Nächste Runde im Nerventest

Kennt ihr die Tage auch, die an denen ihr besser zu Hause geblieben wärt, die die lieber nicht stattgefunden hätten, die an denen das Hamsterrad immer noch an der gleichen Stelle dreht, die an denen ihr euch am liebsten in der Disco hinter dem Haus, mit der schlechten Musik und dem noch schlechteren DJ, mit Whisky besaufen würdet, obwohl ihr Whisky hasst, die Tage, an denen euch das Blogschreiben wie eine endlose Wiederholung der immer gleichen Wiederholungen von optimistischem Gedusel erscheint.

Das ist heute. Auf der Papierfront: Assana und Laborant, erledigt. Awa, am Morgen kam die Nachricht, dass sie morgen einen Termin mit der Dame, die die letzte Unterschrift geben muss, hat, am Nachmittag, dass die oben genannte Unterschriftendame, morgen nicht in Yaoundé weilt, dass am Freitag Karfreitag ist und am Wochenende Wochenende und sie also erst am Montag wieder vorbei gehen kann.

Schon am Morgen schaffte ich es eine der Mitarbeiterinnen zum Weinen zu bringen. Ihr kleiner Sohn (dreizehn Monate) ist krank. Unter anderem hat er Malaria, aber auch noch Husten und Bauchschmerzen, beziehungsweise eine aufgedunsenen Bauch. Die Mutter hat ihm zuerst eine Spritze mit drei verschiedenen Medikamenten (gegen Malaria, Antibiotika und für den Magen) gegeben, dann drei verschiedene Sirups (gegen Malaria und zwei für die Verdauung). – Warst du mit dem Kind beim Arzt? Hat ein Arzt das verordnet?- Nein, ich selber.- Da bin ich ausgetickt: – Da wollen wir gegen Selbstmedikation ankämpfen und sind selber nicht besser! Weisst du überhaupt ob diese Medikamente untereinander verträglich sind, man kann nicht einfach wild durcheinander Medikamente geben!- Da liefen die Tränen, zuerst hatte ich ein wenig ein schlechtes Gewissen, aber nur kurz. Dem Buben ging es wirklich nicht gut. Er war apathisch und stöhnte bei jedem Atemzug. Etwas später hatte sie sich dann endlich selber davon überzeugt zum Arzt zu gehen. Da frage ich mich dann schon, wieviel am Schluss hängen bleibt von unseren Gesprächen. Er ist zu tief verankert, der Glaube an die Medikamente und deren Allheilkraft. Die Schulmedizin wurde den Menschen mit dem Holzhammer eingetrichtert, die traditionelle Medizin mit der Peitsche ausgetrieben. Wenn du dann kommst und behauptest, dass nicht alles an der traditionellen Heilkunst Humbuk ist und dass vieles durchaus sinnvoll ist, dann machst du dich der Ketzerei verdächtig.

Die Kinder sind wieder in der Schule, die Kleinen entweder im Kindergarten, oder mit der Mutter auf dem Feld (die Mütter verlassen das Haus schon um 06:00 um aufs Feld zu gehen) und wir bleiben kinderlos. Das erleichtert die Arbeit im Centre nicht besonders, die Gefahr, dass die Übung in eine Art Arbeitstherapie ausartet ist gross. Unter diesen Umständen alle bei Laune zu halten, äusserst schwierig. Und heute hat es mich erwischt, meine Laune war im Keller. Ich war murrig und ziemlich unfreundlich. Das tut mir leid. Alles in allem haben die Frauen meine schlechte Laune mit Würde ertragen und alles gegeben um Madame Suzanne aufzuheitern. Und es wäre ihnen fast gelungen, hätte Omar nicht die Nachricht von Awa gebracht.

Caisa im Bad

Ursprünglich dachte ich, dass wir morgen, spätestens übermorgen die Papiere bekommen und dass wir möglicherweise am Wochenende arbeiten werden um die Eröffnung vorzubereiten, darum gab ich den Frauen für morgen frei. Im Nachhinein, bekommen sie trotzdem frei, um eine Übertherapierung im Arbeitstherapieprogramm zu verhindern. Und da unsere Hände extrem gebunden sind, was diese elenden Papiere anbelangt, gehen wir am Freitag auf einen Teamausflug. Teambildung nennt man das.

Noch ein kurzer Mäuseexkurs. Das elende Vieh hat trotz aller, von Dänu, angeschweissten Metallschranken, einen Weg gefunden um meiner Wohnung jede Nacht einen Besuch abzustatten. Und das Vieh ist hardcore! Ich weiss nicht ob es Kolleginnen und Kollegen mitbringt und sie zusammen im Wohnzimmer rumtoben und Mäusejagden veranstalten. Auf jeden Fall schmeisst sie alles um, zerwühlt den kleinen Teppich vor der Eingangstür und frisst den Deckel von der Ölflasche. Die Recherchen von Omar und mir haben zwei mögliche Eintrittsstellen ergeben. Beide sind in der Küche, von dort kann sie unter der noch ungesicherten Küchentür ins Wohnzimmer gelangen. Gestern verstopfte ich die Ritze mit einem Teppich. Das Resultat? Maus hat sich durch den Teppich gefressen. Wo wir vorhin von Arbeitstherapie gesprochen haben, das Vieh hat vielleicht vor mit mir eine Mäusetherapie zu machen. Der Schrecken ist auf jeden Fall schon ein ganz kleines bisschen kleiner. Lets hope! So oder so.

