Ich habe keine Fotos gemacht, ich habe nichts spektakuläres erlebt, ich habe einfach gearbeitet, habe die Medikamentenlieferung von gestern in eine Liste verwandelt, versucht Assana zu erklären wie sie mit der Liste arbeiten kann, auf zehn verschiedene Arten, wahrscheinlich erfolglos, habe Ajara die Arbeit mit der Liste erklärt, auf eine Art, wahrscheinlich erfolgreich, habe Assana, der Hebamme, erklärt was Depo Provera ist (für alle die nicht Hebamme sind, das ist die Dreimonatsspritze), ein Verhütungsmittel, das hier in jedem Gesundheitszentrum auf Familienplanungspostern beworben wird, habe den Jungs den Fussball gegeben, die Medikamente eingeräumt, habe rumgequatscht, war bei einer Frau, die mit Chräueli, Schuhe, Mützen, Schmuck, Etuis und noch mehr macht, war auf dem Markt, aber etwas zu spät, habe auf Omar gewartet, der zum, gefühlt tausensten Mal das Auto flicken liess, habe Spaghetti gekocht, das Echo der Zeit gehört und gegessen.
Ja, das Echo der Zeit. Gestern hat Chrigu mir von einem Beitrag zu Kamerun berichtet, ich ging schauen ob ich ihn hören kann, und siehe da, ich konnte. So habe ich heute Abend, den Postcast von der Sendung von heute angehört und es fühlte sich ein wenig an wie zu Hause. Kurz vergass ich, wo ich bin. Als ich heute vom Markt zurück nach Hause gelaufen bin, versuchte ich mir auf einmal vorzustellen, wie ich mich in Bern bewege, es war sehr weit weg, einfach durch die Stadt laufen, ohne dauernd den Boden und die Umgebung von vorne und von hinten, von beiden Seiten, wenigstens nicht von oben, zu beobachten, ohne dauernd auszuweichen, erschrecken von den vielen Hupen, einfach rumschlendern, ohne dass jemand etwas von dir will, ich kann es mir gar nicht vorstellen, vielleicht komme ich zurück und erleide einen Kulturschock.

Der Schafmutter und ihrem Lamm geht es gut hat Omar mir erzählt. Er geht zwischendurch immer wieder nach Hause um zu schauen. Heute will er sie waschen und dann, wenn sie sauber ist, will er versuchen sie zu melken. Ich habe ihm gestern Youtube Filmchen übers Schafe melken geschickt. Mal schauen was dabei herauskommt, im wahrsten Sinne. Die Kinder rennen schneller denn je von der Schule nach Hause um mit den Schafen zu spielen.
Liebe Suzle, jetzt muss ich dir einfach mal schreiben. Regina hat mir die Adresse von deinem Blog gegeben und ich bin begeistert von deiner Berichterstattung – ist spannender als manches Buch das ich gelesen habe. Ich bewundere auch dein Durchhaltevermögen unter den doch gelinde gesagt schwierigen Bedingungen, super!
Liebe Grüsse
Ruth
(ex Wohnheim Belp)