Die Schwangeren

Heute kam nur ein neuer Patient. Der Sohn von Omar hatte seit gestern Kopfschmerzen. Wir konnten ihn mit viel Wasser, einer Brioche und einem Stofftier heilen.

Ansonsten war Flaute. Aber, und das fand ich super, es kamen viele Frauen, darunter einige Schwangere, die das Geburtszimmer besichtigen wollten. Als sie das Lindenhofgebärbett sahen, waren sie etwas ratlos, wohin mit den Beinen, wie kann man auf so etwas gebären, das sieht ganz anders aus, überhaupt nicht wie es soll. Das war der Moment für eine kleine Demonstration und eine kurze Geburtsinformation. Das war so richtig nach meinem Geschmack und auch die Frauen haben es geschätzt. Hier sind die Schwangerschaftskontrollen in den meisten Centres am Donnerstag, so wie es aussieht, werden wir am Donnerstag einige Kontrollen haben. Ich freue mich!

Erklärung, warum der Geburtsweg des Kindes hier nach oben führt. (Foto leider unscharf)

Dann war heute noch ein Ereignis, das bei mir und auch bei allen anderen Anwesenden Entsetzen hervor gerufen hat. Neben dem Centre wohnt(e) eine Frau mit ihren Kindern. Sie ist verwittwet und muss selber für sich und ihre drei noch zu Hause lebenden Kinder sorgen. Das klappt mehr schlecht als recht. Einige wenige aus dem Dorf greifen ihr ab und zu unter die Arme. Nun ist die Frau wieder schwanger. Da sie nicht von ihrem Mann schwanger ist, was ja nicht möglich ist, da er nicht mehr lebt, haben die Brüder von ihrem verstorbenen Mann sie heute mit Sack, Pack und Kindern aus dem Haus verjagt. Ihren Sohn musste sie aus der Schule holen. Die Kinder und die Frau haben geweint, wir haben die Männer ausgeschimpft, aber es hat nichts genutzt. Ich informierte Omar und Omar informierte den Dorfchef und der schickte einen Unterdorfchef um die Männer zur Vernunft zu bringen, aber bis das organisiert war, war die Frau schon weg. Das Haus wird nun leer stehen, irgend eine idiotische Tradition hat diese Tat ausgelöst. Omar will sich dafür einsetzen, dass die Frau zurück kehren kann. Ich hoffe, dass er es schafft!

Entsetzlich ist das! Ausserdem ist Ramadan, der heiligste Monat im Jahr, in einer Religion, die sich um ihre Mitmenschen kümmern will, die Nächstenliebe propagiert. Omars Kommentar, – das sind Hypocrite – also Heuchler, es gebe viele, die dauernd zum Gebet rennen und innen einfach nur böse sind. Und die Geschichte zeigt auch, wie abhängig die Frauen von ihren Männern sind, sogar über deren Tod hinaus. Und statt ihr zu helfen, jagt die Verwandtschaft sie aus dem Haus, das ihrem Mann gehört hat und nicht seinen Brüdern. Ich kann es nicht fassen, es ist einfach nur schlimm! Sie musste zurück zu ihren Eltern, denn eine Frau lebt entweder bei ihren Eltern, dann ist der Vater der Boss, oder sie lebt bei ihrem Mannn, dann ist er der Boss.

Ein Teil der Gebärzimmerbesichtigerinnen.

Was gut war, dass das Entsetzen nicht nur mich ergriffen hat, keine der Frauen war der Ansicht, dass diese Tat mit irgendwelchen Traditionen zu rechtfertigen sei, im Gegenteil, sie litten mit der Frau, im Gegensatz zu mir, wussten sie genau, was auf diese Frau zukommt, denn sie wird auch bei ihrer Familie nicht willkommen sein. Und sie hat nicht nur ihr zu Hause verloren, auch ihr Feld, das sie bestellt hat, das sie gepflegt hat, das ihr das Überleben gesichert hat, gehört jetzt den beiden Idioten. Und die Kinder, stellt euch vor, ihr werdet mitten in einer Schulstunde von eurer Mutter abgeholt, weil ihr kein Zuhause mehr habt. Möglicherweise haben die zwei Idioten damit auch die Schulkarriere ihres Neffen beendet, weil die Schule kostet und ohne Einnahmen keine Schule.

Eigentlich würde ich gerne mit etwas positivem, aufmunterndem aufhören, aber es geht nicht, das Schicksal der Frau ist zu real und sie hat es verdient, dass wir wenigstens mit einem Scheissgefühl im Bauch zurück bleiben, mit der Ohnmacht, nichts tun zu können, gegen ihre Ohnmacht auch nichts tun zu können, sie hat es verdient, dass wir wenigstens mitfühlen und von uns hier im Dorf, hat sie verdient, dass wir alles menschenmögliche unternehmen, damit sie zurück kommen kann.