Schaukeln

Zuerst eine Malariaentwarnung. Das Fieber von Nérisa war nicht Malaria, sondern entweder eine Grippe oder ein Sonnenstich. Unserer, momentan immer noch einzigen, halben Patientin geht es heute schon viel besser. Sie bekam heute, natürlich in unserem Centre, eine Spritze in ihren Allerwertesten, das wiederholen wir noch viermal.

Ansonsten auch heute, Status Quo. Warten. Das heisst, Assana hat ihr Papier, der Laborant hat sich zu spät auf den Weg gemacht und muss morgen noch einmal hin und von Awa hatte ich bis Redaktionsschluss noch keine Neuigkeiten. Kinder sind heute keine gekommen, wie übrigens meistens am Dienstag, keine Ahnung warum. Aber die KiTa ist glaube ich kein wirkliches Bedürfnis, die Kinder kommen, wenn sie Hunger haben und spielen wollen und den Müttern ist es egal. So nutzte ich die Zeit für Sensibilisierung der Pflegekräfte. Und da muss ich schon immer und immer wieder staunen. Das Wissen, das die Frauen haben, ist extrem mies, bei den Pflegehilfen nicht erstaunlich, aber bei einer IDE (wir haben nämlich eine im Team, leider ohne Erfahrung und ausserdem fehlt ihr noch das Diplom), die zuerst ein Jahr Pflegehilfe gelernt hat und dann noch drei Jahre Pflegefachfrau, mit Spezialisierung als Hebamme, da staune ich unendlich über fehlendes Wissen. Die Frauen verordnen Therapien, flicken Verletzte zusammen und leiten Geburten, sie machen viel, viel mehr als wir in der Schweiz je dürften und wissen viel, viel weniger.

Heute diskutierten wir die prophylaktischen Antibiotikagaben bei der Geburt bei Mutter und Kind. Etwas, das hier routinemässig gemacht wird. Um erklären zu können, warum Hygiene die Gabe von Antibiotika ersetzt, fragte ich die Frauen, ob sie wissen, warum eine Frau nach der Geburt Blutungen hat. Keine hatte eine Ahnung, das Einzige, das sie wussten war, dass die Blutung stärker ist als bei einer Mens. Eine der Frauen wusste noch zu berichten, dass sie nach einem Kaiserschnitt unerwarteterweise auch Blutungen hatte. Als ich ihnen erzählte, dass die Blutung aus der Wunde kommt, die von der abgetrennten Plazenta (für nicht Medizinerinnen: Mutterkuchen, Nachgeburt) zurück bleibt und dass deshalb im Gegensatz zu einer Mens, wo eine Schleimhaut abgetragen wird, ein grosses Infektionsrisiko besteht, da haben sie grosse Augen gemacht und gestaunt. Warum die Frauen nach der Geburt keinen Geschlechtverkehr haben sollen (wenigstens das handhaben sie gleich wie bei uns), wird erklärt, dass die Milch durch den Geschlechtsverkehr schlecht wird und dadurch das Baby schwächlich. Mit einem Infektionsrisiko bringen die Frauen die Enthaltsamkeit nicht in Verbindung, die Geschichte mit der Milch glauben sie zwar nicht, aber eine andere Erklärung kennen sie nicht.

Auch die Babys bekommen nach der Geburt prophylaktisch Antibiotika. Einfach so, falls sie irgend eine Infektion haben könnten. Gleichzeitig leiden die Babys hier unter einer Krankheit, die rotes Füdli heisst (wird übrigens bevorzugt mit Pilzmitteln oder Antibiotika behandelt) und ein zweiter Vortrag von Frau Doktor Suzanne Lancer musste angehört werden. Darin ging es um die Besiedelung des Darms mit nützlichen Bakterien und um den grossen Rundumschlag der Antibiotikas und Frau Doktor Suzanne Lancer wagte die Hypothese aufzustellen, dass vielleicht ein Zusammenhang zwischen prophylaktischer Antibiotikagabe nach der Geburt und roten Füdlis bestehen könnte. Sie glaubten mir nicht recht. Die Frage ob sie selber nach der Einnahme von Antibiotika Durchfall bekommen, bejahten alle. Und, ein kleines Licht ging an.

Ich hoffe ganz fest, dass der eine oder andere Samen keimen wird. Aber eigentlich sollte man hier in der Ausbildung von Pflegefachkräften mitarbeiten. Denn dort wird ihnen eingetrichtert, dass alle eventuellen und konkreten Probleme mit Medikamenten gelöst werden können. Und dort wird ihnen wesentliches Grundwissen vorenthalten.

Etwa um 15:00 erwacht um das Centre ein reges Leben. Um 14:30 ist die Schule aus. Die Kinder kommen zum Wasser holen und zum Spielen. Die Erwachsenen folgen ihren Kindern zum Plaudern und die Schaukel wird rege benutzt.

