Markttag in Foumbot

Fronarbeit in Ngoundoup

Auf dem Weg zum Markt von Foumbot machten wir einen kleinen Zwischenstopp im Centre. Was dort gerade passierte war berührend. Der Dorfchef sass in seinem Rollstuhl auf einer ebenen Fläche vor dem Centre, umgeben von älteren Herren und arbeitete zusammen mit den jungen Männern des Dorfes. Ziel war die Befestigung der Strasse zum Centre. Sie haben ziemlich viel Erde in die Löcher der Strasse geschaufelt. Die Löcher waren sehr gross. Um sechs Uhr am Morgen wurde der Chef und sein Rollstuhl mit Dänus Auto zum Platz gefahren und die Fronarbeiter mussten beginnen. Es ist nicht so, dass hier aus ökonomischen Gründen oder Pflichtbewusstsein heraus schon um sechs Uhr mit der Arbeit angefangen wird. Es ist einfach um sechs Uhr morgens noch viel kühler.

Der Dorfchef (blaue Djellaba) und seine Entourage.

Es war ein schönes Bild und die Laune der Beteiligten sehr ausgelassen. Der Chef ist ein ruhiger, sehr freundlicher Mann und scheint auch im Dorf freundlich mit den Menschen umzugehen. Es bleibt trotzdem ein sehr fremdes System für mich. Vielleicht kommt es einem Gemeindepräsidenten am nächsten, einfach nicht gewählt, sondern hinein geboren. Einmal Chef, immer Chef. Der Chef leidet an Diabetes und hat beide Beine verloren. Deshalb sitzt er im Rollstuhl. Das ist sicher einer der Gründe warum er sich für eine bessere Gesundheitsversorgung einsetzt.

Zum Teil ist es schon entsetzlich hier. Omar erzählte von einem Mädchen, das am Strassenrand bewusstlos umfiel. Sie haben das Mädchen in Dänus Auto geladen und sind zum Centre vom Militär gefahren. Dort fanden sie ausser den Patienten niemand. Ärzte und Pflegefachleute waren beim militärischen Appell. Im nächsten Centre, das sie mit dem bewusstlosen Mädchen im Auto ansteuerten, war gerade Schichtwechsel und sie wurden gebeten zu warten, bis die neue Schicht eingetroffen ist. Erst im dritten Centre wurde ihnen sofort geholfen. Das Mädchen wurde gerettet. Dies ist nur eine von wahrscheinlich vielen Geschichten.

Auf dem Markt von Foumbot wurde alles Bisherige an Gewusel und Lärm zur Abwechslung noch einmal getoppt. Es ist einer der grössten Märkte in Kamerun. Die Lastwagen kommen aus den umliegenden Länder um in Foumbot Ware zu kaufen. Gemüse, Früchte, Reis, Mais und vieles mehr wird geladen und zum Beispiel nach Gabun gebracht. Sogar die Gemüsehändler arbeiten mit Lautsprecher und Endlosband. Madame, hier finden sie die besten Zwiebeln für nur 100CFA. Jetzt stellt euch mal hunderte von kleinen Ständen vor und jeder dritte arbeitet mit Lautsprecher. Kakophonie pur! Aber das ist noch nicht alles, die anderen Händlerinnen (die mit den Lautsprechern sind ausschliesslich Männer, warum wohl?) müssen sich auch bemerkbar machen. Jetzt denkt ihr vielleicht, das ist ja furchtbar. Aber wir sind noch nicht am Ende, denn da sind noch die oben erwähnten Lastwagen und natürlich unendlich viele Töffe. Kurz, ich bin nudle fertig. Aber ich werde den Markt wieder besuchen, es gibt Spaghettis zu kaufen.

Im ruhigeren Teil des Marktes. Ich traue mich noch nicht überall zu fotografieren.

Auf dem Rückweg haben Omar und ich Assana besucht. Sie ist die zweite Frau eines polygamen Mannes mit drei Frauen. Alle drei Frauen leben in einem eigenen kleinen Häusschen um einen gemeinsamen Hof. Es machte den Anschein, dass sich die drei Frauen nicht besonders mögen. Frau Nummer drei versuchte uns mit hasserfüllten Blicken zu töten. Das war nicht sehr angenehm, obwohl es wahrscheinlich gar nicht um uns ging, sondern die Anerkennung von Assana, Frau Nummer zwei. Furchtbar.

Nach so viel neu Erlebtem, noch etwas zu mir. Es geht mir besser. Gestern nach all meinen Aktivitäten zur Heimwehbekämpfung habe ich mich noch intensiv meinem Hebammenlehrbuch gewidmet und bis Mitternacht darin gelesen. Das war sehr hilfreich. Es ist nicht so, dass mein Heimweh einfach ausgestanden ist, aber es wird erträglicher. Dass ihr mir Kommentare und WhattsApps schickt hilft mir auch sehr. Und das Schreiben!

2 Kommentare zu „Markttag in Foumbot“

  1. Liebe Suzann, deine Berichte zu lesen , hat sich schon zu einem schönen täglichen Ritual entwickelt. Vor vielen, vielen Jahren hat die Dorfhebamme Hanni Althaus deine Herztöne mit so einem Rohr kontrolliert!
    Muntsch Mue

  2. Hei Susle, ich warte jeden Tag gespannt auf deine Berichte. Sie sind so interessant und so suslig geschrieben, geben mir das Gefühl, live dabei zu sein. Es ist schon eine ganz andere Welt, die du da beschreibst. Ich würde auch Heimweh bekommen. Aber du machst das schon. Darf ich eigentlich die Website weitergeben? Ich denke, es könnte auch Leute dazu motivieren, das Projekt zu sponsern. Ich wünsche dir weiterhin viel Power und umarme dich Regula

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