Start

Drei Kinder, zwei Erwachsene, die Krankheiten, Malaria mit oder ohne Typhus, Typhus mit oder ohne Malaria. Tönt vielleicht nicht nach viel Arbeit, aber ich bin nudlefertig. Es war kein Sprung ins kalte Wasser, aber kühl war es schon. Anstrengend ist es, weil die Frauen wirklich sehr anders arbeiten, als wir miteinander besprochen haben. Dass man Kinder informiert, was mit ihnen passiert, dass man Kinder, die Angst vor einer Blutentnahme haben mit anschreien nicht ruhiger bringt, sondern das Gegenteil erreicht, dass man Fieber auch mit Wadenwickeln senken kann, dass es meist keine Infusionen oder Spritzen braucht, sondern Tabletten ebenso gut helfen, dass die Dosis eines Medikamentes abhängig von Alter und Gewicht der Patientin, des Patienten bemessen wird, dass die Händedesinfektion wirklich wichtig ist und auch sonst die Hygiene zur Verhinderung der Ausbreitung der Krankheiten eingesetzt werden kann, all dies haben wir diskutiert, besprochen, doch nun, in der Realität, ist nichts mehr da. Das hiess für mich, mit der Desinfektionsflasche rumrennen, mit dem Besen, dauernd nachfragen, wurde dies, wurde das geputzt, desinfiziert, Kinder beruhigen, Behandlungen überprüfen, Packungsbeilagen (die von Swissmedics, wir haben ja keine) lesen, sensibilisieren, erklären, kämpfen, schauen dass Trinkwasser zubereitet wird, dass die Becher abgewaschen werden und nicht gleichzeitig Kinder mit Typhus und Kinder ohne Typhus aus den gleichen Bechern trinken, dass im Spitalzimmer nicht gegessen wird, dass die Kranken Ruhe brauchen und ihr Raum nicht zum Dorftreff verkommt, … deshalb bin ich jetzt nudlefertig.

Unsere ersten Patienten.

Also kurz, ich bin zwar nudlefertig, aber auch sehr glücklich. Wir sind gesprungen und es hat sich gelohnt! Und bis jetzt ist auch noch niemand gekommen um uns zu schliessen. Aber es wird eine harte Zeit. Ich bin Hebamme und ich kümmere mich um Typhus und Malaria. Was ich weiss ist, beide Krankheiten muss man mit Medikamenten behandeln. Was ich auch weiss ist, dass hier alle immer Spritzen wollen und Spritzen geben wollen, dass Fieber sofort verschwinden muss und dass eine Krankheit in erster Linie mit Chemie behandelt wird und dass Pflege eine extrem untergeordnete Rolle spielt. Wenn also dann alle nach einer Spritze schreien und ich für orale Behandlungen plädiere und das mit meinem doch ziemlich miesen Hintergrund im Wissen um diese Krankheiten und ich nicht sicher bin, ob ich den Frauen Unrecht tue, wenn ich das Gefühl habe, trotzdem mehr als sie zu wissen, dann bin ich schon ziemlich verunsichert und trotzdem hinzustehen und meine Sicht zu verteidigen braucht viel Kraft.

Der zweite Patient.

Aber alles in allem haben wir uns gut geschlagen. Die Leute waren zufrieden und Unsicherheiten, weil es eben keine Spritzen gab, konnten wir aus dem Weg räumen. Bis zum Abend schafften es die Mütter, für jedes Kind einen eigenen Becher zu nehmen und diese wieder abzuwaschen. Ein kleiner Erfolg im Bereich Hygiene!

Letzte Vorbereitungen

Heute waren Omar und ich im Spital von Foumbot und haben Medikamente, Infusionen und Material eingekauft. Und das hat einfach funktioniert! Unglaublich! Die einzige Frage lautete, ob wir wissen wie einnehmen, quer durch den Antibiotika-, Malaria-, Wurm-, Schmerz- und sonstige Medikamentengarten, und man wird nur gefragt, ob man weiss wie einnehemen. Ob wir sie auch bekommen hätten, wenn wir die Frage verneint hätten? Vielleicht hätten sie uns geraten die Packungsbeilage zu lesen, wobei, das geht gar nicht, denn wir haben weder Verpackungen noch Packungsbeilagen bekommen, nur die splitternackten Medikamente.

Da das Auto zur Abwechslung wieder einmal in Panne ist (Obwohl ursprünglich aus Frankreich, hat es sich Afrika sehr gut angepasst), sind wir mit dem Töff nach Foumbot gefahren. Auf dem Rückweg waren wir dann mit dem ganzen Spitalzeug und Essen für unsere kleine (nur die Frauen, Omar und ich und Moussah, der noch dazu gestossen ist) Eröffnungsfeier ziemlich vollgeladen. Aber das ist gar nichts. Ich bin jedesmal aufs Neue baff, was alles auf einem Töff transportiert werden kann. Fünf Säcke Zement, der Fahrer sitzt dann auf dem Tank, Schränke, Ziegen, ganze Familien mit drei Kindern (in polygamen Haushalten funktioniert das dann aber nicht mehr), Hühner, Eisenstangen, die hinterher geschleift werden, das gleiche mit Holz, eigentlich habe ich bis heute, ausser Böhs, ziemlich alles auf den Motos gesehen. Schlimm finde ich es, wenn der Fahrer einen Helm trägt und die Kinder keinen, das kleinste meist vorne auf dem Tank. Etwas ketzerisch frage ich mich dann, ob der Mann davon ausgeht, dass er im Notfall einfach neue Kinder zeugt.

Das letzte Mahl, für einen Monat, bei Licht.

Morgen früh um acht Uhr, morgen, morgen, morgen eröffnen wir. Was das heisst? Ehrlich? Keine Ahnung! Wir ziehen unsere schöne Arbeitskluft an und schauen was passiert. Ob ich nervös bin? Ja! Ich komme mir vor, wie wenn ich morgen in einem Theater auf der Bühne stehen soll. Aber wahrscheinlich wird morgen die Post noch nicht abgehen, Omar hat am Freitagsgebet die Bevölkerung informiert, er meinte, dass sicher viele kommen werden um zu schauen, aber ob wir schon richtige Patientinnen und Patienten haben werden, wird sich zeigen.

