Eine Frau, in der sechsunddreissigsten Schwangerschaftswoche mit Malaria kam gestern Abend für eine Konsultation. Die Nacht-Pflegehilfe verschrieb ihr ein Chininpräparat. Heute früh kam sie wieder, es ging ihr nicht besser, es ging schlechter. Ich weiss wenig über Malaria und Schwangerschaft, ein Problem, das wir in der Schweiz zum Glück nicht haben, also bin ich angewiesen auf die Erfahrung der Hiesigen, die zeit ihres Berufslebens mit dieser Krankheit konfrontiert sind. So ist es klar, dass ich die Leiterin des Centres frage, ob die Behandlung, die die Pflegehilfe am Vorabend angefangen hatte, der Praxis entspricht. Sie bejahte, vehement. Am Morgen nahm die schwangere Frau ihre zweite Dosis der Medikation, aber es besserte nicht, sie hatte zusätzlich zu den Malariasymptomen auch noch Wehen. Ich fragte wieder, ob das die Therapie der Wahl sei, ja und nein, vielleicht wäre ein anderes Mittel besser gewesen, aber man könne jetzt nicht das andere Mittel… fünfzehn Minuten später, das andere Mittel könnte man trotzdem… wieder etwas später, sie hätte nie das Chinin gegeben, das sei ein grosser Fehler von der Pflegehilfe, das sei richtig dumm,- warum hast du am Morgen nichts gesagt, du bist die Verantwortliche für die medizinischen Entscheidungen, ich habe dich extra noch gefragt – die Pflegehilfe hat die Verordnung gemacht, ich habe sie nur ausgeführt – du bist nicht angestellt um die Verordnungen der Pflegehilfen auszuführen, verdammte Scheisse, du bist hier um deren Fehler zu verhindern oder dann zumindest zu korrigieren – ich habe dann gegoogelt, die Packungsbeilage des Medikamentes, die Dosierung war extrem viel zu tief. Inzwischen war das Kind gestresst und sein Herz schlug viel zu schnell. Wir haben die Frau ins Militärspital verlegt, ich habe sie begleitet und es war sehr peinlich, dem Pflegefachmann dort, Samuel, unsere stümperhafte Behandlung zu rapportieren. Ausserdem hatte das Paar natürlich kein Geld, so dass ich auch noch für die Behandlung aufkommen musste, aber irgendwie war das Ehrensache.

Ich war so wütend und gleichzeitig auch wütend auf mich, ich hatte eigentlich gewusst, dass sie keine Ahnung hat, warum vertraue ich ihr noch? Es ist noch einmal gut ausgegangen, aber wir brauchen eine neue Ordnung im Centre, Madame Assana kann man für diese Verantwortung nicht brauchen. Ich überlegte mir, wie es möglich ist, mit diesem Hintergrund, im Regionalspital über viele Jahre als Hebamme zu bestehen, bis mir ein Licht aufging, Regionalspital, das grösste für vier Departemente, Ärzte und Ärztinnen während vierundzwanzig Stunden, dort führen die Hebammen nur aus, dort verordnen, dort verschreiben sie nichts, darum weiss sie nichts. Eine Konsequenz wird ein neues Papier sein, wie behandle ich die Malaria bei einer schwangeren Frau. Ich lerne sehr viel! Nach diesen wenigen Wochen, werde ich mich mit Malaria und Typhus auskennen, und schon jetzt, weiss ich oft mehr als die Spezialistinnen hier. Somit sind wir wieder beim Thema Ausbildung angelangt. Hier muss die Entwicklungshilfe ansetzen! Ich bin mir sicher, dass eine gute, fundierte Ausbildung Einfluss auf das gesammte Gesundheitssystem hätte, denn wer kompetent ist in seinem Beruf, der beziehungsweise die bringt den Berufsstolz mit in ihren Arbeitsalltag und gibt sich nicht mit stümperhafter Arbeit zufrieden.

Zum Abschluss noch die Geschichte, wie ging es weiter mit unserem dicken Freund, dem Chef du District de la Santé in Foumban. Omar war heute wieder einmal dort und legte ihm das Dossier auf seinen Schreibtisch. Der, ach so liebe, kompetente, in keiner Form korrupte, Chef de District de la Santé nahm das Dossier und blätterte es gemächlich durch, kontrollierte jedes Dokument und hielt Ausschau nach einem Couvert und zwar nach einem besonderen Couvert, einem Luftpostumschlag, denn die signalisieren eine grosse Motivation, aber, dumm gelaufen, da war kein Luftpostumschlag, tja, dann halt wieder die alte Leier, das CSI steht zu nahe. Die Geschichte beschwor bei mir die Erinnerung an ein Spiel herauf, Kuhhandel, bei einigen von euch sicher bekannt, für die anderen kurz, es geht darum Tiere zu kaufen und zwar ein Quartett von jeder Sorte, um sich gegenseitig die Tiere abzukaufen geht man einen Kuhhandel ein, das heisst, man bezahlt bedeckt, ein Stapel Geld, ohne dass der mutmassliche Verkäufer, beziehungsweise mutmassliche Käufer weiss wie viel im Stapel ist. So ist es bei diesen Couverts, die nimmt man, ohne zu wissen wieviel drinn ist. Also warum eigentlich nicht einen schönen Luftpostumschlag gefüllt mit dummen Sprüchen, weissem Papier, Fotos von korrupten Politikern ins Dossier legen? Hinterher kann er sich nämlich nicht beschweren, weil sonst muss er zugeben, dass er korrupt ist und seine Unterschrift auf der Eingangsquittung bei der nächsthöheren Instanz wieder zurück fordern. Gut, er könnte sagen, er habe k.o. Tropfen bekommen. Aber so ein Gruss wie „liebe Grüsse von der Antikorruptionsbehörde“ in seinem Umschlag wäre schon schön.