Nein, es ist nicht schlimm… Nur ein wenig schlimm… Trotz intensiver Übung in Gelassenheit, trotz vorbildlicher Integrationsversuche, trotz meinem super Kampfoptimismus – könnten die vielen, vielen, unendlich vielen Scheisspapiere nicht endlich alle hier im Dossier sein? Ich bin das Warten leid. Ich will endlich im Centre de Santé Mbambeluh arbeiten. Aus all der Theorie soll jetzt subito Praxis werden!
Und sonst will ich mit Chrigu nach Frankreich fahren (Chrigu fährt morgen), dort lange Spaziergänge und Velotouren machen. Croissants essen, dem Feuer zu schauen, lesen, mit Chrigu diskutieren.

Mittwoch, die neue Deadline, Mittwoch, der neue Hoffnungsschimmer, Mittwoch… nicht die Eröffnung, nein, nur die vielen Stempel und Unterschriften, die Papiere, die Kopien, fürs Dossier, noch nicht eingereicht, noch keine Eröffnung.
In zwei Tagen bin ich eineinhalb Monate hier, Halbzeit, dann leide ich jetzt wahrscheinlich an einer kamerunschen Midlifecrisis. Das heisst, es geht vorbei. Aber es ist sehr anstrengend immer das Beste aus der Situation zu machen und gleichzeitig so wenig Einfluss auf eben diese Situation zu haben.
Heute waren Omar und ich in Foumban um noch die restlichen Sachen fürs Labor und den Untersuch zu organisieren. Ich bin gefahren und freue mich über die steigende Sicherheit hier auf der Strasse und im Verkehr.
Im Spital von Foumban führt der Chef Unterhalt der Geräte (Major de l’entretient), einen kleinen, und ich weiss nicht wie offiziellen, Laden für Labor- und Untersuchungszubehör. Er hat mir sogar einen Garantieschein für ein Jahr ausgestellt, mit Stempel und Unterschrift.

Auf dem Nachhauseweg haben wir Pilze gekauft, sind im staatlichen Pinienwald spazieren gegangen und haben in einer Bar etwas getrunken. So wurde es etwas mehr als nur ein Geschäftsausflug. Der Pinienwald ist ein staatliches Projekt. Die Pinien stehen in geraden Reihen. Die Stämme sind alle bis auf etwa einen Meter Höhe schwarz. Das ist vom Buschbrand in der Trockenzeit. Im Moment ist grad keine Trockenzeit, der Himmel hat seine Schleusen geöffnet und kübelweise Wasser ausgeleert. Der Pinienwald ist etwas trostlos mit seinen Reihen, der Boden voller Nadeln und nur vereinzelt ein paar Gräser. Und trotzdem, er hat gut getan, er hat etwas Vertrautes.

Liebe Suzla, halt die Ohren steif, geht vorbei! Muntsch Mue