Unsere Eröffnung fällt mit dem Beginn des Ramadans zusammen. Da ich im Centre nur mit Musliminnen zusammen arbeite, werde ich die einzige sein, die essen darf. Wie das wohl sein wird? Ich habe auf jeden Fall beschlossen, dass ich am Morgen frühstücke bevor ich zur Arbeit gehe, sonst klappe ich zusammen, falls ich dann nicht zu fest auffallen will, und wenn ich zusammenklappe, dann falle ich umsomehr auf, wobei, falls keine Patientinnen kommen, dann wäre ich wenigstens eine und das Positive, ich könnte am eigenen Leib erleben, was die Frauen mit mir machen würden. Aber vielleicht doch ein ausgiebiges Frühstück, ich habe mir heute Avocados geholt, die sind sehr nahrhaft und sättigen gut. Grundsätzlich kann ich mir vorstellen, dass ich mich ernährungstechnisch anpasse, aber trinktechnisch, nein. Ich werde trinken, es geht gar nicht anders, ich schwitze, wenn es so düppig ist, und düppig ist es fast immer wenn es nicht regnet, von morgens bis abends, da muss dann wieder etwas rein in mich, etwas Flüssiges (nein, kein Bier, Wasser).

Unser Labor.

Wie ihr seht (stimmt nicht, hört, auch nicht, lest…), ich habe mich von meinem Koller erholt. The Show Must Go On! Und schon wieder sind wir im Showbusiness, dehalb bin ich nervös, klarer Fall! Die Erwartungen sind hoch, die Menschen wollen etwas Anderes, etwas Neues. Ob wir das wirklich bieten können? Dass wir noch keine pralle Apotheke besitzen ist schon einmal positiv. Das heisst, dass wir uns auf Alternativen konzentrieren müssen, etwas anderes bieten als alle, sowohl die Patientinnen und Patienten, als auch die Mitarbeiterinnen gewohnt sind und das wiederum heisst, dass ich im Gebiet, das ich kenne, genau diese Alternativen aufzeigen kann. Darauf freue ich mich, das macht mir aber auch Angst.

Kamerunkoller

Also wenn ich jetzt ganz ehrlich bin, ich möchte jetzt zu Hause sein, jetzt grad, sofort, auch keine Rückreise, einfach mit Chrigu und dem Ponyhof (das ist eine Abteilung im ASTRA) Nero di Sepia und Artischocken Spaghetti essen, etwas Weisswein säufeln, Berndeutsch rumalbern und dann in mein Bett liegen, nach einer Dusche mit Wasser und erst noch warm. Aber das geht halt nicht. Heute in vier Wochen, dann bin ich dort und dann esse ich Nero di Sepia, müde von der Reise, denn ohne komme ich nicht zurück, Chrigu kann nicht beamen und ich kenne auch sonst niemand, der oder die es kann und als Versuchskaninchen möchte ich auch nicht herhalten, wer weiss wie ich dann wieder zusammengesetzt werde.

Es ist wirklich ein wenig zum durchdrehen! Wenn ich denke, es klappt, Omar und ich sind ein Team, dann lässt er mich wieder sitzen, vertröstet mich, wenn ich Glück habe, per WhatsApp Stunde um Stunde. Wenn ich dann raste, finde das sei keine Teamarbeit, dann findet er ok, oder ich solle mich beruhigen, oder ich sähe nur meine Seite, er sei den ganzen Tag im Namen des Centres unterwegs, was genau, erfahre ich dann aber nicht und das ist dann für ihn im Team arbeiten.

Man kommt nicht vom Fleck hier, immer wirst du angelächelt und auf später vertröstet. Ich habe schon erwartet, dass die Leute hier anders funktionieren als wir, aber es ist schon sehr anders.

Die Busstation von Koutaba.

Ein ausgiebiger Spaziergang, eigentlich hätte ich keine Zeit dafür, aber ohne fahbaren Untersatz ist es schwierig, zuerst vierzig Kilometer in den Norden zu fahren, um die Medikamentenliste zu holen und dann vierzig Kilometer in den Süden zu fahren, um die Medikamente zu holen (die erste Medikamentenlieferung müssen wir über ein anderes Centre machen, da wir keine Bewilligung haben), darum, ein ausgiebiger Spaziergang, Wut und Frust im Stechschritt in den Boden stampfen, in Selbstgesprächen alle ins Pfefferland wünschen, übrigens der falsche Wunsch, sie sind schon da, Kamerun ist bekannt für seinen weissen Pfeffer. Nach dem Spaziergang hatte ich mich ein wenig beruhigt, ich kann noch nicht nach Hause, ich habe den Frauen im Centre versprochen, dass ich ihnen helfe, die zählen auf mich und ausserdem habe ich noch nasse Wäsche, die kann ich so nicht einpacken.

