Ich bin wieder in Koutaba. Auch die Rückreise war sehr sehr lang. Wir wurden kontrolliert und kontrolliert und immer weiter so. In gelben Westen stehen sie auf der Strasse und kontrollieren (nicht zu verwechseln mit den allbekannten Gelbwesten in Frankreich). Sie kontrollieren im Namen der Verkehrssicherheit. Sie kontrollieren die Papiere, das Reserverad, die erste Hilfebox. Sie kontrollieren nicht die Geschwindigkeit, nicht Aufhocken, nicht Überholen bei Gegenverkehr, nicht mit achzig durch ein Dorf brettern, nicht telefonieren und SMS schreiben. Wenn etwas fehlt, dann bezahlst du und fährst weiter, ohne Quittung.
Gestern ist ein Bus bei einem Überholmanöver verunfallt (es hatte dummerweise Gegenverkehr, aber wie soll man das auch wissen, wenn man nicht um die Kurve sieht?), zehn Tote. Eine Seite des Busses war weg, wir sind heute an ihm vorbei gefahren. Am Strassenrand liegen Autos und Lastwagen im Strassengraben und alle paar Kilometer fährst du in eine ver… Sicherheitskontrolle und alle wollen Geld, selbstverständlich ohne Quittung und wenn du nicht mithilfst, nehmen sie dich und dein Gefährt einfach auseinander. Aber ich bin nicht bereit zu bezahlen. Ich habe erklärt, dass ich hier bin für ein humanitäres Projekt und dass ich keine Lust auf solche Geschichten habe. Und es hat geholfen! Wir haben nicht bezahlt.
Wie bekommt man in Kamerun einen Führerschein? Es gibt zwei Wege, für beide brauchst du einen Strafregisterauszug, dann kannst du entweder 60’000CFA bezahlen und bekommst den Ausweis, oder du gehst in die Fahrstunden und bezahlst nur 50’000CFA, wobei du die Fahrstunden auch noch bezahlen musst. Abdullah, mein Kribi Chauffeur kennt niemand, der Fahrstunden genommen hat.

Gestern waren wir bei den Lobé Wasserfällen. Die sind in der Nähe von Kribi, Wasserfälle direkt ins Meer. Der Ort ist sehr schön, ein wenig Robinson, Bounty artig. Der Fluss hat zwei Seiten (ho, ho, ich weiss, dass ihr das wisst), wir haben auf der näher bei Kribi liegenden Seite parkiert, wollten mit der Piroge übersetzen. Sofort waren wir umringt von Guides, Crevettenverkäufern, Souvenierverkäufern, Kokosnüsseverkäufern, alle hoch aggressiv, sehr aufdringlich, grenzüberschreitend. Nach knallharten Verhandlungen konnten wir mit der Piroge übersetzen. Abdullah war noch nie in einer Piroge oder sonst irgenwie auf dem Wasser, er sass auf seiner Bank und hatte das Gesicht eines Menschen, der mit seinem Leben abschliesst. Aber, wir kamen heil und trocken rüber. Auf der anderen Flussseite ist das Reich einer Frau, die dort ein kleines Paradies aufgebaut hat. Viele Bäume, Hängematten, Tische und Stühle laden zum Verweilen ein. Keine aggressiven Händler und Guides, nur Ruhe und Sand, Strand und Meer.

Es war schön, die drei Tage mit Lily, Hugo und Nérisa. Wir waren jeden Tag am Strand, haben gebadet und dem Treiben um uns zu geschaut. Hugo war erst gestern im Wasser, die vorherigen zwei Tage hat er sich nicht getraut. Und gestern wollte er nicht mehr raus aus dem Wasser. Das Meer ist fast dreissig Grad warm und es gibt grosse Wellen,die einen dauernd in Bewegung halten, innert kürzester Zeit beginnt man zu schwitzen, nix abkühlen.

Kribi und Koutaba sind zwei verschiedene Welten. Koutaba ist eine Gemeinde mit vielen Kleinbauern, Kribi ist Touristenort. In Kribi geht es ums Geld, immer ums Geld. Das ist zeitweise sehr anstrengend.

Ich wurde richtig verwöhnt die drei Tage, es ging vor allem um mich. Das war ehrlich gesagt noch schön. Ich habe es genossen! Ja und morgen geht es hier weiter, in Koutaba und ich freue mich, dass wir unserem Ziel jeden Tag einen Schritt näher kommen. Die IDE Awa, liegt im Endspurt mit ihren Papieren und trotz unendlicher Bürokratie besteht die Chance, dass wir bald soweit sind.