jeden Tag in die KiTa. Meist kann sie nichts mitbringen, ihre Mutter ist schon weg, wenn sie sich zusammen mit den anderen Kindern auf den Weg macht. Ich kenne Zenabou gut genug, um zu wissen, dass sie etwas mitgeben würde, wenn sie etwas hätte. Und so sieht es wahrscheinlich bei vielen Familien aus.

Und so kaufe ich oft das Essen ein. Für etwa drei Franken kochen wir dann für etwa dreissig Personen ein Mittagessen. Das ist irgendwie schon verrückt. Und wenn du dann siehst, wie die Kinder essen und dabei sehr zufrieden sind, dann kannst du sie sowieso nicht wegschicken.

Am Freitag fahre ich nach Kribi. Nérisa und die Kinder werden kommen. Ich freue mich Lily und Hugo zu sehen, drei Tage am Strand zu verbringen und mit ihnen zu Baden. Es wird eine lange Reise werden und es wird viel, viel heisser sein in Kribi. Aber dafür ist dort das Meer, ich kann baden, baden, baden. Es ist übrigens fast wie im Thermalbad, kein brrrr…

2 Kommentare zu „Viecher“

  1. Hei Susle, freut mi für di, dass de so schöne Bsuech brchunnsch u mau drei Tag am Meer chasch chille. Das hesch wük verdienet! Di Viecher gsehn i fasch lieber uf dine Fotis aus in ächt :-). Du, aber di KITA fäut doch de, we ds Centre für si eigentleche Zwäck bruucht wird! Was wird de us dene hungrige u unbetreute Ching? Häb es schöns Wuchenänd mit Hugo u Lilly. Muntsch Regula

  2. Liebi Susle, wäre im Moment auch gerne in Kribi, hier hat es heute wieder geschneit – ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich aufstand und aus dem Fenster schaute. Meine Knochen und meine Haut könnten gerne wieder mal etwas Wärme und Meer vertragen. Gut, Nérisa hat heute morgen vor dem Abfliegen per SMS versprochen, bei der Rückkehr etwas Sonne mitzubringen.
    Ansonsten bin ich Moment mit Kamerun nicht ganz im Reinen, liegt aber nicht am Land, sondern an der Schweizer Botschaft in Yaoundé. Am Montag haben sie wieder, und das zum dritten Mal, Christine das Visum verweigert. Wie die letzten Male mit der Begründung, es sei nicht gesichert, dass sie die heiligen Gefilde des Schengen-Raums mit Sicherheit auch wieder verlassen würde. Ich bin ziemlich enttäuscht und auch wütend, weil dieses Mal waren wir – meiner Meinung nach – nicht schlecht aufgestellt. Nun gut, ich habe mal beim SEM Einspruch angemeldet, das E-Mail an die Botschaft ist auch schon aufgesetzt. Letzteres lese ich in Ruhe allerdings nochmals durch, bevor ich es abschicke, allzu heftige Reaktionen sind ja auch nicht immer von Nutzen (oder wie frau/man heute sagt: zielführend).
    Noch eine kleine Klammer zu den Bildern, die auf den Browsern gedreht angezeigt werden: nachdem ich dir die Information, wie du sie drehen kannst, geschickt hatte, waren am nächsten Tag wieder Bilder in deinem Blog, die die falsche Ausrichtung hatten. Ich meldet mich deshalb mal testeshalber mit dem iPhone auf deinem Blog an, um zu sehen, wie sich die Medien im iOS auf WordPress darstellen. Und tatsächlich, alle Bilder, die auf dem Mac verkehrt waren, erschienen auf dem iPhone korrekt. Kein Problem, ich bin jetzt jeden Tag auf deinem Blog, allfällige gedrehte Bilder werde ich weite stur richten.
    Geniess deinen Ausflug nach Kribi, gib den Nérisa, Lily und Hugo einen dicken Muntsch von mir, herzlich Wali

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