Sherifa

Heute war ein etwas fauler Tag. Aber das macht nichts, muss ja ab und zu auch sein. Ich weiss jetzt, wo man laminieren kann und dass man nur Schwämme, die aus Schaumstoffmatten zugeschnitten werden, aber keine Handtücher ud Waschlappen kaufen kann. Ansonsten habe ich mich intensiv dem Hebammenlehrbuch gewidmet, in Anbetracht der Eröffnung am Montag und war schockiert wie veraltet das Buch ist. Und gleichzeitig war ich beeindruckt, wie viel ich noch weiss.

Gegen abend kam Sherifa, wie immer wenn sie kommt ist sie dann einfach ein wenig da. Sie erwartet nicht grosse Unterhaltung. Das erwartet, beziehungsweise bietet hier niemand. Es ist nicht so, dass du dich auf den Besuch einlassen musst, eine Sitzgelegenheit und wenn du besonders höflich bist, etwas zu trinken, dann kannst du wieder deiner Beschäftigung nachgehen, wenn du nicht wie ich, andere Sitten gelernt hast. Da Medikamente für mich im Moment ein wichtiges Thema sind, unterhielten wir uns darüber. Sherifa nimmt im Schnitt pro Woche etwa zehn Medikamente, sehr regelmässig auch Antibiotika, ohne Arztbesuch, manchmal für einen Tag, manchmal nur eine Tablette, wir hatten Gesprächsstoff. Dann fragte sie mich, wie sie denn ohne Medikamente zu Vitaminen kommen könnte. Ernährung? Während ich mich hier so gesund wie wahrscheinlich noch nie in meinem Erwachsenenleben ernähre, leiden hier sehr viele an Fehlernährung, mit ein Grund für häufige Erkrankungen. Ausser Spargel, Artischocken und Äpfel (die heissen übrigens pomme française) findest du die gesammte Gemüsepalette, die wir auch kennen und noch viel mehr und die Leute essen mehr oder weniger nur Reis mit Sauce, Mais mit Sauce, Maniok mit Sauce, Patatos mit Sauce, Kartoffeln mit Sauce, die Sauce ist aus Grünzeug, Tomaten, Zwiebeln und Fisch und manchmal gibt es auch Sandwich mit Teigwaren und Sauce.

Bac -Prüfung in Sport. Sherifa hat als Beste abgeschlossen.

Das Buch „Wenn es keinen Doktor gibt“ wurde ursprünglich für Südamerika geschrieben und dann für Afrika adaptiert. Es ist ein sehr nützliches Handbuch, sowohl für die Prävention und Sensibilisation, wie auch für den Alltagsgebrauch im Meistern von medizinischen Situationen. Dort drinn gibt es ein Kapitel zu Ernährung und Fehlernährung. Das gab ich Sherifa zum Lesen. Das war dann ziemlich eindrücklich, Sherifa begann zu lesen, halblaut, mit dem Finger folgte sie den Zeilen, Sherifa hat Ende Mai ihre Baccalauréat-Prüfungen (so ähnlich wie die Matur) und sie ist die Beste an der Schule. Was mich wieder zum Nachdenken über die Bildung brachte. Und auch darüber, welches Glück wir haben, wenn ebendiese Bildung in unserer Muttersprache oder in einer Sprache, die wir seit unserer Kleinkindzeit sprechen, stattfindet. Und Sherifa hat dann über eine Stunde gelesen, über Ernährung, über Hygiene und draussen haben sich die Wolken in Wasser aufgelöst und ich habe mit Chrigu telefoniert und Abendessen gekocht, dann kam weniger Wasser von oben und Sherifa ist nach Hause gegangen. Meinem Essen traut sie nämlich nicht, es ist ihr zu exotisch, was der Bauer nicht kennt …

Omar hat heute nach dem Freitagsgebet die Dorfbevölkerung über unsere Eröffnung am Montag informiert. Jetzt müssen sie nur noch kommen.

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