Putztag im Centre

Zuerst möchte ich Euch noch einmal danken für die schönen Kommentare. Ich freue mich jedesmal, wenn ein Neuer gekommen ist. Zwischendurch kommen zwar Spam-Kommentare, aber zum Glück weniger als echte. Regula fragt, ob sie die Adresse weiter geben kann. Da ihr den Blog gerne lest, habe ich weniger Hemmungen wenn auch andere ihn lesen. Also gebt sie weiter.

Rafiatou beim … ihr seht es ja selber
Ajara und Fatimatu

Omar war wieder einmal viel zu spät. Die schweizerische Pünktlichkeit, die er im Centre so gerne einführen möchte, gelingt ihm gar nicht. Angekommen im Centre steht schon eine junge Frau bereit. Mit Kleinkind am Rücken. Etwa zwanzig Minuten später kommt die nächste junge Frau. Mit Baby am Rücken. Und noch einmal etwas später die dritte junge Frau. Mit Baby am Rücken.
Ich war nicht ganz sicher ob sie den heutigen Tag als Kennenlerntag angeschaut haben und darum mit den Babys gekommen sind. Aber dem ist nicht so. Sie werden immer mit ihren Babys am Rücken arbeiten. Ich fragte sie, ob sie denn keine Angst haben, dass ihre Kinder sich irgendwelche Käfer einfangen bei der Arbeit. Aber laut ihnen gibt es auf dem Rücken keine Käfer. Die sind vorne.

Wir haben geputzt und eingerichtet. Das tat sehr gut. Endlich bin ich aktiv, endlich kann ich gestalten. Mit den drei Frauen war es lustig. Aber sie werden ziemlich harte Brocken werden. Sie wollen, dass alles so ist wie immer. Ich weiss nicht wie oft ich heute den Satz: „Aber in Kamerun machen wir das anders.“ gehört habe. Und ich habe den leisen Verdacht, dass ich diesen Satz in der nächsten Zeit noch oft hören werde.

Schwierig war es heute mit den Männern. Die sollten eigentlich mithelfen beim Rumtragen der schweren Möbel. Sie haben zwar getragen was ihnen aufgetragen wurde, aber kaum war das Möbel an seinem Platz waren sie wieder verschwunden. Dabei gab es noch mehr Möbel. Also, wieder anrufen. Und die Herren fuhren wieder 10 Kilometer von Koutaba mit ihrem Motorrad nach Ngoundoup um nach einem Möbelstück wieder nach Koutaba zu verschwinden und nach einem Anruf wieder mit dem Motorrad…

Am Feierabend bin ich spazieren gegangen. In Ngoundoup. Das war schön!!! So ruhig! Ich bin auf einen Hügel gestiegen und habe das Stockhorn gesehen.

Stockhorn
Riesenpilz

Die Pilze dort sieht man schon von weitem. Da musst du nicht mehr mühsam den Pilz suchen gehen. Er hat nur einen kleinen Nachteil, er ist etwas zäh. Er besteht aus Erde und drinn wohnen Termiten. Aber nach der Gemüsevielfalt auf dem Markt war ich bei meiner ersten Sichtung eines dieser Pilze nur mässig erstaunt über die Grösse. Ich freute mich auf das Pilzragout. Naja, es ist nicht immer alles, das wonach es ausschaut.

Gestern Abend habe ich für euch noch zwei Bilder gemacht. Praktisch jeden Abend gibt es keinen Strom. Manchmal nur kurz und eher öfter ein, zwei, drei Stunden. Ich dachte, als ich all meine Stromsachen einpackte, ich sei vielleicht ein wenig paranoid. Aber schaut selber, es hat sich gelohnt die einzupacken.

Badezimmerromantik.
Und dann ab ins Bett.

Markttag in Foumbot

Fronarbeit in Ngoundoup

Auf dem Weg zum Markt von Foumbot machten wir einen kleinen Zwischenstopp im Centre. Was dort gerade passierte war berührend. Der Dorfchef sass in seinem Rollstuhl auf einer ebenen Fläche vor dem Centre, umgeben von älteren Herren und arbeitete zusammen mit den jungen Männern des Dorfes. Ziel war die Befestigung der Strasse zum Centre. Sie haben ziemlich viel Erde in die Löcher der Strasse geschaufelt. Die Löcher waren sehr gross. Um sechs Uhr am Morgen wurde der Chef und sein Rollstuhl mit Dänus Auto zum Platz gefahren und die Fronarbeiter mussten beginnen. Es ist nicht so, dass hier aus ökonomischen Gründen oder Pflichtbewusstsein heraus schon um sechs Uhr mit der Arbeit angefangen wird. Es ist einfach um sechs Uhr morgens noch viel kühler.

