Die Frau

Omar war gestern noch in der Chefferie wegen der Frau, die aus ihrem Haus gejagt worden war. Er ist, wie wir alle, tief erschüttert. Der Dorfchef wird, beziehungsweise muss, denn seine Frauen haben getobt, die beiden Brüder zurechtweisen und auffordern, die Frau wieder zurück zu holen. Omar sagte mir, dass der Dorfchef sie nach dem Gebet um 13:00 holen will, ob das geschehen ist und was dabei herausgekommen ist, weiss ich leider nicht, da ich heute etwas früher gegangen bin und bis dahin noch keine Informationen zu uns gelangt waren. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

Im Centre war heute Morgen um 06:00 eine Frau mit Wehen eingetreten. Sie wird ihr drittes Kind bekommen. Aber sie ist erst in der 35igsten Schwangerschaftswoche und wenn das Kind heute geboren würde, wäre es eine Frühgeburt. Ein Umstand, den die guten Mitarbeiterinnen im Centre nicht zur Kenntnis genommen hatten. Auch der Blutdruck (12/10), ein Wert der nicht mit Leben zu vereinbaren ist, wurde von der Chefin ohne Fragezeichen ins Carnet eingetragen. Da fragt man sich dann schon ein wenig, wie es gelungen ist, die Mütter- und Kindersterblichkeit zu senken. Nach einer ausgiebigen warmen Dusche, einer Prozedur, die die Frau mit kindlicher Freude genoss, beruhigten sich die Wehen und sie konnte, ausgerüstet mit Ratschlägen, wieder nach Hause gehen.

Wie schon geschrieben, ich bin heute früher gegangen, ich war nämlich mit Zenabou auf dem Markt um Stoff zu kaufen. Heute ist Mittwoch, wie schon oft erwähnt, der Markttag, und wie es sich gehört, waren auch die toten, getrockneten, flachen Ratten dort, diesmal in einem Kessel, und auch wie es sich gehört, habe ich einen klitze kleinen Satz gemacht, als ich die elenden flachen Dinger wahrnahm, und wie es sich überhaupt nicht gehört, hat der Kessel mit den toten, flachen, getrockneten Ratten einfach den Platz gewechselt und stand tatsächlich noch einmal vor mir und ich machte ein weiteres Sätzchen. Aber es ging um Stoff. Stoff kaufen ist einerseits etwas sehr lustvolles, man staunt, schaut, wählt, vergleicht, berührt und stellt sich vor, andererseits ist Stoff kaufen in Koutaba auf dem Markt etwas sehr anstrengendes, man wird gezogen, genötigt, muss anfassen, muss schauen und fühlt sich dauernd genötigt, die Lust vergeht und bis jetzt, habe ich meine Versuche Stoff zu kaufen schnell wieder aufgegeben. Deshalb kam heute Zenabou ins Spiel. Mit ihr waren die Frauen weit weniger aufdringlich, mit ihr wussten sie, dass kein Extraverdienst drinnliegt. Ich wurde zwar immer noch gezogen und genötigt, aber doch in einem Ausmass, das erträglich war und die Lust am Stoff kaufen nicht verderben konnte. Und ich habe Stoff gekauft, achtzehn Meter und nicht den, auf dem Bild unten., sondern drei andere.

Ramadan, ich habe also vorgestern und gestern, wie es sich gehört, fast Ramadan gemacht, fast, weil am Morgen da war ich etwas, ein kleines bisschen, zu spät mit meinem Frühstück, aber am Abend da war ich perfekt pünktlich. Heute fand ich, dass der Ramadan überschätzt wird und als mir Rafiatou ein Sanwich mit Schoggi und Butter anbot, war ich sicher, dass ich keinen Ramadan mache. Und päng, nach teilweise genüsslichem Verzehr, die Schoggiqualität ist fern unserer Geschmacksnerven, die Butter auch, rannte ich mit Darmkrämpfen aufs Klo und fragte mich, ist das ein Zeichen? Und ich kam zum Schluss, ja, es ist ein Zeichen. Ein Zeichen für die schlechte Qualität von Schockolade und/oder Butter hier. Und so werde ich weiterhin nach Lust und Laune ramadanen, aber ohne Schoggi-Butter-Sandwich.

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