Die Frauen sind dann schon gegangen und ich bin meist alleine im Centre. Auf einmal höre ich die Stimmen, zuerst kommen immer die Kinder. Sie wollen das Centre besichtigen (auch wenn sie es schon gestern und vorgestern gesehen haben) und dann wollen sie mit den Stofftieren und mit dem Fussball spielen. Heute hat sogar ein Junge mit seiner Mutter Frisby gespielt. Das ist der Moment in dem ich raus gehe um zu schauen, dass die Kinder keinen Mist bauen. Und das ist auch der Moment wo die Erwachsenen kommen. Sie wollen zwar nicht mit den Stofftieren spielen, auch der Fussball interessiert sie nicht, aber das Centre besichtigen, das wünschen sie sich alle, auch die Erwachsenen, egal ob sie schon zweimal da waren, man kann auch noch ein drittes, oder gar ein viertes Mal besichtigen und sich freuen.

Und auf der Schaukel, da sind dann alle wieder Kinder. Das Gekreische, gekicher, das herzhafte Lachen, die Freude, die Angst, generationenübergreifend… Die Frau auf dem blauen Plastikstuhl, hat diesen blauen Plastikstuhl auf ihrem Kopf mitgebracht. Es soll ja auch gemütlich sein, bei der Schaukel. Diese Momente haben trotz ihrer Öffentlichkeit eine tiefe Intimität an der ich teilhaben darf. Das ist sehr schön.

Malaria

Am Morgen ein Telefon von Nérisa – ich glaube ich habe Malaria – geh ins Spital, lass Dich testen. – Stunden später – ich bekomme die Resultate erst morgen, aber es ist wahrscheinlich Malaria. – Malaria trotz Prophylaxe, derselben Prophylaxe, die Dävu letztes Jahr genommen hat und mit der er mit einer Malaria nach Hause gekommen ist, verschrieben vom selben Hausarzt. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum diese Verschreibung eigentlich von Spezialistinnen für Tropenmedizin gemacht werden sollten. Jedes Malariagebiet hat andere Resistenzen. Lily und Hugo haben zum Glück ein anderes Medikament und ich auch.

Im Centre, Ajara, halblebendig, Malaria. Sie will nicht ins Spital, weil sie niemand hat, der zu ihrem gestillten Sohn schaut. Sie will die Infusion holen und zu Hause selber reinlassen. – Das kommt nicht in Frage! Was wenn du eine Reaktion auf die Infusion machst? Alleine zu Hause? Warum gehst du nicht zu deiner Mutter? Machst die Infusion dort? – Mein Mann akzeptiert das nicht. – Er ist etwas schwierig dein Mann? – Ja, das ist er. – Wir können nicht Gesundheit predigen und unser Personal ist krank. Ich begleite Ajara ins Centre de Santé Intégré, ja, genau das putzige, schöne in der Nähe. Ziel, Diagnose und Infusion holen, dann die Infusion bei uns verabreichen mit Überwachung. Kurz, unsere erste, halbe Patientin.

Wir gingen zusammen ins CSI. Der Boden war sauber, das wars aber schon. Wir wurden ins Behandlungszimmer gebeten, Ajara wollte, dass ich sie begleite. Dort wurden wir von acht Personen (alles Personal) empfangen, einige lagen auf der Unetrsuchungsliege, andere standen herum. Wenn die Krankenschwester einen Handgriff machte, assistierten mindestens zwei. Auch hier, der Boden war sauber. Das Plateau, auf dem die Zutaten für die Behandlung vorbereitet wurden, sah aus als ob es vor drei Monaten das letzte Mal gewaschen wurde. Die roten Krusten? Wer weiss, vielleicht eingetrocknetes Blut, oder eingetrocknete rote Erde? Auf jeden Fall eingetrocknet und rot. Die Medikamente lagerten unter dem Tisch, ebenso alles andere Material, auf dem Kühlschrank stapelte sich undefinierbares Material, Zweck, Alter und Herkunft nicht mehr bestimmbar.

Während wir dort waren, fand eine Kontrolle der Gesundheitsbehörde statt. Falls das Centre morgen noch geöffnet ist, bezweifle ich endgültig jedes Ineresse vom Staat an seinem Volk. Und ehrlich, wenn du im Personal ersäufst, warum setzst du dieses nicht vernünftig ein? Ajara bekam zuerst eine Spritze in die Vene, dann nahmen sie ihr kapillär Blut ab (für den Malariaschnelltest), dann eine Spritz in den Hinterteil und dann bekamen wir diverse Ampullen, Nadeln, Spritzen und eine Infusion. Damit gingen wir zurück ins Mbambeluh. Und das Resultat seht ihr oben.

Ich muss schon sagen, wir haben grosses Glück! Keine Malaria zu haben ist Lebensqualität. Diese Scheissmücken sind überall, es ist nicht wie bei den Zecken, die auch zum Kotzen sind, denen du aber ausweichen kannst. Und all die tollen Gadchets gegen Mücken, die wir haben und für uns mitbringen, die bleiben bei uns, den Europäern, den Kanadiern und so, Anti Brumm und Mückenstecker, zu teuer. Mückennetze, ja, aber die blöden Viecher stechen schon bevor du ins Bett gehst, schon in der Dämmerung.
Also, schauen wir in Europa, in Kanada und all den anderen Ländern, die kühl sind, dass es kühl bleibt und die Malaria nicht bis zu uns wandert.