Noch vor Redaktionsschluss ist Omar aufgetaucht. Wir haben uns gefetzt und wieder vertragen. Es ist schon so, dass unsere Welten oft auseinander klaffen, er findet es respektlos mich um Hilfe zu bitten und ich finde es respektlos nicht zusammen zu arbeiten, schwierig. Aber anscheinend braucht es von meiner Seite immer wieder Verzweiflungsausbrüche, damit wir herausfinden woran es liegt. Es ist sehr anstrengend! Aber ich bleibe, ich versuche weiter mein Bestes zu geben und werde halt noch ein paar Mal ausflippen, aber schlussendlich finden wir einen Weg und zum Glück sind weder Omar noch ich nachtragend. Und morgen Punkt acht Uhr fahren Omar und ich nach Foumbot und organisieren dort im Spital, was wir brauchen. Zum Glück herrscht hier Automedikation, so bekommen wir so ziemlich alles, was unser Herz begehrt. Um 14:00 putzen wir dann das Centre noch einmal und räumen die Medikamente ein und am Montag um 08:00 geht es los.

Sherifa

Heute war ein etwas fauler Tag. Aber das macht nichts, muss ja ab und zu auch sein. Ich weiss jetzt, wo man laminieren kann und dass man nur Schwämme, die aus Schaumstoffmatten zugeschnitten werden, aber keine Handtücher ud Waschlappen kaufen kann. Ansonsten habe ich mich intensiv dem Hebammenlehrbuch gewidmet, in Anbetracht der Eröffnung am Montag und war schockiert wie veraltet das Buch ist. Und gleichzeitig war ich beeindruckt, wie viel ich noch weiss.

Gegen abend kam Sherifa, wie immer wenn sie kommt ist sie dann einfach ein wenig da. Sie erwartet nicht grosse Unterhaltung. Das erwartet, beziehungsweise bietet hier niemand. Es ist nicht so, dass du dich auf den Besuch einlassen musst, eine Sitzgelegenheit und wenn du besonders höflich bist, etwas zu trinken, dann kannst du wieder deiner Beschäftigung nachgehen, wenn du nicht wie ich, andere Sitten gelernt hast. Da Medikamente für mich im Moment ein wichtiges Thema sind, unterhielten wir uns darüber. Sherifa nimmt im Schnitt pro Woche etwa zehn Medikamente, sehr regelmässig auch Antibiotika, ohne Arztbesuch, manchmal für einen Tag, manchmal nur eine Tablette, wir hatten Gesprächsstoff. Dann fragte sie mich, wie sie denn ohne Medikamente zu Vitaminen kommen könnte. Ernährung? Während ich mich hier so gesund wie wahrscheinlich noch nie in meinem Erwachsenenleben ernähre, leiden hier sehr viele an Fehlernährung, mit ein Grund für häufige Erkrankungen. Ausser Spargel, Artischocken und Äpfel (die heissen übrigens pomme française) findest du die gesammte Gemüsepalette, die wir auch kennen und noch viel mehr und die Leute essen mehr oder weniger nur Reis mit Sauce, Mais mit Sauce, Maniok mit Sauce, Patatos mit Sauce, Kartoffeln mit Sauce, die Sauce ist aus Grünzeug, Tomaten, Zwiebeln und Fisch und manchmal gibt es auch Sandwich mit Teigwaren und Sauce.

Bac -Prüfung in Sport. Sherifa hat als Beste abgeschlossen.

Das Buch „Wenn es keinen Doktor gibt“ wurde ursprünglich für Südamerika geschrieben und dann für Afrika adaptiert. Es ist ein sehr nützliches Handbuch, sowohl für die Prävention und Sensibilisation, wie auch für den Alltagsgebrauch im Meistern von medizinischen Situationen. Dort drinn gibt es ein Kapitel zu Ernährung und Fehlernährung. Das gab ich Sherifa zum Lesen. Das war dann ziemlich eindrücklich, Sherifa begann zu lesen, halblaut, mit dem Finger folgte sie den Zeilen, Sherifa hat Ende Mai ihre Baccalauréat-Prüfungen (so ähnlich wie die Matur) und sie ist die Beste an der Schule. Was mich wieder zum Nachdenken über die Bildung brachte. Und auch darüber, welches Glück wir haben, wenn ebendiese Bildung in unserer Muttersprache oder in einer Sprache, die wir seit unserer Kleinkindzeit sprechen, stattfindet. Und Sherifa hat dann über eine Stunde gelesen, über Ernährung, über Hygiene und draussen haben sich die Wolken in Wasser aufgelöst und ich habe mit Chrigu telefoniert und Abendessen gekocht, dann kam weniger Wasser von oben und Sherifa ist nach Hause gegangen. Meinem Essen traut sie nämlich nicht, es ist ihr zu exotisch, was der Bauer nicht kennt …

Omar hat heute nach dem Freitagsgebet die Dorfbevölkerung über unsere Eröffnung am Montag informiert. Jetzt müssen sie nur noch kommen.