Der Dorfchef (blaue Djellaba) und seine Entourage.

Es war ein schönes Bild und die Laune der Beteiligten sehr ausgelassen. Der Chef ist ein ruhiger, sehr freundlicher Mann und scheint auch im Dorf freundlich mit den Menschen umzugehen. Es bleibt trotzdem ein sehr fremdes System für mich. Vielleicht kommt es einem Gemeindepräsidenten am nächsten, einfach nicht gewählt, sondern hinein geboren. Einmal Chef, immer Chef. Der Chef leidet an Diabetes und hat beide Beine verloren. Deshalb sitzt er im Rollstuhl. Das ist sicher einer der Gründe warum er sich für eine bessere Gesundheitsversorgung einsetzt.

Zum Teil ist es schon entsetzlich hier. Omar erzählte von einem Mädchen, das am Strassenrand bewusstlos umfiel. Sie haben das Mädchen in Dänus Auto geladen und sind zum Centre vom Militär gefahren. Dort fanden sie ausser den Patienten niemand. Ärzte und Pflegefachleute waren beim militärischen Appell. Im nächsten Centre, das sie mit dem bewusstlosen Mädchen im Auto ansteuerten, war gerade Schichtwechsel und sie wurden gebeten zu warten, bis die neue Schicht eingetroffen ist. Erst im dritten Centre wurde ihnen sofort geholfen. Das Mädchen wurde gerettet. Dies ist nur eine von wahrscheinlich vielen Geschichten.

Auf dem Markt von Foumbot wurde alles Bisherige an Gewusel und Lärm zur Abwechslung noch einmal getoppt. Es ist einer der grössten Märkte in Kamerun. Die Lastwagen kommen aus den umliegenden Länder um in Foumbot Ware zu kaufen. Gemüse, Früchte, Reis, Mais und vieles mehr wird geladen und zum Beispiel nach Gabun gebracht. Sogar die Gemüsehändler arbeiten mit Lautsprecher und Endlosband. Madame, hier finden sie die besten Zwiebeln für nur 100CFA. Jetzt stellt euch mal hunderte von kleinen Ständen vor und jeder dritte arbeitet mit Lautsprecher. Kakophonie pur! Aber das ist noch nicht alles, die anderen Händlerinnen (die mit den Lautsprechern sind ausschliesslich Männer, warum wohl?) müssen sich auch bemerkbar machen. Jetzt denkt ihr vielleicht, das ist ja furchtbar. Aber wir sind noch nicht am Ende, denn da sind noch die oben erwähnten Lastwagen und natürlich unendlich viele Töffe. Kurz, ich bin nudle fertig. Aber ich werde den Markt wieder besuchen, es gibt Spaghettis zu kaufen.

Im ruhigeren Teil des Marktes. Ich traue mich noch nicht überall zu fotografieren.

Auf dem Rückweg haben Omar und ich Assana besucht. Sie ist die zweite Frau eines polygamen Mannes mit drei Frauen. Alle drei Frauen leben in einem eigenen kleinen Häusschen um einen gemeinsamen Hof. Es machte den Anschein, dass sich die drei Frauen nicht besonders mögen. Frau Nummer drei versuchte uns mit hasserfüllten Blicken zu töten. Das war nicht sehr angenehm, obwohl es wahrscheinlich gar nicht um uns ging, sondern die Anerkennung von Assana, Frau Nummer zwei. Furchtbar.

Nach so viel neu Erlebtem, noch etwas zu mir. Es geht mir besser. Gestern nach all meinen Aktivitäten zur Heimwehbekämpfung habe ich mich noch intensiv meinem Hebammenlehrbuch gewidmet und bis Mitternacht darin gelesen. Das war sehr hilfreich. Es ist nicht so, dass mein Heimweh einfach ausgestanden ist, aber es wird erträglicher. Dass ihr mir Kommentare und WhattsApps schickt hilft mir auch sehr. Und das Schreiben!

Heimweh

Ich hatte gar nicht gewusst, dass einen Heimweh so intensiv überfallen kann. Es hat. Die Tränen sitzen dauernd zuvorderst und die Frage, die hier den Alltag dominiert: „wie geht es?“ wird zur Tortur. Die einzige Möglichkeit dem zu entfliehen war Aktivität. Also habe ich geputzt und geputzt. Dazu habe ich laut Musik gehört. Zuerst Boney M., das war gut, dann die Filmmusik von Chat Noir, Chat Blanc, das hat die Tränen Kanäle geöffnet. Mit Spliff konnten die Tränen wieder trocknen.

