Es tönte wie aus einem amerikanischen Film mit Sklaven, der Gesang. Ich ging schlaftrunken auf den Balkon. Was ist passiert, es ist erst halb sieben am Morgen. Angeführt von einer Leadstimme, antworteten etwa fünfzig mit dem immer gleichen Refrain und joggten am Haus vorüber. Das war schräg! Also eigentlich waren es Rekruten aus dem Militärcamp vor dem Dorf. Aber es war schräg.
Aber wenn ihr jetzt denkt, das könne man nicht überbieten, dann liegt ihr ziemlich falsch. Also sehr falsch. Etwa eine Stunde vor Arbeitsschluss kamen etwa 10 Damen mit vielen schwarzen Plastiktaschen ins Centre. Es war ein angekündigter Besuch. Zusammen mit dem gesammten Personal und einem Fotgrafen schritten die Damen von Patientenzimmer zu Patientinnenzimmer und verschenkten die schwarzen Plastiksäcke (Inhalt: ein Pfund Salz, zwei Stück Seife und eine Flasche Wasser). Das ist doch lieb, werdet ihr jetzt denken. Ist es auch. Aber ich würde das ja nicht so langfädig einleiten wenn da nicht noch etwas käme. So ist es. Auf dieser Erde gibt es nichts um sonst. Auch die schwarzen Plastiktaschen kosteten. Mit viel Eifer, Gesang, Amens, mehrstimmig und ausgiebig trugen die Damen ein Gebet vor. Für die Patientinnen und Patienten in erträglichem Mass, ein Gebet für einen schwarzen Plastiksack, fürs Personal, das liebenswürdigerweise den netten Damen die schwarzen Plastiksäcke hinterher trug, etwas anstrengender, da es mehrere Zimmer gibt. Wenigstens trugen die Damen mit grosser Begeisterung in jedem Zimmer ein anderes, der Situation angepasstes Gebet vor. Immerhin. Und das Personal durfte die restlichen Plastiksäcke behalten, was auch die Muslime zu bekehren vermochte.
Zwischen diesen beiden Afrika Highlights habe ich noch gearbeitet. Heute war Schwangerschaftskontrolltag. Es war ein bisschen so, wie ich es kenne. Das war beruhigend. Ich konnte Bäuche abtasten, messen, impfen und mit dem Herztonrohr die kindlichen Herztöne hören. Und ich habe sie wieder gehört. Immer besser. Das war sehr schön.

Für die, die es noch nicht wissen, das Herztonrohr hat seine Länge nicht aus akkustischen Gründen, es ist einfach ein bisschen länger als Flöhe springen können. Zum Schutz der Hebamme.
Ich sitze im Dunkeln. Darum schreibe ich noch etwas weiter. Vielleicht kommt das Licht noch, vielleicht gehe ich halt dann früh ins Bett. In einem Komentar hat mich meine Mutter gefragt, ob ich auch sicher sei. Das hat mich beschäftigt. Das Gebiet der anglophonen Bevölkerung ist nicht weit von hier. Koutaba ist zum Teil zweisprachig. Es scheint hier aber sehr friedlich, man spürt nichts von Unruhen. Die Leute hier wissen jedoch vom Krieg etwa 50 Kilometer von hier und raten ab, dort hin zu gehen. Nicht nur mir, auch sich selber. Ich fühle mich hier sicher, kann mich bewegen, ohne Angst oder ein komisches Gefühl im Bauch. Die Menschen sind sehr freundlich und verhalten sich auch nicht rassistisch.
Noch etwas ganz anderes. Gestern war der grosse Markt, der findet jeden Mittwoch statt. Dort habe ich etwas gesehen, das ziemlich unverdaulich ist. An einem Stand, nur war es nicht ein Stand in der Höhe, sondern einer am Boden, was alles noch verschlimmerte, konnte man plattgedrückte, getrocknete Ratten kaufen. Was macht man damit?