Und schon wieder, die Maus

Gestern sass ich noch am Computer und arbeitete. Ich weiss nicht warum, aber ich sehe jede Maus, jede Ratte, dafür keine Affen. Die Terassentüre stand offen, meine ganze Aufmerksamkeit war, vermeintlich, auf den Computer gerichtet und da kommt die Maus einfach rein! Mein Schrei hat mich erschrocken und mein Schrei hat auch die Maus erschrocken. Die Maus rannte sofort hinter die Regale und ich war noch viel schneller auf dem Tisch. Da sass ich auf dem Tisch, es war 21:30 und zitterte am ganzen Körper und überlegte fieberhaft und wusste, dass die verdammte Maus auch schon auf dem Tisch war (sie hatte Beweisstücke hinterlassen) und brauchte dringend eine Lösung. Vor allem, meine Zimmertüre stand offen, ich musste unbedingt vor der Maus dort sein (Dänu hat mir ein maussicheres Blech angeschraubt) und die Tür sofort schliessen. Mein Handy und mein Buch lagen mit mir auf dem Tisch. Gut, der Plan, Beides schnappen, viel Lärm machen und sofort ins Zimmer flüchten und die Türe schliessen. Gedacht, getan. Dann sass ich auf dem Bett, immer noch schlotternd und hatte ein neues Problem. Im Wohnzimmer brennt noch das Licht, die Wohnungstüre steht offen und wenn ich mich wage die Türe zu schliessen, dann ist die Maus eingeschlossen, dann ist sie auch am Morgen noch da, dann kann ich nie mehr aus dem Zimmer, dann muss ich mich von Wasser und meinen restlichen Ovo Sport ernähren (nur noch vier Stängel) und wenn ich die Türe offen lasse, dann kann die Maus zwar gehen, aber es ist eine Einladung fürs Nachtvolk von Koutaba. Ihr seht, ich befand mich in einer extrem heiklen Lage, in einem Dilemma. Also, weder die Lösung A, die Türe schliessen, noch die Lösung B, die Türe nicht schliessen, führten zu einem befriedigenden Ausgang, ausserdem wer sagt, dass bei Lösung B die Maus nicht trotzdem bleibt? – die Lösung konnte also weder A noch B heissen, ich brauchte ein C.

  • Guten Abend Omar, schläfst Du schon? Die Maus ist im Wohnzimmer. Sie ist durch die Terassentür reingekommen.
  • Soll ich kommen und sie rausjagen?
  • Peinlich, ja, gerne, ich wäre extrem froh, alle Türen sind offen, ich traue mich nicht…

Zusammen mit Abdullah kam Omar und sie haben die Maus rausgejagt, sie war sehr gross, recht dunkelbraun und hat sich von der Terasse nach unten gestürzt und hat überlebt, denn unten lag keine grosse, tote Maus, weder getrocknet, noch flach. Und ich ging ins Bett, war zugedröhnt mit Adrenalin, ass etwas Schokolade zur Beruhigung und habe dann, etwas spät zwar, aber doch gut geschlafen.

Genau so sah sie aus, nur viel grösser.

Ich hatte eigentlich gedacht, dass meine Angst kleiner ist, mit der theoretischen Maus konnte ich mich irgendwie arrangieren. Aber das echte, nicht theoretische Vieh hat mich eines Besseren belehrt. Von jetzt an schliesse ich bei Dunkelheit die Tür.

Im Centre geht es vorwärts. Wir haben beschlossen, dass wir am Montag eröffnen. Ob legal oder nicht, wissen wir noch nicht, aber ab 08:00 am Montag den 06. Mai 2019 wird das Centre, Inshallah, in Betrieb sein. Die Eröffnungsfeier holen wir nach. Nach all den Schulungen, Diskussionen und Traditionshinterfragungen, ist es wichtig, endlich zu arbeiten und wichtig, dass ich kamerunische Routinen so weit wie möglich verhindere. Es wird nicht einfach werden und wahrscheinlich sehr streng für mich. Aber dafür bin ich ja hergekommen.

Das sind zwei Gebärliegen in einem Centre hier in Koutaba. Die Liege links ist aus Holz, die Frau legt sich so drauf, dass ihr Gesäss über dem Becken liegt, wegen der Sauerei, die beiden Stöcke sind die Beinstützen, dort legt sie ihre Unterschenkel ab. Die Liege rechts sieht zwar ein wenig bequemer aus, hat aber ebenfalls ein Becken eingebaut. Als die Frauen das Lindenhofgebärbett zum ersten Mal sahen, fanden sie es zwar cool, aber das Becken für die Sauerei fehlte ihnen sehr. Und genau hier liegt die grosse Chance, wenn weder die Frau, noch die Hebamme auf die kamerunischen Folterliegen zurückgreifen können, besteht die Möglichkeit es anders zu machen.

Das Leben geht weiter

Nach all den schlechten Gefühlen, nach dem Frust und dem Ärger, brach heute ein neuer Tag an und es hat geregnet und es war der 01. Mai und die Menschen sind zu den 01. Mai Defilees gepilgert und wegen dem Regen konnten sie nicht arbeiten und wegen dem 01. Mai auch nicht. Ausser wir, wir haben gearbeitet, wir haben weiter unser Verständnis als Centre de Santé Mbambeluh diskutiert, weiter über Medikamente depatiert, uns weiter über die unmögliche Bürokratie enerviert, haben am Gebärbett die Beinstützen ausprobiert und sassen bei Stromausfall im Dunkeln. Dann hat es aufgehört zu regenen und zwei junge Männer sind aufgetaucht um Umgebungsarbeiten zu erledigen, Kinder sind gekommen um Fussball zu spielen und wir haben alle intensiv überwacht. Die wartende Haltung haben wir aufgegeben, wir stehen kurz vor der Eröffnung, ob legal oder illegal, wen kümmerts.