Ich habe den Chef kennengelernt. Er ist sympathisch. Er war am Maiskörner für die Saat ablösen. Die obersten Körner liess er am Kolben, die seien zu leicht zum Sähen und würden vom Wind weggeblasen. Er erzählte mir, dass er immer drei Körner pflanzt. So können die Vögel ein Korn fressen. Der Präsident der Reis Kooperation kam noch vorbei und bot mir einen Rundgang durch die Kooperation an.

Der Präsident von der Reiskooperation zeigt mir seine Telefonnummer.

Und endlich hatte ich etwas Zeit im Centre. Es gibt noch viel zu tun und es wird gut sein, wenn ich endlich dort bin. Das Gebäude ist sehr schön, Beton, Stahl und Lehmsteine. Innen ist es in diskreten Farben gekalkt. Das Dach trägt zu hundert Prozent die Schrift von Dänu. Omar hat erzählt, dass immer wieder Leute von der Strasse runter kommen und fragen woher dieses Dach sei. Ich werde noch Fotos machen und euch zeigen. Heute hatte ich aber keine Zeit, beziehungsweise nicht daran gedacht. Ich bin nämlich mit dem Meter bewaffnet durch die Räume getiegert und habe versucht herauszufinden wie wir die vielen Sachen unterbringen können. Es wird eine Herausforderung, denn es ist ein kleines Centre und es sind viele grosse Möbel. Aber ich freue mich.

Zurück in Koutaba, war ich bei Zenabu, die für mich zwei Röcke genäht hat. Nun bin ich neu eingekleidet. Danach war ich noch etwa ein einhalb Stunden spazieren (ich hatte im Internet gelesen, dass Aktivität gut sei gegen Heimweh).

Impressionen

Das Spazieren war lustig. Das ist etwas was die Leute hier nicht kennen. Alle paar Meter wurde ich gefragt wo ich hingehe. Wenn ich dann sagte, dass ich es nicht wisse, dass ich einfach gehen möchte, mich bewegen, dann entschieden sie: „ah, du machst Sport“.

Internationaler Frauentag

Es gibt viele Möglichkeiten diesen Tag zu feiern. Ich war in meinem Praktikum. Ich war die einzige arbeitende Frau dort. Am heutigen Tag haben im Centre nur die Männer gearbeitet. Die Frauen waren am Frauenfest. Das hat mich beeindruckt. Wenn ich da an die Schweiz denke, weiss ich nicht, ob ein Spital, Heim oder sonst etwas in der Art das bieten könnte, möchte, würde. Alle Frauen sind freigestellt. Die Hebämmer, Pflegefachmänner, Pfleger und Ärzte übernehmen gemeinsam die Pflege der Patientinnen und Patienten.

Ausser einem Schock am Morgen, eine Frau wurde ohne Anästhesie genäht (O-Ton: Nach einer Geburt braucht es keine Anästhesie, weil das Nähen dann keine Schmerzen bereitet.), war der Tag ziemlich ereignislos und langweilig. Ich habe die Zeit genutzt um Notizen für unser Centre zu machen.

Heute war mein letzter Praktikumstag und ich bin gar nicht traurig darüber. Für meine Begriffe ist es zu trostlos, zu schmutzig und zu rechthaberisch herrisch. Die Patientinnen und Patienten haben keine Rechte, keinen eigenen Willen und keine Möglichkeit ihren eigenen Weg zu gehen.

Et voilà

Und dann hatte ich auch noch ein wenig Frauentag. In einer Kneipe habe ich mit vielen, vielen Frauen getanzt. Ausser den strengen Musliminnen, der Koran verbietet ihnen anscheinend alle Feste ausser dem Ramadan, haben möglicherweise alle Frauen mitgefeiert.

Ich hatte eine kurze, heftige Heimwehattacke. Ich bin jetzt seit einer Woche in Koutaba und es scheint schon ewig her, dass ich in Zürich ins Flugzeug gestiegen bin, dass ich an der Felsenaustrasse Chrigu einen Abschiedskuss gegeben habe, dass ich mit dem Tesla zum Bahnhof gerauscht bin und mich in Zürich von Anna und Astrid verabschiedet habe.

Ein schönes herzschmerz Bild, das hat mir Chrigu geschickt.