Die Papiere? Fast, alle haben sie eingereicht, alle warten auf die Unterschriften. Morgen? Inshallah! Ich hoffe, dass, wenn wir endlich eröffnen, all die Diskussionen, all die Gespräche, all die Erzählungen, warum gewisse Sachen in der Schweiz ein „no go“ sind, Früchte tragen und wir von Anfang an einen Schritt weiter sind, als die anderen Centres.

Noch ein kurzer Exkurs mit Pädu zu den Böhs:

Salam🙋🏾‍♂ ….no churz e frag zu dine böhs. Sisi mängisch chli böhs, oder sägesi, wesi de mau öppis säge, schlicht und liislig böh?! Oooder sis tatsächlech dahus, wo glichlängi scheiche hei🤔😎😁😘? Greez, witermache.

Aleikum Salam
Auso di Böh mache möh u si Zebus u wärde zu Soya vrarbeitet u das isch nid das wo du dänksch, es isch ggrillt u nid vegi.
😘

..aaaah.. die mache MÖH🤗!!! Aber si zebus nid glich echli dahus? Wede möh machsch u süsch geng aune im wäg bisch, isch dä mitem soya de glich irgendwie chli vegan. Nid🤔😂

Aber si chöi uf bed Site loufe, auso Dahus definitiv nid!

….dahus chöi dänk aui sibe sitene erloufe! Vor irgend lang emau, het äbe dert e bärgpuur, mit sim bärgschnaps duzis gmacht u geng chli trouche. U när siger ufzmau zur hütte us, drei täg speter miteme verchrauete gring u verschrissne hosi ume ichetrappet u bhouptet äs sig eso. U weni, we ig, vier, scheiche, hätt, würdi gwüss o jedem sone chabis agäh u nümm jedem si schmare uf die site, när disi site trage… när passtsne de glich nid, no mau uf äi site düre u das nume zum sicher si, das die vorhähäregi site äbe gliiich die besseri wär gsi…! Oder…🤔🤣🤗😘

Ab zum Kloster

Ich brauchte ein Ziel, etwas Konkretes, etwas Energie kostendes, etwas um den Sonntag zufrieden, unkrisig zu verbringen. Zusammen mit Google-Maps entschied ich mich für eine Wanderung zum Zisterzienser Kloster Notre Dame. Zum Glück ist bekanntlich der Weg das Ziel und nicht die, von einem Soldaten mit Maschinengewehr bewachte 50er Jahre Anlage.

Der Weg bot mir fast alles was mein Herz begehrt, ausser Affen, obwohl ich jeden Baum bis zur Spitze studiert habe. Böhs sind durch die Brouse gewandert, im Wald haben die Vögel gezwitschert, gesungen, kommuniziert, Schmetterlinge in allen Farben und viel viel grün. Ich habe Avocadobäume gesehen, grösser als unsere Apfelbäume, voll mit Avocados. Ich hatte mir immer etwas zwischen Busch und Palme vorgestellt, das Bild kommt wahrscheinlich von den kümmerlichen, bei uns gezogenen Pflanzen. Dass es richtige Bäume sein könnten, hätte ich nicht gedacht.

Avocadobaum

Später fand ich den Weg in einen Wald, dort empfing mich eine wunderbare Ruhe. Nur die Vögel und ich, grosse Bäume, die ich mit Sperberaugen abgesucht habe. Erfolglos. Dafür sah ich orange, gelbe und blaue Vögel, was sehr schön war.

Der Wald war flach, keine Hügel, keine Steigung. Aber da war auf einmal eine Art grosses Loch, eine Treppe aus Erde führte hinunter und Pflanzen aus dem botanischen Garten (Gewächshaus) wuchsen dort unten. Soll ich runtersteigen, soll ich nicht? Lebt dort vielleicht ein Medizinmann oder sonst jemand. Logisch, die Neugier hat gewonnen. Die Treppe war glitschig und steil, aber es hat sich gelohnt.

Eine Quelle. Wenn es nicht mitten in Afrika wäre, wenn ich ein trockenes geschütztes Plätzchen gesehen hätte, dann hätte ich dort warten können, vielleicht wären die Affen zum Trinken gekommen, vielleicht auch andere Tiere und vielleicht auch Medizinfrauen. Aber es war alles feucht und klamm.

Etwa fünfzehn Kilometer bin ich heute gelaufen. Es hat sehr gut getan, ich bin über die Felder gegangen, habe mich mit den Frauen bei der Feldarbeit unterhalten, habe auf einem Avocadobaum gelesen und gegessen, habe gestaunt, geschaut und gelauscht. Die Gelassenheit kommt zurück. Morgen stürze ich mich wieder in unser Projekt und wenn mich die Verzweiflung überrollt, wandere ich zur Quelle und lasse die Ruhe wirken.

