Nun schreibe ich den Namen von Appoline endlich korrekt. Appoline ist schwanger, an meinem Geburtstag ist der errechnete Termin. Und Appoline wollte, dass ich die Schwangerenkontrolle mache. Wir mussten die Kontrolle mehrmals unterbrechen, zuerst kam eine Grossmutter mit einem kranken Mädchen, dann eine Familie mit einem kranken Jungen, dann brauchte die Pflegehilfe Hilfe beim Stecken einer Infusion und endlich konnten wir in Ruhe die Kontrolle abschliessen. Es ist nicht so, dass ich viel anders gemacht habe, als Appoline das auch täte, aber da und dort konnte ich Hintergrundwissen beisteuern, das Appoline fehlt und so war es ein wenig lerning by feeling.
Die Behandlungen hier machen schon etwas Angst. Der kranke Junge hat wahrscheinlich Masern. Masern ist, wie ihr hoffentlich wisst eine Viruserkrankung. Antibiotika werden bei bakteriellen Infektionen gegeben, sie bringen jedoch bei Viren überhaupt gar nichts. Für die Masern heisst das, dass man nur die Symptome behandeln kann, zum Beispiel hohes Fieber senken oder Kopfschmerzen mindern. In Kamerun sieht die Behandlung aber eine Antiobiotikatherapie, natürlich durch die Vene und noch eine Therapie gegen Pilze vor. Die Pilztherapie ist für den Fall, dass sich der Junge wundkratzt und eine Pilzinfektion bekommt, ehrlich? Könnte man nicht den Juckreiz behandeln und für eine angemessene Hygiene sorgen? Dass das nicht klappt, wird vom Ministère de Santé vorausgesetzt und entsprechend sind die Behandlungspläne. Das heisst, der Junge liegt jetzt im Centre, isoliert, mit Infusion.

Heute haben wir übers Kinderschlagen diskutiert. Die junge Mutter mit den Zwillingen hat einem von ihnen gedroht, dass er von Madame Suzanne geschlagen wird, wenn er nicht gehorcht. Ich schlage keine Kinder habe ich erklärt, Kinder soll man nicht schlagen. Das würde ich ganz falsch sehen, Kinder kann man nur mit Schlägen erziehen. Sie verstehen noch keine Worte, aber Schläge verstehen sie schon sehr früh und so lernen sie Respekt zu haben. Da gehen mir dann die Worte aus, wie erkläre ich ihr, dass man Kinder auch ohne Schläge erziehen kann, dass ein Kind immer das schwächste Mitglied ist und deshalb geschützt und nicht geschlagen werden muss? Ich habe es versucht, aber ich denke, da war vorallem der Gedanke, die spinnen die Schweizer.

Als ich noch in Langenthal arbeitete, habe ich mir im Ausverkauf so Teva-Sandalen, aber geschlossene, mit geschützten Zehen, gekauft. Die hatte ich schon lange und oft getragen und als ich vor knapp drei Jahren nach Koutaba kam, habe ich sie mitgenommen. Die Idee war, sie hier noch endgültig zu Boden zu laufen. Das passierte dann auch, der Leim löste sich und ich konnte sie nicht mehr anziehen. Aber ich war traurig, ich hatte viele Kilometer mit diesen Schuhen zurückgelegt. So ging ich hier zum Schuhmacher, er ist auf dem Markt, ausgerüstet mit starkem Nylonfaden und Nadel, und ich fragte ihn, ob man die Dinger noch flicken kann. Er fand, ja und hat mir die Teva-Sandalen rahmengenäht. Jetzt, fast drei Jahre und viele Kilometer später, ist die Naht an einer Stelle wieder aufgegangen und ich habe ihm die Schuhe wieder gebracht und er hat alle Nähte neu gemacht und ich kann weitere Kilometer zurücklegen, bis der Schuh dann irgendwann von unten her verschwunden ist. Ich habe so richtig eine Scheissfreude!
Noch kurz zu den auberginenähnlichen Dingen, die ich gestern gekocht habe, die heissen hier Prunes, was übersetzt Pflaumen heisst. Und sie werden gekocht und gegessen, also habe ich es nicht so falsch gemacht.