Das mit dem Regen hier, ist schon eine andere Liga. Heute war Markttag und das heisst, es hat sehr sehr sehr viele Menschen, die alle, wie ich, einkaufen wollen und es hat sehr sehr sehr viele Pfützen, die so gross sind wie kleine Seen und diese vielen Menschen wollen alle, wie ich, nicht in die Pfützen stehen. Aber dort wo keine Pfützen sind, bleiben nur ganz kleine Wege, weil dort haben die anderen sehr sehr sehr vielen Menschen ihre Waren, wie zum Beispiel tote, getrocknete, flache Ratten auf dem Boden ausgelegt, weil sie wollen diese nämlich auch nicht in die Pfützen legen, obwohl die Ratten dann vielleicht nicht mehr so flach und getrocknet wären. Es ist also ein ständiges Stossen, Schupsen und Balancieren und trotz aller Vorsicht siehst du innert kürzester Zeit aus wie ein Schweinchen das sich im Morast gesuhlt hat. Das Aussehen ist die eine Seite der Regenzeit, die andere Seite ist das Gefühl zwischen den Zehen, zuerst stehst du vorsichtig mit deinen Flipp Flopps auf den Matsch, aber die neigen zu einer Art Vakuum und bleiben kleben und der zweite Schritt, also der andere Fuss muss dann reagieren, damit der erste Fuss das Vakuum lösen kann und schon schmatzt der Morast zwischen den Zehen hoch und es wird schmierig und rutschig und du möchtest lieber umkehren, nach Hause gehen, die Füsse waschen, aber du hast noch nicht eingekauft und am Schluss musst du sowieso wieder durch den Matsch zurück. Der Rückweg ist dann noch etwas schlimmer, weil, während du auf dem Markt einkaufst (dort hat es erstaunlicherweise kaum Pfützen) trocknet der Morast ein und nach erneutem Schmatzen bekommt der Matsch Peelingqualität, etwas wofür viele Menschen viel Geld ausgeben, zwischen den Zehen jedoch selten gemacht wird. Aber ich habe es geschafft, habe mein Gemüse gekauft und gekocht und die Füsse wasche ich mit einer Bürste (anders werden sie nicht sauber), versprochen, bevor ich ins Bett gehe.

Sympathie

Nach zehn Jahren Arbeit beim Contact, fingen mich die Junkies an zu nerven. Ich konnte nicht mehr mit der vorherigen Leichtigkeit, dem gleichen Gleichmut, der nie endenden Engelsgeduld arbeiten, ich hatte oft das Gefühl das ganze sei für nichts. Ich litt nie unter einem Helfersyndrom, wollte niemanden retten, meine Motivation war (und ist es nach wie vor), ein Tag mit Lebensqualität ist ein gewonnener Tag. Ich weiss, das ist das Gleiche wie im Poesiealbumspruch, „mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitern Stunden nur“, aber ganz so einfach ist es nicht. Auch jetzt ist meine Motivation nicht helfen, ich stelle mir ein Geben und Nehmen vor. Aber es ist, wie immer, viel komplizierter. Meine Sympathie leidet. An der einen Front, sind die Männer, in meinen Augen, je länger ich hinschaue und hinschauen muss, eher schwache Personen, verhangen in hunderten von Traditionen, kulturellen Hindernissen, generationenalten Opferrollen, mit ausgeprägtem hyrarchischem Glauben, an der anderen Front die Frauen, die zwar den Power hätten, aber sich ebenso keine anderen Bilder als, das ist halt so, das kann man nicht ändern, vorstellen können. Das Ganze wird eingerahmt von einer korrupten Gesellschaft, wobei ein mickrig kleiner Teil profitiert und ein riesig grosser Teil darunter leidet. Aber der riesig grosse Teil beugt sich immer wieder und muckst nur auf, wenn der mickrig kleine Teil nicht hinhört.

Heute waren unsere „Helden“, der Dorfchef und Omar, in Bafoussam, beim Delegierten. Wir werden eröffnen, irgendwann, der Delegierte hatte gemeint, dass das Centre ein grosses Spital sei,- was habt ihr ihm denn erzählt, die vielen Male, die ihr schon dort gewesen seid? – und deshalb habe er bis jetzt keine Bewilligung ausgesprochen, – das waren die Anderen, die gesagt haben, Mbambeluh sei ein grosses Spital – Häää? – aber so sei es in einem Dorf mit 4000 Einwohnerinnen und Einwohnern sinnvoll zwei Centres zu führen, aber er müsse noch mit dem Chef de District … – hallo? Du bist sein Chef … -.
Der Dorfchef erwartete Applaus für die grosse Errungenschaft, aber ehrlich, ich kann nicht applaudieren, wofür, dafür, dass sie nicht fähig sind die Informationen zum Centre korrekt weiter zu geben oder dafür, dass sie Kommunikationskracks sind? Nein, es geht nicht, ich komme mir langsam vor wie in einem miesen Schmierentheater, eines mit schlechten Schauspielern oder Regisseur. Auch das Versprechen, dass wir nur noch bis Ende Woche warten und am Montag eröffnen, konnte nichts an meiner Unlust zu applaudieren ändern.

Ich war heute früh in einem der illegalen Centres von Koutaba und habe mit dem Chef dort gesprochen. Der Staat, beziehungsweise die Centres de Santé Intégrés wehren sich gegen alle privaten Centres. Das führt dazu, dass kaum ein privates Centre eine Bewilligung hat, gleichzeitig bleiben aber alle offen und werden mit Medikamenten und Impfstoff beliefert, weil der Aufstand der Bevölkerung bei einer Schliessung zu gross wäre und die Behörden das Risiko nicht eingehen wollen. Die CSI stehen überall in einem äusserst schlechten Ruf, da sie die Menschen auf jeder Ebene schlecht empfangen. Für mich heisst das, eröffnen und arbeiten und auf den Staat pfeifen, für den Dorfchef heisst das, kuschen katzbuckeln und gehorchen, dann sind wir etwas Besseres.