Vorhin ist jemand vor dem Haus mit seinem Moto gestürzt. Ich lag in der Hängematte, habe den Sturz nicht gesehen, habe nur den Aufprall gehört. Innert weniger als einer Minute standen mindestens fünfzig Menschen um den Verunfallten. Sie kamen von überall angerannt. Zum Glück ist nichts schlimmes passiert. Obwohl er zuerst wie tot auf dem Boden lag, konnte er bald wieder aufstehen und sogar wieder auf sein Moto steigen. Unfälle, Krankheit und der Tod sind hier allgegenwärtig. Omar sagt es sei die Regenzeit, die Saison der Todesfälle. Die Natur explodiert in neuem Leben und die Menschen sterben.

Es kriselet echli

Nein, es ist nicht schlimm… Nur ein wenig schlimm… Trotz intensiver Übung in Gelassenheit, trotz vorbildlicher Integrationsversuche, trotz meinem super Kampfoptimismus – könnten die vielen, vielen, unendlich vielen Scheisspapiere nicht endlich alle hier im Dossier sein? Ich bin das Warten leid. Ich will endlich im Centre de Santé Mbambeluh arbeiten. Aus all der Theorie soll jetzt subito Praxis werden!
Und sonst will ich mit Chrigu nach Frankreich fahren (Chrigu fährt morgen), dort lange Spaziergänge und Velotouren machen. Croissants essen, dem Feuer zu schauen, lesen, mit Chrigu diskutieren.

Mittwoch, die neue Deadline, Mittwoch, der neue Hoffnungsschimmer, Mittwoch… nicht die Eröffnung, nein, nur die vielen Stempel und Unterschriften, die Papiere, die Kopien, fürs Dossier, noch nicht eingereicht, noch keine Eröffnung.
In zwei Tagen bin ich eineinhalb Monate hier, Halbzeit, dann leide ich jetzt wahrscheinlich an einer kamerunschen Midlifecrisis. Das heisst, es geht vorbei. Aber es ist sehr anstrengend immer das Beste aus der Situation zu machen und gleichzeitig so wenig Einfluss auf eben diese Situation zu haben.

Heute waren Omar und ich in Foumban um noch die restlichen Sachen fürs Labor und den Untersuch zu organisieren. Ich bin gefahren und freue mich über die steigende Sicherheit hier auf der Strasse und im Verkehr.
Im Spital von Foumban führt der Chef Unterhalt der Geräte (Major de l’entretient), einen kleinen, und ich weiss nicht wie offiziellen, Laden für Labor- und Untersuchungszubehör. Er hat mir sogar einen Garantieschein für ein Jahr ausgestellt, mit Stempel und Unterschrift.

Omar in Traditionell, Spital Foumban

Auf dem Nachhauseweg haben wir Pilze gekauft, sind im staatlichen Pinienwald spazieren gegangen und haben in einer Bar etwas getrunken. So wurde es etwas mehr als nur ein Geschäftsausflug. Der Pinienwald ist ein staatliches Projekt. Die Pinien stehen in geraden Reihen. Die Stämme sind alle bis auf etwa einen Meter Höhe schwarz. Das ist vom Buschbrand in der Trockenzeit. Im Moment ist grad keine Trockenzeit, der Himmel hat seine Schleusen geöffnet und kübelweise Wasser ausgeleert. Der Pinienwald ist etwas trostlos mit seinen Reihen, der Boden voller Nadeln und nur vereinzelt ein paar Gräser. Und trotzdem, er hat gut getan, er hat etwas Vertrautes.

Auto fahren

Zum ersten Mal am Steuer sass ich auf der Fahrt von Kribi zurück Richtung Koutaba. Nérisa hat mir meinen internationalen Führerschein mitgebracht, jetzt darf ich offiziell fahren und ja, jetzt ist es auch Zeit es zu tun. Abdullah war sehr beeindruckt vom internationalen Führerschein, für ihn stellt das eine hohe Auszeichnung dar, wer so etwas bekommt muss extrem gut Auto fahren. Dass es sich nur um eine Übersetzung meines Führerscheins handelt, wollte er nicht gelten lassen. International ist international, das heisst, ich bin fit für die ganze Welt, fertig.

Ich hatte ziemlich Angst vor dem Fahren, es ist schon einfacher wenn Verkehrsregeln eine gewisse Gültigkeit haben, wenn es Vortrittsregeln gibt und wenn nicht dauernd einer auf deiner Fahrseite entgegen kommt. Andererseits bringe ich doch eine gewisse Erfahrung mit und wenn ich selber fahre, bin ich weniger ausgeliefert. Deshalb habe ich heute beschlossen, den Berlingo von Dänu zu fahren. Man muss äusserst aufmerksam bleiben, immer. Neben dem Gewusel, drei Autos und ein Moto nebeneinander, auf einer Strasse, die gemacht ist für zwei Autos nebeneinander, sind die Strassen zusätzlich gespickt mit tiefen, grossen, rumpligen Löchern. Also Tempomat und entspannt dahin rauschen ist nix. Ich habe es geschafft, war kein Verkehrshindernis, habe nichts gefährliches gemacht und kam in Koutaba an, ohne geschafft zu sein (ich gebe es zu, es waren auch nur zwanzig Kilometer) und werde das Auto wieder fahren.

