Auberginen

Man kann einen Tag auch von hinten aufrollen, oder nicht? Ich habe heute, und schon bin ich nicht mehr hinten, sondern es war am Morgen, so Dinger gekauft, von denen ich meinte, es seien Auberginen, ich habe sogar gefragt ob es Auberginen sind und ein Oui zurück bekommen. Gut, sie sahen aus wie Auberginen, die etwas zu klein, etwas zu verkrüppelt und etwas zu trocken geraten sind. Aber ich meine, das Klima ist ja schon anders und trocken ist es im Moment definitiv, dass Auberginen dann ein wenig anders aussehen als gewohnt, ist wirklich nicht verwunderlich. Wunderlich wurde es, als ich die Dinger aufgeschnitten habe, also vorhin. Das sind definitiv keine Auberginen. Innen sind sie hohl und die Wand ist ziemlich hart. Damit ich versuchen kann, was das ist, habe ich sie mal in die Bratpfanne getan und eine Weile gedämpft. Wegen drei G, geschält, gekocht, gelassen. Und dann habe ich es versucht. Es ist säuerlich, es ist leicht bitter und es ist zäh. Die Dinger kochen jetzt zusammen mit Reis, Tomaten (echte), Peperoni (auch echt) und Erdnüssen, falls sie nicht essbar sind, kann ich sie dann immer noch raussortieren.

Arbeiten wir uns weiter in Richtung heute Morgen. Ich wollte eigentlich vom Centre aus nach Hause laufen. Ich bin auch getartet, habe mich nur kurz verlaufen und bin umgekehrt und habe den richtigen Weg gefunden und bin weiter gelaufen, bis der Weg in einer Graswand verschwand. Da ich doch ziemlich Respekt vor den Schlangen hier habe, letzte Woche sah ich eine vor dem Centre, bin ich wieder umgekehrt und ein Stück zurück gegangen und habe einen neuen Weg ausprobiert. Der führte mich dann auf die Hauptstrasse und statt nach Hause zu laufen, habe ich dann halt ein Moto genommen.

Jetzt wird es spannend. Ich habe meinen Teller gefüllt. Ich esse jetzt von diesen Dingern, sie sind nicht schlecht, ein wenig säuerlich, ein bisschen zäh, aber nicht mehr bitter. Die Konsistenz erinnert an Oliven, der Geschmack vielleicht an Karden mit etwas Zitronensaft. Man kann sie definitiv essen.

Im Centre hatte ich heute eine Besprechung mit Apoline. Ich habe jetzt ein klareres Bild vom Alltag im Centre. Ich sage bewusst Alltag, weil genau das läuft, sie kommen, sie sind da und arbeiten wenn etwas zu tun ist, aber es gibt keine Prozesse, wenn etwas nicht geht, dann geht es halt nicht, wir sind schliesslich in Kamerun, das ist halt so. Ein Beispiel. Wir haben im Centre seit einer Woche keinen Strom. Eigentlich gibt es einen Generator. Der ist aber kaputt. Ich meine, das kann ja Mal passieren, aber über eine Woche? Das  darf nicht sein. Auch wenn Geburten bei Kerzenlicht romantisch scheinen, ich möchte nicht bei Kerzenlicht genäht werden und auch nicht bei Kerzenlicht nähen. Oder ein weiteres Beispiel. Im Centre gab es ein Telefon, dafür gedacht, Apoline zu holen wenn sie auf Abruf ist. Der Kredit vom Telefon wurde dann für Privatgespräche gebraucht und jetzt hat es kein Telefon mehr im Centre und Apoline wird nicht mehr geholt und die Pflegehelferinnen wursteln weit ausserhalb ihrer Kompetenzen. Schlussendlich geht es um Sicherheit. Strom muss verfügbar sein, ein Telefon funktionieren, die Kompetenzen klar definiert sein und Apoline braucht Unterstützung von einer weiteren diplomierten Pflegekraft. Kurz, wir müssen Prozesse definieren.

Einen ersten Schritt haben wir schon gemacht. Wir haben Stellenbeschriebe erarbeitet. Ein nächster Schritt wird ein Kompetenzenkatalog für die Pflegehelferinnen sein, denn für alle nicht diplomierten Pflegeleute gibt es so etwas nicht. Das liegt in der Kompetenz des Centres. Das wird Apolins Job sein. Sie kennt die drei Frauen und sie kennt die Gepflogenheiten. Und Omar habe ich zu Strom und Telefon die Leviten gelesen. Das ist sein Job. Und ich? Ich versuche diesen Prozess zu begleiten und wünsche mir viel Glück.

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