Muskelkater

War das eine Nacht! Die Ameisen haben meine Ohren effizient malträtiert, jedes Mal wenn ich mich auf die Seite drehte und das mache ich eigentlich immer, ich bin nämlich eine Seitenschläferin und keine Rückenschläferin, wachte ich wieder auf, weil meine Ohren schmerzten und ich legte mich wieder auf den Rücken und konnte fast nicht einschlafen, bis es endlich gelang und ich mich wahrscheinlich, jedenfalls gefühlt,schon nach einer Sekunde wieder auf die Seite drehte und die Ohren, naja, und so weiter. So ging das bis in die extrem frühen Morgenstunden, dann kam ich auf die Idee, auf mein Kopfkissen zu verzichten und siehe da, die Ohren berührten den Untergrund nicht mehr und ich konnte endlich schlafen. Nicht lange. Beim Aufstehen dann die zweite Quittung meines gestrigen Ausflugs, Muskelkater, wie ich ihn schon ewig nicht mehr gehabt hatte, nicht einmal als wir von der Alp Morgeten nach Weissenburg hinabgestiegen sind und Chrigu danach kaum noch gehen konnte, nein, nicht einmal da musste ich derart leiden.

Um den Kater zu behandeln, beschloss ich vom Centre nach Koutaba zurück zu Fuss zurück zu gehen, sechseinhalb Kilometer. Es war ein sehr schöner Spaziergang, sehr ruhig, durch eine Landschaft in Grün, so viel, so prall, um darin zu Ertrinken, keine Ameisen, die mich attackierten, keine Pfützen über die ich hüpfen musste, kleinere Wege, grössere Wege, hohes Gras, keine Herausforderungen. So konnte ich meine Gedanken laufen lassen und alle Eindrücke einsaugen. Meine Gedanken landen immer wieder bei der bevorstehenden ersten Geburt im Centre, werde ich es schaffen, die erwarten alle Grosses von mir, sie wollen alle dabei sein, was ist wenn ich versage, wenn die Geburt anders verläuft als sie sich das vorstellen? Es sind wieder Schwangere gekommen um das Gebärzimmer anzuschauen, aber immer noch keine Frau mit Geburtswehen. Am Freitag vor unserer Eröffnung haben im Quartier drei Frauen geboren, sie konnten nicht warten. Vor den Gebärenden habe ich kein mulmiges Gefühl, sogar wenn ich auf einmal hektisch würde, bin ich sicher, dass das Geburtserlebnis für sie immer noch besser sein wird als in den anderen Centres.

Unsere Praktikantin, Fatimatou.

Das Centre läuft, es gibt fast immer etwas zu tun. Zwar werden wir noch nicht überrannt von Kundinnen und Kunden, aber sie tröpfeln stetig. Um nicht zu provozieren, haben wir die grosse Affiche über der Schaukel noch nicht entblösst (das heisst, sie ist verhüllt), von da her sind wir noch ein Geheimtipp, aber dafür läuft schon recht viel. Die Art wie wir arbeiten, kommt bei den Leuten gut an, sie schätzen es, dass wir uns Zeit für sie nehmen und sie pflegen und nicht nur behandeln. Das ist hier extrem nicht üblich. Für die Pflege ist die Familie zuständig und zwar gibt es fixe Zeiten, zu denen sie ihre Kranken pflegen dürfen, sollen.

Noch ein kurzer Exkurs zu meiner Maus. Das elende Vieh lässt nicht locker, jedesmal, wenn wir denken, dass alle Ritzen verschlossen sind, findet sie eine neue Ritze. Die Türe zwischen der Küche und dem Wohnzimmer habe ich mit einem zusammengerollten Teppich abgedichtet, diesen Teppich verarbeitet sie zu Nestmaterial und baut mit unendlicher Geduld hinten im Gefrierschrank ein Nest, das Omar regelmässig wieder zerstört. Das scheint sie jedoch nicht zu stören, sie fängt einfach wieder von vorne an.

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