Während die Herren in Bassoufam weilten, haben die Damen geputzt. Das Centre glänzt! Wir können eröffnen. Aber auch mit den Frauen ist es nicht einfach. Das Thema Nummer eins, Medikamente! Medikamente! Medikamente! Resistenzen? Eine Erfindung der Schweizer? Wechselwirkungen von Medikamenten? Eine neue Mode? Nebenwirkungen? Risiken? Packungsbeilage? Was diese Europäer sich alles ausdenken, die sind total überreizt. Dabei ist es doch ganz einfach, da sind viele verschiedene Antibiotika, die helfen fast immer, und wenn nicht, dann ein Malariamittel, ein Wurmmittel, ein Pilzmittel und dazu noch ein Schmerzmittel, eine Beruhigungspille und wenn alles nichts hilft, vielleicht ein zweites Antibiotikum, eine andere Malariatherapie, höhere Dosierung beim Wurmmittel, das Pilzmittel direkt in die Vene. Und sowieso, wir wollen Patientinnen und Patienten und die wollen Medikamente, am liebsten Spritzen. Ich: – Ihr wollt anders sein als die anderen Centres, also, hier haben wir eine Chance. Wer einfach Medikamente will, kann ins CSI gehen, dann haben die auch noch etwas zu tun. Unsere Stärke soll eine gute Geburtshilfe sein, eine die sich unter den Frauen herumspricht, ein Ort wo sie gerne ihre Kinder gebären, wo sie ernst genommen werden. – Schweigen. Ich hoffe, das Schweigen bedeutet nicht, hoffentlich hält sie bald den Mund, ich hoffe das Schweigen bedeutet, dass die Zahnräder drehen, dass ein Denkprozess in Gang kommt.

Vorhin hat es geregnet, die Hitze des Tages, das Düppige, Schwüle hat sich aufgelöst und meine Sympathie, wenigstens für die Frauen, ist wieder ein bisschen gestiegen. Ich will hier noch bei ein paar Geburten dabei sein, will noch warten bis der Lavendel, den wir gesäät haben und der tatsächlich wächst, umgepflanzt werden kann. Vom Rosmarin, den wir auch gesäät haben, glaube ich, gibt es noch keine Spur.

Der Kragen

Ich war lange geduldig. Ich, die ich eigentlich nicht zu Diplomatie neige, habe versucht mit Taktgefühl, mit Verständnis für die Traditionen, die kulturellen Unterschiede, Schritt für Schritt in Richtung Eröffnung zu gehen. Heute ist mir der Kragen geplatzt, bildlich, ich trage nämlich einen Rock mit weitem Ausschnitt, also egal wie dick mein Hals wird, der Ausschnitt kann nicht platzen.

Ajara, Mitarbeiterin des Centres und Tochter des Dorfchefs erzählte uns heute eine hübsche Geschichte. Vor einem Jahr, Ajara hatte gerade geboren und weilte fürs Wochenbett im Haus ihrer Mutter, bekam der Dorfchef Besuch. Es war nicht irgendein Besuch, es waren der Chef du District de la Santé, die Chefin vom Centre de Santé Intégré, ihr Chef, noch ein paar weitere aus der Gesundheit und die Königin (die erste Ehefrau vom Sultan). Der Grund des Besuches war, dass sie im neu errichteten Mbambeluh „vorübergehend“ das Centre de Santé Intégré unterbringen wollten. Der Dorfchef hat abgelehnt. So weit so gut. Aber keiner der Partner (die männliche Form ist hier absolut korrekt, denn die Frauen haben eh nichts zu entscheiden) hier in Kamerun kam auf die Idee, Dänu über diesen Besuch zu informieren. Meine Einwände, dass die Geschichte, in der wir jetzt stecken, dort ihren Anfang nahm, wurden als Vermischung von verschiedenen Sachen abgetan. Dass sie nicht informiert haben, sei zum einen, dass es keine Rolle gespielt habe und sie die Königin danach im Palast besucht hätten und diese ihnen versichert habe, dass sie sie verstehe und zum anderen, dass es hier viele Traditionen gebe, die mit uns nichts zu tun haben. Da bin ich ausgeflippt. Das schlimme ist, sie fühlen sich absolut im Recht. Reflexion ist hier ein Fremdwort, ich bin dann einfach die Weisse, die keine Ahnung hat und die man höflich toben lässt.