Unsere Papiergeschichten im Centre nehmen neue Dimensionen an. Omar war gestern beim Sekretär des Delegierten für Gesundheit der Region West. Dieser hat Omar zu sich nach Baffousam gebeten um gemeinsam das Dossier anzuschauen und Lücken zu füllen. Das ist äusserst positiv, denn das heisst, dass wir von dieser Seite volle Unterstützung geniessen. Aber wie die Geschichte läuft, das ist Bürokratie in ihrer Reinform. Wir brauchen auch noch eine Legalisierung des Diploms von einer Laborantin oder einem Laboranten, unsere Laborantin hat nur ein Fähigkeitszeugnis, kein Diplom. Aber, schon haben wir einen Herrn an der Angel, der Laborant ist und sein Diplom für uns legalisiert (er wird nie bei uns arbeiten und möglicherweise das Centre nie von innen sehen, aber das ist egal, wir brauchen nur das Papier). Weiter brauchen wir einen Abwart, der sich als Kameruner legalisiert. Also was dieses legalisieren heisst, kann ich auch nicht genau sagen, aber auf jeden Fall bekommst du viele Stempel und Unterschriften. Wahrscheinlich beweist du damit, dass dein Diplom, beziehungsweise deine Identitätskarte keine Fälschung ist, eine andere Erklärung finde ich nicht. Auch Assana hat noch zu wenig Stempel und muss noch ein Papier mehr machen. Aber dann, dann sind wir hoffentlich endlich fertig.

Was ich gelernt habe ist, dass Ungeduld überhaupt nichts nützt. Ein Schritt nach dem anderen und das Ziel im Auge, den Glauben nicht verlieren. In der Zwischenzeit schweissen wir das Team zusammen, lernen uns kennen, mit unseren Stärken und Schwächen, visualisieren wir unsere Arbeit, diskutieren wir unsere verschiedenen Standpunkte, suchen wir nach Lösungen, führen wir die KiTa, sensiblisieren wir die Dorfbevölkerung und üben uns in Geduld. Wie schon gesagt, ausser beim Abschalten des Stroms, braucht alles seine Zeit. Ich passe mich langsam an, ich hoffe nicht zu fest. Immerhin muss ich nach meinem Aufenthalt hier wieder mit dem Schweizertempo mithalten.

Auch Awa, unsere IDE braucht Geduld, ihre Papiere sind fast fertig, sie braucht noch eine Unterschrift, die Dame, die diese geben soll ist jedoch ausser Haus.
Auch bei uns 8in der Schweiz) braucht man diverse Bewilligungen um ein Zentrum wie das Mbambeluh zu eröffnen, aber die Qualitätssicherung hört nicht mit der Bewilligung auf, ich kann nicht einfach die Papiere von jemand hinterlegen, der gar nie bei mir arbeitet, er trägt nicht nur theoretisch die Verantwortung, auch praktisch.

Weg von Papieren, hin zum Essen. Oben seht ihr die beste Avocado, die ich je gegessen habe. Sie wog sicher ein halbes Kilo und war einfach nur Hammer! Und von wegen Anpassung, ich glaube, ich habe den ultimativen Afrikatest bestanden! Ich habe Batons gegessen, das ist Maniok, der zwei, drei Tage im Wasser gelegen hat und dann in Bananenblätter gewickelt wurde (ich mache morgen eine Foto). Dävu und Dänu ertragen nicht einmal den Geruch und mir hat es geschmeckt, obwohl ich zugeben muss, dass ich sie mit Sauce gegessen habe, sonst sind sie schon etwas speziell.

Besichtigung des Centre

Mein Bauch, es geht ihm wieder viel, viel besser! Die Reiskur gestern hat gestopft und ich habe nur noch ein kleines bisschen Bauchweh. Und so war ich heute wieder im Centre. Das war gut. Etwa um 10h00 kamen zwei Herren und haben uns den Strom abgestellt. Rechnung nicht bezahlt. Die Rechnung wurde gestern in den Stromkasten gelegt, es sei aber schon die zweite, die nicht bezahlt sei. Omar hat die Rechnung gestern aus dem Stromkasten genommen (die Erste hat sich anscheinend im Stromkasten aufgelöst, Omar fand keine andere Rechnung im Stromkasten) und angerufen, dass er heute bezahlen kommt. Wenn die Leute hier immer so schnell arbeiten würden, wie beim Stromabschalten, dann hätten sie viele, viele Probleme nicht mehr. Mit einer unauffälligen Geldspende hätte ich die Abschaltung verhindern können, aber die Sonne hat geschienen, wir brauchten kein Licht, das Centre ist noch nicht eröffnet, die Geräte laufen nicht, wir kochen mit Gas und die Boiler fürs Warmwasser sind sowieso noch ausgeschaltet.

