Ich warte wieder einmal. Wobei, diesmal trifft niemand eine Schuld, nicht die Menschen hier, nicht Kamerun und auch nicht Afrika, nicht einmal der Chef de District de la Santé, auch ich bin unschuldig. Ich warte auf die erste Geburt. Schwangere sind schon ein paar vorbei gekommen, aber noch keine Gebärende. Sie wird kommen, da bin ich sicher und dann, dann muss ich zeigen was ich drauf habe, ich habe Lampenfieber! Heute kamen keine Kinder, dafür zwei ältere Semester, die wir aber beide ins Spital schicken mussten. Die einen kamen mit einer alten Frau von Foumbot (ca. 15km) weil ihnen das Centre so gut gefallen hat. Die Frau hatte schlimme Bauchschmerzen und Blut im Stuhl, die brauchte ein Spital und zwar ein Regionalspital, also mussten sie den ganzen Weg wieder zurück fahren und noch weit auf die andere Seite von Foumbot nach Baffousam, aber trotz des Ärgernisses, in die falsche Richtung losgefahren zu sein (mit dem Bus) dankten sie uns für unsere kompetente Auskunft. Ramatou und ich dachten beide, dass die Frau wahrscheinlich Krebs im Bauch hat.

Da es im Centre ansonsten sehr ruhig war, beschloss ich, endlich in den grossen Wald zu gehen. Was für eine Scheissidee! Und seien wir ganz ehrlich, so viel Sturheit und Dummheit kann ein einzelner Mensch eigentlich gar nicht in sich vereinigen, mir ist es gelungen. Alles fing gut an, ich wanderte durch Maisfelder, Peperonifelder, andere Felder und Grupplifelder, der Weg war gut, ich traf viele Leute, die vom Feld zurück gingen, der Weg wurde etwas schmaler, ich traf kaum noch Leute, je weiter weg die Felder von den Häusern, desto schmaler der Weg. Dann wurde der Weg nass und nässer und verwandelte sich immer mehr in ein Bächlein mit stehendem Wasser, da konnte ich nicht mehr durch, also musste eine neue Methode zum Einsatz kommen. Zwischen den Maisstauden waren Furchen, die standen unter Wasser, aber die Maisstauden selbst standen trocken, also hüpfen und der Wald, der war irgendwie ganz nahe, und ich hüpfte, mal ging es gut, mal landete ich im Morast in der Furche, und ich hüpfte und hüpfte und hüpfte und war schon ziemlich erschöpft und die Sonne schien und der Mais spendete keinen Schatten und der Wald rückte näher, umkehren war keine Option, ich wollte in den Wald (Sturheit), hätte ich doch Gummistiefel gekauft (Dummheit), hätte ich doch besser nach dem Weg gefragt (noch grössere Dummheit). Die Furchen wurden mit jedem Überspringen breiter, das Wasser höher, aber der Wald kam auch näher.

Dann endlich, der letzte Sprung, an den Waldrand, und der Wald, war auch voll Wasser, aber das wird doch irgenwie gehen, weiter drinnen wird es doch kein Wasser mehr haben, dort hat es Affen, aber sicher nicht Wasser, hier kann ich ja von Wurzel zu Wurzel hüpfen. Gedacht, begonnen. Doch kaum war ich auf den Wurzeln, war ich voll schwarzer kleiner Viecher, so klein wie Punkte und meine Haut fing Feuer. Einzige Rettung, sofortige Flucht. Und wieder hüpfte ich von Maishügel zu Maishügel und landete immer öfter im Morast und es brannte und brannte, vor allem die Stirn, der Nacken und am schlimmsten die Ohren. Und ich hätte schreien können und keiner hätte mich gehört und die Rega wäre nicht gekommen und ich habe die Affen immer noch nicht gesehen und ich gehe wohl in Zukunft besser in den Zoo. Total erschöpft kam ich zurück ins Centre und nahm eine Dusche um das Brennen zu mildern und putzte meine Ohren mit Alkohol um sie zu kühlen und erfuhr, dass die schwarzen Punkte Ameisen sind und ja, jetzt wo ihr es sagt, genau so fühlt es sich an, nur viel viel intensiver. Jetzt habe ich übrigens von der Hüpferei auch noch Muskelkater bekommen und zweifle ernsthaft an meiner Intelligenz. Und doch, ich werde den verdammten Wald noch erobern, aber vielleicht nicht alleine.



