Frauenpower In Zukunft

Etwas Gutes hat die Geschichte aber trotzdem. Unter den Frauen haben wir nach der Erzählung von Ajara heftig diskutiert und uns allen wurde klar, dass die Zeit der Höflichkeiten vorbei sind. Sie fanden, die schlagen uns, dann schlagen wir auch sie.
Etwas später waren wir beim Dorfchef, der erzählte wieder etwas von höflich sein, von Applaus für die Herren der Regierung, wollte noch einmal mit dem Dossier zum Chef in Foumban gehen, und, und … aber da hatte er nicht mit den Frauen gerechnet. Äusserst lautstark und mit vielen Argumenten bekam er ihre Meinung zu hören. Leider alles in Bamoun. Aber zwischendurch erfuhr ich doch einiges, das Dossier noch einmal einreichen? geht es noch? vielleicht nimmt er es diesmal und dann geht es verloren, man muss direkt zum Delegierten in Baffousam, der soll seine Meinung mit Blickkontakt sagen und entscheiden, und so wie so, die meisten Centres haben keine Bewilligung, wir eröffnen und fangen an zu arbeiten. Dazu muss ich sagen, dass ich nur unter der Bedingung mithelfe, dass ich nicht im Knast lande. Aber alle sagen, dass bei einer Schliessung nur das Haus versiegelt wird. Anscheinend darf der Chef de District nur eröffnen, nicht schliessen, das wäre dann der Delegierte und der müsste dann alle informieren und das wäre gut, weil die Geschichte nicht mehr klammheimlich passieren kann.

Mein Fazit, lasst die Frauen an die Macht! Die haben viel mehr Mut und Schneid!

Drei Mahlzeiten

Ich wanderte zu Omar. Nicht auf der Strasse, das wäre gar nicht lustig, durch das Quartier und durch die Brouse, zusammen mit GoogleMaps. Unter einem Baum habe ich mein PickNick, Resten kalt, aus dem Dupper, gegessen, von meinem selbstgemachten Hybiskussirup getrunken und ein wenig gelesen. Das Gras in der Brouse, das noch vor einem Monat klein und zart war, überragt mich jetzt. Das heisst, die Sicht dehnt sich von Grashalm zu Grashalm, der Pfad, schmal, mitten durchs Gras, immer wieder gekreuzt von Böhtrampelpfaden. Wahrscheinlich bog ich irgendwann, irgendwo auf einen Böhpfad ab und kam so richtig in den Seich … nur noch Sumpf, Wasser, irgendwie rund um mich herum, gefühlt auch in der Richtung aus der ich gekommen bin. Dort drüben, was ist das? Ein Acker? Wo ein Acker ist, ist auch ein Weg. So war es, über das Wasser waren Bretter gelegt und ich konnte das Sumpfgebiet trocken überqueren. Nach 10.3 km kam ich bei Omars Haus an. Ich wurde von seiner Mutter empfangen und ins Wohnzimmer gesetzt. Omars Mutter spricht nur wenig Französisch, so sind wir halt ein wenig da gesessen und haben geschwiegen. Omars Frau, Mimi, begrüsste mich und verschwand in der Küche. Ich konnte mich ausruhen, die Wanderung war streng, die Sonne heiss. Dann bekam ich von Omars Frau, Couscous (das ist hier eine Pampe aus weissem Mais) mit Sauce und Fleisch serviert. Zum Glück holte die Grossmutter auch einen Teller und wir assen zusammen, in schweigender Eintracht.

Gegen Abend fuhren Omar und ich nach Foumban um seinen Schwager, den Attaché vom Sultan, zu besuchen und Neuigkeiten zu unserem Problem zu erfahren. Zuerst zu uns, der Attaché hat in Foumban noch einmal mit dem Delegierten gesprochen und dieser hat mitgeteilt, dass er im Kontakt mit Yaoundé sei und sie zusammen besprechen, wie vorzugehen sei. Der Attaché rechnet mit einer baldigen Antwort. Omar und ich hoffen auf eine sehr baldige Antwort. Um mir zu beweisen wie wichtig er ist, hat der Schwager (ich habe seinen Namen schon wieder vergessen) mir einen Stapel Fotos gegeben, auf denen ist er mit dem Sultan in Yaoundé im Kongresspalast zu sehen. Später kam auch seine Frau Amina dazu, sie ist Polizistin, eines der Fotos zeigt sie in Kampfmontur mit Maschinengewehr, sie verschwand aber bald in der Küche und auch der Schwager verschwand immer wieder und Omar und ich sassen da und warteten, was weiter passiert. Das heisst, ich wartete ohne den Ablauf zu kennen, Omar wusste, dass wir zum Essen dort sind.

Beim Attaché zu Hause

Dann war das Essen bereit, wir wurden zu Tisch gebeten. Hinter einem Vorhang stand ein runder Tisch mit vier Stühlen, zwei davon zum draufsitzen, zwei eingeklemmt zwischen Wand und Tisch, gedeckt war für zwei Personen. Schräg. Essen wir alleine? Und die Familie, inzwischen sind auch noch Kinder und eine Tante dazu gekommen, esst ihr nicht? Doch, doch, wir essen mit euch. Das sah dann so aus, Omar und ich assen am Tisch, hinter dem Vorhang und der Rest der Familie im Wohnzimmer auf den Sofas. Die Gäste essen am Esstisch, leider nur die Gäste.

Die Rückfahrt führte durch die stockfinstere Nacht. Das ist wirklich äusserst gefährlich. Am Strassenrand Fussgängerinnen ohne Ende, auf der Strasse Auto um Auto mit aufgeblendeten Scheinwerfern, oder wie vor uns, Autos ohne Licht, Motos ohne Licht und Schlaglöcher ohne Ende. Das Auto vor uns, ohne Licht, dafür mit Stangen auf dem Dach, die mindestens zwei Meter hinten rausragten, fuhr ohne angehalten zu werden, bei stockdunkler Nacht, durch die Verkehrskontrolle der Polizei, soviel zu Verkehrssicherheit.
Dass ich jetzt schreibe, ist ein gutes Zeichen, es besagt, dass ich heil in Koutaba angekommen bin.