Ich freue mich auf nächste Woche. Dann kann ich endlich richtig aktiv werden und bin weniger nur Zuschauerin.

Viel Afrika

Es tönte wie aus einem amerikanischen Film mit Sklaven, der Gesang. Ich ging schlaftrunken auf den Balkon. Was ist passiert, es ist erst halb sieben am Morgen. Angeführt von einer Leadstimme, antworteten etwa fünfzig mit dem immer gleichen Refrain und joggten am Haus vorüber. Das war schräg! Also eigentlich waren es Rekruten aus dem Militärcamp vor dem Dorf. Aber es war schräg.

Aber wenn ihr jetzt denkt, das könne man nicht überbieten, dann liegt ihr ziemlich falsch. Also sehr falsch. Etwa eine Stunde vor Arbeitsschluss kamen etwa 10 Damen mit vielen schwarzen Plastiktaschen ins Centre. Es war ein angekündigter Besuch. Zusammen mit dem gesammten Personal und einem Fotgrafen schritten die Damen von Patientenzimmer zu Patientinnenzimmer und verschenkten die schwarzen Plastiksäcke (Inhalt: ein Pfund Salz, zwei Stück Seife und eine Flasche Wasser). Das ist doch lieb, werdet ihr jetzt denken. Ist es auch. Aber ich würde das ja nicht so langfädig einleiten wenn da nicht noch etwas käme. So ist es. Auf dieser Erde gibt es nichts um sonst. Auch die schwarzen Plastiktaschen kosteten. Mit viel Eifer, Gesang, Amens, mehrstimmig und ausgiebig trugen die Damen ein Gebet vor. Für die Patientinnen und Patienten in erträglichem Mass, ein Gebet für einen schwarzen Plastiksack, fürs Personal, das liebenswürdigerweise den netten Damen die schwarzen Plastiksäcke hinterher trug, etwas anstrengender, da es mehrere Zimmer gibt. Wenigstens trugen die Damen mit grosser Begeisterung in jedem Zimmer ein anderes, der Situation angepasstes Gebet vor. Immerhin. Und das Personal durfte die restlichen Plastiksäcke behalten, was auch die Muslime zu bekehren vermochte.

Zwischen diesen beiden Afrika Highlights habe ich noch gearbeitet. Heute war Schwangerschaftskontrolltag. Es war ein bisschen so, wie ich es kenne. Das war beruhigend. Ich konnte Bäuche abtasten, messen, impfen und mit dem Herztonrohr die kindlichen Herztöne hören. Und ich habe sie wieder gehört. Immer besser. Das war sehr schön.

Pinard Herztonrohr

Für die, die es noch nicht wissen, das Herztonrohr hat seine Länge nicht aus akkustischen Gründen, es ist einfach ein bisschen länger als Flöhe springen können. Zum Schutz der Hebamme.

Ich sitze im Dunkeln. Darum schreibe ich noch etwas weiter. Vielleicht kommt das Licht noch, vielleicht gehe ich halt dann früh ins Bett. In einem Komentar hat mich meine Mutter gefragt, ob ich auch sicher sei. Das hat mich beschäftigt. Das Gebiet der anglophonen Bevölkerung ist nicht weit von hier. Koutaba ist zum Teil zweisprachig. Es scheint hier aber sehr friedlich, man spürt nichts von Unruhen. Die Leute hier wissen jedoch vom Krieg etwa 50 Kilometer von hier und raten ab, dort hin zu gehen. Nicht nur mir, auch sich selber. Ich fühle mich hier sicher, kann mich bewegen, ohne Angst oder ein komisches Gefühl im Bauch. Die Menschen sind sehr freundlich und verhalten sich auch nicht rassistisch.

Noch etwas ganz anderes. Gestern war der grosse Markt, der findet jeden Mittwoch statt. Dort habe ich etwas gesehen, das ziemlich unverdaulich ist. An einem Stand, nur war es nicht ein Stand in der Höhe, sondern einer am Boden, was alles noch verschlimmerte, konnte man plattgedrückte, getrocknete Ratten kaufen. Was macht man damit?

Der Impftag

Mittwoch ist Impftag. Ich war überwältigt. Etwa 70 Frauen sind mit ihren Babys und Kinder gekommen. Es war … unbeschreiblich. Mütter, die selber noch wie Kinder aussahen, Mütter, die wie Grossmütter aussahen und Kinder, so viele Kinder. Eng an eng sassen sie auf den Bänken und warteten.

Hier sassen sie alle, etwa vier Stunden lang.

