Ausflug

Um acht Uhr sind wir losgefahren. Ziel war der Stausee bei Magba. Die Strasse wird kurz nach Koutaba richtig gut, so wie eine richtige, echte Strasse. Zuerst ging es nach Foumban, dort residiert der Sultan, der König der Bamoun. Der alte Sultan, der der bei meinem letzten Besuch der Sultan war, ist diesen Sommer gestorben. Nun ist sein Sohn der Sultan. Er heisst übrigens Sultan und König, weil Sultan kommt aus dem muslimischen, aber die Bamoun sind nicht alle muslimisch, ein Teil sind christlich und ein Teil sind animistisch, deshalb bekommt er den Doppelnamen.

Von Foumban fuhren wir weiter in Richtung Nordosten bis wir nach etwa eineinhalb Stunden Magba erreichten. Dort erklärte Omar, dass wir seinen Onkel, den Kommissar besuchen müssen. Und so fragten wir uns zur Polizeiwache durch, angetroffen haben wir den Kommissar dann bei sich zu Hause. Sofort organisierte der Kommissar uns einen Polizisten, der uns als Fremdenführer zum Stausee begleiten sollte. Nicht dass es nötig gewesen wäre… und für unsere Rückkehr wurden wir zum Essen eingeladen.

Und weiter ging es auf dieser richtigen Strasse, noch ein paar hundert Meter, dann waren wir auf Piste und für die nächsten fünfzehn Kilometer brauchten wir länger als für die sechzig vorher. Aber es hat sich gelohnt. Der See ist sehr schön, voller Inseln, sehr verzweigt. Die Leute am See bewegen sich mit Pirogen, sie fischen und Handeln mit geschmuggeltem Diesel aus Nigeria. Im Markt am See war nicht viel los, der Markttag ist am Freitag, aber es war sehr, sehr schmutzig und der Müll waberte Richtung See. Das machte mich ein wenig traurig, der schöne See und dann die Müllufer. Und dann ein Schild im See, das den Kindern verbietet in den See zu brünzlen oder kacken – als ob es darauf noch ankäme.

Unser Polizist führte uns mit Stolz durch den Markt und zeigte uns als letztes noch die Polizeistation. Zurück nahmen wir einen anderen Weg, der führte uns durch Wälder mit Kaffeeplantagen. Das war das erste Mal, dass ich Kaffeepflanzen in echt, mit Kaffee dran, gesehen habe. Ohne Kaffee habe ich schon Pflänzchen, mit Betonung auf Pflänzchen, bei Wali gesehen. Aber die hier waren flache, stämmige Bäumchen.

Zum Essen gab es Couscous (das ist hier Polenta aus weissem Mais), grünes, leckeres Gemüse und Poulet mit einer Erdnusssauce. Es war sehr lecker. Und ich habe erfahren warum viele Bamoun muslimisch sind. Sie führten immer wieder Krieg gegen die im Norden und verloren immer wieder. Darum haben sie gefragt, warum seid ihr so stark. Weil sie Muslime seinen und viele Frauen hätten, deshalb seien sie so stark. Omar meinte später auf der Rückfahrt, dass er geschwächt wäre, wenn er viele Frauen hätte. Ich wollte von ihm wissen ob eigentlich die erste Frau bei der Hochzeit der zweiten Frau auch dabei sein müsse? Natürlich, sie holt die Braut in ihrem Elternhaus ab. Was haben euch die Frauen angetan, dass ihr so böse und gemein mit ihnen seid? Darauf hatte er keine Antwort.

Meist heisst es, das sei halt die Tradition. Aber leider werden viele Traditionen, die sinnvoll wären, aufgegeben, wie den Couscous in Bananenblätter einzuschlagen, statt in Plastik, wie Lehmhäuser zu bauen, statt Zementhäuser und gleichzeitig werden sinnlose Traditionen, die Menschen unterdrücken aufrechterhalten. Aber wahrscheinlich ist es bei uns ähnlich.

Auf der Heimreise mussten wir noch einen weiteren Besuch machen. Wir mussten noch den Grossvater von Omar besuchen. Und ich lernte eine neue Wunderlichkeit. Der Grossvater muss schon ziemlich alt sein? Der Grossvater ist schon lange gestorben, wir besuchen seinen Vertreter. Hää?

Also, wenn jemand stirbt, also wenn ich zum Beispiel sterbe, dann wird Dävu mein Vertreter. Er ist dann so etwas wie die Vize-Susle oder so. Er ist dann zuständig für alle meine Belange, sorgt für meinen Besitz und mein Ansehen. Omar vertritt seine Grossmutter, der Bruder Jaja, vertritt die Mutter und so weiter. Nicht dass ich das verstanden hätte, es ist ein wenig abstrakt.

Zurück in der Wohnung, habe ich mir ein schönes Stück Ananas zubereitet und eine leckere Avocado geschält und während ich hier rumgetippt habe, habe ich alles genüsslich gegessen. Das war super fein und sicher ebenso gesund.

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