Nachdem die Frauen gegangen waren, blieb ich noch im Centre. Ich geniesse die Zeit, in der ich nachdenken und fertig einrichten kann, ohne dass mir jemand dauernd die Sachen aus den Händen nimmt. Ich war im Behandlungszimmer, als ich draussen die Kinder hörte. Die Kinder kommen am Brunnen das Wasser holen, sie sind noch recht klein (zwischen sechs und vielleicht zwölf Jahren) und tragen Kessel und Kanister von etwa zehn Litern auf ihren Köpfen nach Hause. Der Brunnen ist der Treffpunkt der Kinder. Sie kichern, necken sich und nutzen den Moment um auf dem grossen RittiPlampi zu schaukeln. Ich ging hinaus um ihnen zu zu schauen. Ich war erst an der Tür, da kamen sie angerannt, elf Kinder, und dann standen sie vor mir und schauten. Sie standen da, sie schauten mich an, sie sagten nichts. Ich merkte, die gehen nicht mehr, die bleiben, wir können jetzt hier stehen bleiben und einander anschauen und nichts sagen oder ich biete ihnen etwas. Also fragte ich, ob sie das Centre anschauen wollen. Jaaa! Einstimmig. Nichts mehr mit Dastehen und Schauen, die Kinder kamen in Bewegung.

Erster Raum, das Badezimmer, mit Toilette, Dusche und Lavabo. Wow! Elfstimmig. Zuerst haben sie fasziniert das Lavabo studiert, dann ebenso fasziniert die Duschbrause mit Schlauch. Gebärzimmer. Wow! Elfstimmig. Und so wurde jeder Raum mit einem elfstimmigen Wow kommentiert. Dann entdeckten sie die Kiste mit den Stofftieren. Nun wurden die Wows häufiger und das Geplapper von vorher, als sie sich unbeobachtet gefühlt hatten, wurde fortgesetzt.


Leider mussten sie die Stofftiere wieder zurück in die Kiste tun, aber jedes Kind hat den kurzen Moment mit dem Stofftier in seiner Hand genossen. Dann legten sie alle Tiere zurück, bedankten sich und rannten zum Brunnen um ihre Wassergefässe fertig aufzufüllen und nach Hause zu tragen.

Egal wo ich gegen Abend durch spaziere, an jedem Brunnen sind dutzende Kinder, die Wasser holen.

Im Bett

Zuerst sollte die Überschrift Durchfall heissen, aber das tönt schon etwas schräg und gruselig. Die letzte Nacht verbrachte ich zu einem nicht geringen Teil auf der Toilette. Am Morgen ging ich dann trotzdem ins Centre, wollte nach meinem Kribiurlaub die Frauen begrüssen. Sie freuten sich, mich wieder zu sehen, aber ich konnte es nicht wirklich geniessen, verbrachte mehr Zeit auf der Toilette als nicht. Zu Dritt gingen sie los und holten Guaveblätter, das sei gut bei Durchfall. Die musste ich kauen (scheusslich!) und mit Salzwasser runterspülen. Ich habe noch von den Blättern, kann mich jedoch nicht überwinden sie zu kauen.

Vor etwa zwei Stunden kochte ich Reis und ass ihn. Jetzt habe ich Bauchschmerzen, aber war nicht mehr auf dem Klo. Mal schauen. Wahrscheinlich steckte ich mich bei Hugo und Lily an, die hatten nämlich beide auch Durchfall.

So habe ich fast den ganzen Tag im Bett verbracht und gelesen, das war der schöne Teil vom Kranksein. Jetzt sitze ich auf der Terasse, lasse meinen überhitzten Körper von der leichten Brise abkühlen, fülle meine Lungen mit Abgasen und meine Ohren mit Menschen- und Verkehrslärm. Es ist Mittwoch, Markttag, aber ich bleibe zu Hause. Ausserdem hat das Kochen und die Zubereitung von Trinkwasser meine gesammte Energie aufgebraucht.

Am Donnerstag ist in Ngoundoup ein Imam gestorben. Er war erst fünfzig. Etwas ist in seinem Hals gewachsen, das ihm am Mittwoch heraus operiert wurde, leider schlecht, er ist verblutet. Am Freitag war die Beerdigung und gestern die Abdankung, das ganze Dorf stand still, kein Kind ist in der KiTa erschienen. Nur Abdullah musste arbeiten. Erst auf der Rückreise habe ich erfahren, dass der Imam nicht nur sein Onkel war, sondern auch sein Ziehvater, Abdullahs Vater ist gestorben als er noch klein war. Das tat mir furchtbar leid, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir eine andere Reisemöglichkeit nach Kribi gesucht. Abdullah sagte, wir hatten die Reise schon geplant und du bist für uns wichtig. In solchen Momenten komme ich mir ein wenig wie eine Hochstaplerin vor, vielleicht ist das das falsche Wort, aber auf jeden Fall habe ich dann das Gefühl etwas zu sein, das ich gar nicht bin.
Auf jeden Fall war Abdullah froh, als er bei unserer Ankunft sah, dass noch nicht alle Trauergäste gegangen sind und ich war auch froh.

Zurück

Ich bin wieder in Koutaba. Auch die Rückreise war sehr sehr lang. Wir wurden kontrolliert und kontrolliert und immer weiter so. In gelben Westen stehen sie auf der Strasse und kontrollieren (nicht zu verwechseln mit den allbekannten Gelbwesten in Frankreich). Sie kontrollieren im Namen der Verkehrssicherheit. Sie kontrollieren die Papiere, das Reserverad, die erste Hilfebox. Sie kontrollieren nicht die Geschwindigkeit, nicht Aufhocken, nicht Überholen bei Gegenverkehr, nicht mit achzig durch ein Dorf brettern, nicht telefonieren und SMS schreiben. Wenn etwas fehlt, dann bezahlst du und fährst weiter, ohne Quittung.