Die Frauen bekamen eine Kartonnummer, mit der mussten sie sich zum Impfen anmelden. Die Anmelderei dauerte ewig. Ich habe alle 70 Kinder gewogen. Eine Frau nach der anderen kam, dann musste sie sich wieder hinsetzen und warten. Es war recht ruhig.

Zwischendurch kam eine Frau und schulte die Mütter in Füdlihygiene, sie stellte Fragen und die Frauen gaben Antworten. Es war wie im Theater, oder in der Kirche, sie antworteten im Chor, laut und deutlich. Die Frau verkaufte dann eine spezielle Füdliseife.

Nach der Anmeldung begann die Impferei, danach war es nicht mehr ruhig. Da fing dann das Geschrei an. Vor allem die grösseren Kinder schrien wie am Spiess. Die geimpften Kinder durften dann mit ihren Müttern gehen, wir nicht.

Wenn ich bis jetzt am Abend auf den Markt ging, dachte ich, das Gewusel könne nicht mehr grösser werden. Falsch gedacht. Heute ist grosser Markt, das Gewusel kann noch viel grösser werden!

Für die, die schon einmal einen Gebärsaal von innen gesehen haben, hier noch ein paar Eindrücke:

Das Gebärbett von den Médcins du monde Suisse
Der Blick vom Gebärbett auf die Gummistiefel.
Das Wehenzimmer.

Zum Abschluss möchte ich mich noch für die Kommentare bedanken. Es freut mich! Ich hoffe, dass ich es auch weiterhin schaffe, regelmässig zu schreiben. Falls ich schlampig werde, dürft ihr gerne „stüpfen“.

Ein Mann ist gestorben

Heute ist ein Mann gestorben. Ich war die ganze Zeit dort, es ging ganz schnell, es hat mich sehr bewegt. Die Frauen haben laut geweint und geschrien, die Männer laut gebetet und der gestorbene Mann lag auf seinem Bett und sah völlig entspannt aus. Sie haben den Mann dann nach Hause gebracht, mit dem Auto, seine Frau, eine weitere Frau und ein Mann auf dem Rücksitz, ein Mann im Kofferraum und der gestorbene Mann auf dem Beifahrersitz.

Mein zweiter Tag im Praktikum. Schon jetzt sehe ich vieles, das neu für mich ist.

Heute habe ich fast nur englisch gesprochen. Das Centre ist dreisprachig. Die Ärzte und das diplomierte Personal kommen hauptsächlich aus der englisch sprachigen Gemeinschaft. Die Patientinnen und Patienten sind mehrheitlich französisch oder patoit sprechend. Es ist ein lustiger Mix. Während das Französisch als solches recht gut erkennbar ist, ist es mit dem Englisch wesentlich schwieriger. Der Afrosound ähnelt dem Englisch, das wir kennen, nicht besonders.

Nun bin ich zu Hause, habe meine Arbeitsschürze gewaschen und warte nun, bis alle Kessel wieder mit Wasser gefüllt sind. Das dauert. Nachher gehe ich noch etwas raus, einkaufen und vielleicht noch ein paar Schritte spazieren.

Das sind Assana und Omar

Mein erster Arbeitstag

war ein Schock. Hier willst Du nicht gebären.

Stell Dir vor, Deine Hebamme ist ein junger Mann, der Arzt ein Kind und die Pflegehelferin sehr laut. Stell Dir vor, immer wieder geht die Türe auf und jemand kommt rein, oder geht raus, die Anwesenden diskutieren, lachen, der Arzt lässt seine Finger in deiner Scheide, der Hebammer zupft an Deinem Bauch um die Wehen anzuregen, sie lachen weiter, diskutieren über die Vorteile acht Frauen zu heiraten, der Arzt und der Hebammer tragen Gummistiefel und dicke Plastikschürzen. Stell Dir vor sie leiten Dich mit den Worten, scheiss endlich, zum Pressen an. Und nun stell Dir bitte nicht vor, dass das eine Metzgerei ist, es ist ein Gebärsaal.

Auch nach der Geburt wird es in keiner Weise besser, der Horror geht weiter. Stell Dir vor, dass die Frauen nichts anderes kennen, es ist normal.

Ich war bei der grossen Visite dabei. Das ist eine Show wie in einem uralten Film.

