Als ich vor zwei, zwei drittel Jahren aus Koutaba abreiste, arbeiteten im Centre die drei Pflegehelferinnen, Rafiatou, Ajara und Ramatou, die nicht diplomierte Hebamme Assana, die Laborantin Fatimatou und zwei Praktikantinnen, Fatima und Bijou. Im Laufe des nächtsen Monats kamen noch Apoline und Awa, die diplomierten Pflegefachfrauen dazu. Als Dänu in diesem Frühsommer (vielleicht war es auch Frühling, Covid hat mein Gespür für die Zeit etwas durcheinander gebracht) hier war, war die Stimmung im Centre sehr schlecht. Der Grund dafür waren zwei der Frauen.
Da war zum Einen Awa, seit über zwei Jahren verheiratet und immer noch kinderlos, die ihren Frust an Jeder ausliess, die mit einem Lätsch die Leute herumkomandierte, egal ob Patientin oder Personal. Awa war schon bei ihrem Vorstellungsgespräch nicht die Herzlichkeit in Person, aber leider hatten wir damals keine andere Wahl, da sie die einzige Bewerberin mit den, für die Eröffnung des Centres, notwendigen Papieren war. Die andere war Assana, über sie habe ich schon das letzte Mal oft geschrieben. Assana, die Prinzessin, die sich sicher nicht dazu herunterlässt mit dem gemeinen Volk auf Augenhöhe zu verkehren. Zudem verweigerte Assana den Nachtdienst und hatte auch für einfachste geburtshilfliche Fragen keine Antwort.

Mit Beiden wurden Gespräche geführt, Ziele definiert und die Ziele wurden von Beiden nicht erreicht und Beiden wurde gekündigt. Die Kündigung von Assana hat für das Centre keine weiteren Konsequenzen. Anders die von Awa. Sie ist der Grund für die Bewilligung des Centres. Ihre Papiere sind hintelegt.
Und nun der Sprung zurück in die Gegenwart. Da ich immer noch Gründe sammle, warum so wenige Patientinnen im Centre auftauchen, versuche ich mir ein Bild von der Situation zu machen. Und die ist immer wieder kompliziert. Um ein Gesundheitszentrum eröffnen zu können, braucht man eine staatlich diplomierte Pflegefachfrau. Zusammen mit dem Dossier müssen die staatlich beglaubigten Papiere dieser staatlich diplomierten Pflegefachfrau eingereicht werden. Das ist so nach meinem ersten Aufenthalt hier passiert. Darauf bekam das Centre, natürlich nach einigem hin und her, eine provisorische Bewilligung. Das heisst, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, was übrigens der Grund dafür ist, dass das Centre noch nicht Impfen kann. Es braucht jetzt noch einen Arrêt Ministral, was auch immer das genau ist und den man für 300’000 schneller bekommt.
Nun haben der Delegierte für Gesundheit und Awa ausgehandelt, dass die Papiere von Awa im Centre bleiben bis dieser Arrêt kommt, wenn im Gegenzug das Centre Awa 100’000 CFA Miete bezahlt. Weigert sich das Centre, stehen wir wieder dort wo vor knapp drei Jahren und fangen von vorne an. Ich sage euch, Bürokratie kann sehr kompliziert sein. Und ob ich das System jetzt ganz verstanden habe, da bin ich mir nicht so sicher. Der Fünfer fällt immer wieder, aber er ändert dauernd die Richtung.
Apoline kann das Centre leider noch nicht übernehmen, da sie erst 2018 diplomiert wurde und die fünf Jahre Berufserfahrung noch fehlen.
Das ist, was ich heute gelernt habe. Verwirrend, kompliziert, unmöglich… Was die Menge der Patientinnen anbelangt, habe ich heute zusätzlich eine neue Theorie bekommen, von Omar. Die Leute wollen von einer diplomierten Pflegefachkraft behandelt werden und vorallem wollen die Frauen, wenn sie schon in ein Centre zur Geburt gehen, dort von einer gut ausgebildeten Person betreut werden. Da im Moment nur Apoline über diese Qualifikationen verfügt, kann genau das nicht gewährleistet werden. Und auch diese Theorie leuchtet ein.

Und dann waren wir spazieren und haben geträumt. Warum kein Frauengesundheitszentrum einrichten? Die Kranken müssten dann halt anderswo unterkommen, aber das wäre kein Problem. Laut Omar sind in den Spitälern in Foumban und hier in Koutaba neue Chefs und seither sei die Qualität gestiegen. Omar fand die Idee vom Frauengesundheitszentrum gut und war der meinung, dass sie möglicherweise auch im Dorf gut ankommen könnte. Wir malten uns aus, was wo sein würde, wie die Frauen unter dem Vordach im Kreis ihre Anliegen diskutieren, am langen Tisch gemeinsam essen und einen Ort haben, der ihnen und ihrer Gesundheit gehört.
Morgen mache ich mit Omar einen Ausflug zu einem Stausee, etwas nördlich von hier. Ich freue mich!
Fotos folgen hoffentlich. Das Internet ist Schei…