Gestern ist ein Bus bei einem Überholmanöver verunfallt (es hatte dummerweise Gegenverkehr, aber wie soll man das auch wissen, wenn man nicht um die Kurve sieht?), zehn Tote. Eine Seite des Busses war weg, wir sind heute an ihm vorbei gefahren. Am Strassenrand liegen Autos und Lastwagen im Strassengraben und alle paar Kilometer fährst du in eine ver… Sicherheitskontrolle und alle wollen Geld, selbstverständlich ohne Quittung und wenn du nicht mithilfst, nehmen sie dich und dein Gefährt einfach auseinander. Aber ich bin nicht bereit zu bezahlen. Ich habe erklärt, dass ich hier bin für ein humanitäres Projekt und dass ich keine Lust auf solche Geschichten habe. Und es hat geholfen! Wir haben nicht bezahlt.

Wie bekommt man in Kamerun einen Führerschein? Es gibt zwei Wege, für beide brauchst du einen Strafregisterauszug, dann kannst du entweder 60’000CFA bezahlen und bekommst den Ausweis, oder du gehst in die Fahrstunden und bezahlst nur 50’000CFA, wobei du die Fahrstunden auch noch bezahlen musst. Abdullah, mein Kribi Chauffeur kennt niemand, der Fahrstunden genommen hat.

Abdullah

Gestern waren wir bei den Lobé Wasserfällen. Die sind in der Nähe von Kribi, Wasserfälle direkt ins Meer. Der Ort ist sehr schön, ein wenig Robinson, Bounty artig. Der Fluss hat zwei Seiten (ho, ho, ich weiss, dass ihr das wisst), wir haben auf der näher bei Kribi liegenden Seite parkiert, wollten mit der Piroge übersetzen. Sofort waren wir umringt von Guides, Crevettenverkäufern, Souvenierverkäufern, Kokosnüsseverkäufern, alle hoch aggressiv, sehr aufdringlich, grenzüberschreitend. Nach knallharten Verhandlungen konnten wir mit der Piroge übersetzen. Abdullah war noch nie in einer Piroge oder sonst irgenwie auf dem Wasser, er sass auf seiner Bank und hatte das Gesicht eines Menschen, der mit seinem Leben abschliesst. Aber, wir kamen heil und trocken rüber. Auf der anderen Flussseite ist das Reich einer Frau, die dort ein kleines Paradies aufgebaut hat. Viele Bäume, Hängematten, Tische und Stühle laden zum Verweilen ein. Keine aggressiven Händler und Guides, nur Ruhe und Sand, Strand und Meer.

Lily

Es war schön, die drei Tage mit Lily, Hugo und Nérisa. Wir waren jeden Tag am Strand, haben gebadet und dem Treiben um uns zu geschaut. Hugo war erst gestern im Wasser, die vorherigen zwei Tage hat er sich nicht getraut. Und gestern wollte er nicht mehr raus aus dem Wasser. Das Meer ist fast dreissig Grad warm und es gibt grosse Wellen,die einen dauernd in Bewegung halten, innert kürzester Zeit beginnt man zu schwitzen, nix abkühlen.

Hugo

Kribi und Koutaba sind zwei verschiedene Welten. Koutaba ist eine Gemeinde mit vielen Kleinbauern, Kribi ist Touristenort. In Kribi geht es ums Geld, immer ums Geld. Das ist zeitweise sehr anstrengend.

Nérisa

Ich wurde richtig verwöhnt die drei Tage, es ging vor allem um mich. Das war ehrlich gesagt noch schön. Ich habe es genossen! Ja und morgen geht es hier weiter, in Koutaba und ich freue mich, dass wir unserem Ziel jeden Tag einen Schritt näher kommen. Die IDE Awa, liegt im Endspurt mit ihren Papieren und trotz unendlicher Bürokratie besteht die Chance, dass wir bald soweit sind.

Kribi

Ich sitze am Tisch vor dem Haus in Kribi und schwitze wie ein Schwein. Es ist heiss! Wir haben Fisch gegessen, mit grüner Sauce und Batons (Maniok im Wasser gelassen und dann in ein Bananenblatt gerollt), Dävu kann euch ein Lied davon singen, aber ich habe sie gern, mit Sauce.

Die Reise war laaaang! Zuerst über die Berge, das war schön, dann durch Douala, das hat gestaut, dann weiter bis wir das Meer gesehen haben! Und ich war noch nicht drinn.

Jetzt bin ich bei Lily, Hugo und Nérisa und es ist schön! Lily sitz auf meinem Schoss und leuchtet mit der Taschenlampe damit ich die Buchstaben sehe. Merci Lily.

Es ist sehr ruhig hier, man hört nur uns und die Grillen. Hugo liegt schon im Bett und schläft, ich werde bald zu ihm gehen.

Ich habe alle Grüsse ausgerichtet, glaube ich, und wünsche eine gute Nacht.