Im Centre de santé de l’arondissement hat es ein Labor, eine Apotheke (in einem kleinen Kabäuschen), einen Operationssaal (etwas gruslig), einen Gebärsaal (sehr gruslig) eine Beobachtungsstation mit vier Betten, gemischt, ein Männer- ein Kinder- und einen Frauensaal, eine Risikoschwangerenabteilung mit zwei Betten, ein Wehenzimmer mit zwei Betten und das Wöchnerinnenzimmer mit etwa sechs Betten. Es ist also ziemlich gross.

Auf dem Areal findet man noch Felder wo die Pflegefachleute Mais anbauen können. Der Lohn ist nämlich hundsmiserabel.

Bei den Schwangerenkontrollen hat heute eine Frau auf einen Schlag acht Jahre ihres Lebens verloren. Der Hebammer fragte sie, wie alt sie sei. 22 war die Antwort. Dann fragte er nach ihrem Geburtsdatum und Jahr. 1989 sei sie geboren, sagte sie, was ihr einen ziemlich verwirrten Blick sowohl vom Hebammer, wie auch von mir einbrachte. Der Hebammer klärte sie dann über ihr Alter auf, verwirrter Blick von ihr…

Es wird eine harte Woche werden. Aber etwas habe ich heute gelernt. In Ngoundou wird eine Geburtshilfe angeboten werden, die über die Grenzen des Arondissements hinaus berühmt werden wird. Dänu kann schon bald eine Matérnitée bauen und dort werden die Hebammen und die Frauen sagen wie sie sich Geburtshilfe vorstellen. So schlimm das erlebte war, es hat eine sehr gute Seite. Ich weiss jetzt genau warum ich hier bin!

Letzte Nacht hatte ich übrigens Ruhe. Ich weiss jedoch noch nicht ob meine Isolation dafür verantwortlich ist, oder ob die Disco gestern wegen Regen leiser war.

Der erste Sonntag

Die letzte Nacht war gelinde gesagt brutal. In meiner heissgeliebten Disco plärrte ein übermotivierter, ausdauernder Animator bis um 05h (nicht zu verwechseln mit 17h) in sein Mikrofon. Dann endlich, so etwas wie Ruhe, bis… ab halb sieben schrie das ebenso heissgeliebte Nachbarskind eine gefühlte Stunde lang wie am Spiess.

Dies führte unweigerlich zu intensiven Recherchen über die Bewegungen von Schall. Was logischerweise den Kauf von sechs dicken Kissen rechtfertigte, die ich nun zwischen Fenstergitter und Scheiben gestopft habe. Der erste Eindruck ist nicht schlecht. Es ist ruhiger und kühler.

Assana und Susle

Ja, ich habe Assana getroffen. Das heisst, sie hat mich besucht. Ich denke, wir werden gut zusammen arbeiten können. Assana ist auch Hebamme.

Eigentlich wollte ich noch ein Foto von Omar und Assana hochladen. Aber dieses inniggeliebte WordPress lässt nur 2 MB zu und das hochgeliebte Handy macht nur schwere Fotos. Vielleicht weiss eine (oder auch einer) von Euch wie es geht.

Der Dorfchef war aber nicht zu Hause. Omar kam dort in den Sinn, dass der Chef jeden dritten im Monat eine Familienrenunion hat. Aber ich habe wenigstens schon sein werdendes riesen Haus und die drei kleinen Häuschen seiner drei Frauen gesehen.

Morgen um 07h10 fahre ich los in mein Praktikum. Drückt mir die Daumen.

Heute

Das war nun mein erster ganzer Tag in Koutaba. Omar (ich weiss nicht, ob ich ihn schon vorgestellt habe, er ist der Projektleiter vor Ort) sass vom Morgen bis in den Abend mit mir am Küchentisch und zusammen haben wir gearbeitet, diskutiert, gearbeitet …

Omar findet es sehr schlimm, wenn Kinder mit Behinderung geboren werden. Er hofft, dass das mit dem Centre nicht mehr passieren wird. Leider konnte ich ihn nicht wirklich beruhigen.

Er würde am liebsten alles mit Untersuchungen und Geräten lösen. Geht nicht.

Wir waren auf dem Markt:

Nix Wintergemüse, Auberginen, Tomaten, Kartoffeln und Zwiebeln. Es war sehr fein.

Ansonsten war der Tag anstrengend. Ich muss mich daran gewöhnen, dass die Privatsphäre erkämpft werden muss … ich schaffe das.

Heute habe ich die Frauen in der Näherei besucht. Ich werde mir hoffentlich bald einen Rock nähen lassen.

Morgen besuche ich endlich den Chef du village. Auch Assana (die Chefinfirmière) lerne ich morgen kennen (inshallah).