Viehmarkt

Am Morgen besuchten wir zuerst die Frau, die ich gesetern ins Militärspital gebracht hatte. Es ging ihr viel besser! Ich bin sehr froh und erleichtert. Dann schauten wir kurz im Centre vorbei um zu sagen, dass ich heute, ausser für Geburten, nicht dort bin. Heute war nämlich Viehmarkt und ich wollte mein Versprechen einlösen. Wie ihr euch vielleicht erinnert, habe ich Omar eine Ziege versprochen. Ich war sehr aufgeregt, ich habe noch nie ein Tier auf einem Viehmarkt gekauft und schon gar nicht auf einem Viehmarkt in Afrika. Auf dem Weg dorthin standen zwei Männer am Strassenrand und machten Autostopp, Omar wollte weiter fahren, aber es waren Bororomänner und ich war sicher, die wollen auf den Viehmarkt. Das war sehr gut, weil die haben uns dann auf dem Viehmarkt beraten und begleitet. Und durch sie entstand auch eine kleine Planänderung, keine Ziege, ein Milchschaf, die geben mehr Milch.

Massenhaft Böhs standen herum, rannten herum, Böhmunis benahmen sich wie die Toros in der Arena und ich packte ab und zu Omar um mich hinter ihm zu verstecken. Ausser mir war niemand vom Gebaren der Stiere beeindruckt, nur ich machte einen grossen Satz, wenn einer gerannt kam, der Rest der Menschen, fast aussschliesslich Bororos, blieb gelassen. Nach dem Marsch durch die Böhmassen, wurden am Rand die Ziegen und Schafherden sichtbar und in einiger Entfernung hatte es noch eine Herde Esel. Die Esel kommen aus dem Norden, Omar glaubt, dass die Esel nicht gerne bei ihnen leben, weil ihnen die Regenzeit zu lang sei und sie dieses Klima nicht gern hätten. Also ich weiss nicht…

Und schon traf ich Bekannte, meine Hausbesuche bei den Bororos machten sich bezahlt, ich war keine Fremde, man kannte mich, das war cool. Dann ging es ans Aussuchen eines Schafes, die Hirten packten eines nach dem anderen an einem Hinterbein und schleiften es zu uns. Preise wurden genannt. Und da, schau Omar, die hat ein Junges, was kosten die Beiden? Omar fand am Gedanken eine Schäfin mit Lamm zu besitzen auch Gefallen, also verhandeln, fünfundreissigtausend, das ist zuviel, fünfundzwanzig, zu wenig, wir einigten uns auf achtundzwanzigtausend (keine sechzig Franken) und kauften statt einer Ziege, eine Schäfin mit Lamm. Nun brauchten wir noch einen Strick und Wurmtabletten, der Viehmarkt ist der grosse Auftritt für den Veterinär, er wollte uns noch Spritzen andrehen, aber ihr kennt ja unsere Philosophie, da machen wir weder bei Menschen, noch bei Schafen oder Ziegen eine Ausnahme und die Bororos waren auch der Meinung, dass eine Wurmkur mit Tabletten völlig ausreicht.

Im hinteren Teil des Marktes, dort wo der Veterinär ist, werden noch Stoffe und Kleider verkauft. Wahrscheinlich bringen die Hirten, nach erfolgreichem Verkauf, ihren Frauen ein Geschenk mit, denn ausser den Verkäuferinnen waren keine Frauen auf dem Markt anzutreffen, das ist anscheinend eine reine Männerangelegenheit. Und schon hiess es, zusammen mit der Schäfin und dem Lamm und einigen Bororos durch die Böhherden zurück zum Auto, der Schafmutter wurden die Beine zusammengebunden und ab in den Kofferraum, neben das Reserverad und das Lamm dazu und der Kofferraumdeckel zu. Wenn es unterwegs rumpelte, rumpelten auch die Schafe, aber ansonsten waren sie sehr ruhig.

In Ngoundoup mussten die beiden Schafe über die Strasse, für die Mutter mit dem Strick, war Omar zuständig, das Lamm klemmte ich unter den Arm und das hat gejammert und zetter mordio geschrien, es ging mir durch Mark und Bein und ich war froh als wir drüben waren und ich das arme Ding wieder zu seiner Mutter auf dem Boden stellen konnte und das Lamm hat seine Schreierei sofort eingestellt und wahrscheinlich auch sofort vergessen. Heute habe ich vielleicht zum ersten Mal in einem Lamm mehr als nur Gigot und Lammkoteletten gesehen und beim nächsten Mal, wenn ich Lamm esse werde ich ein bisschen trauern um das Tier, das so herzerweichend schreien kann.

Als Omar die Schafmutter durchs Quartier zog, kamen alle Kinder herbeigelaufen, es war ein grosses Ereignis, Omars Frau kam und gemeinsam holten er und sie Kraut von Patates, weil das lieben Schafe und Omar zeigte mir wo die Beiden schlafen werden, in der alten Küche und ich erklärte ihm, wie man Heu macht und es war einfach wunderschön! Am liebsten ginge ich nächsten Dienstag einen Esel kaufen und übernächsten ein Böh, so langsam immer etwas grösser.

2 Kommentare zu „Viehmarkt“

  1. Liebi Susle, iz bini ändlech drzue cho, di Blogg nachezläse. Würklech sehr spannend, idrücklech und abentürlech! Und sehr schön gschriebe. Für dini erschti Geburt i öiem Zenter drückeni d Düme!

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