Auto fahren

Zum ersten Mal am Steuer sass ich auf der Fahrt von Kribi zurück Richtung Koutaba. Nérisa hat mir meinen internationalen Führerschein mitgebracht, jetzt darf ich offiziell fahren und ja, jetzt ist es auch Zeit es zu tun. Abdullah war sehr beeindruckt vom internationalen Führerschein, für ihn stellt das eine hohe Auszeichnung dar, wer so etwas bekommt muss extrem gut Auto fahren. Dass es sich nur um eine Übersetzung meines Führerscheins handelt, wollte er nicht gelten lassen. International ist international, das heisst, ich bin fit für die ganze Welt, fertig.

Ich hatte ziemlich Angst vor dem Fahren, es ist schon einfacher wenn Verkehrsregeln eine gewisse Gültigkeit haben, wenn es Vortrittsregeln gibt und wenn nicht dauernd einer auf deiner Fahrseite entgegen kommt. Andererseits bringe ich doch eine gewisse Erfahrung mit und wenn ich selber fahre, bin ich weniger ausgeliefert. Deshalb habe ich heute beschlossen, den Berlingo von Dänu zu fahren. Man muss äusserst aufmerksam bleiben, immer. Neben dem Gewusel, drei Autos und ein Moto nebeneinander, auf einer Strasse, die gemacht ist für zwei Autos nebeneinander, sind die Strassen zusätzlich gespickt mit tiefen, grossen, rumpligen Löchern. Also Tempomat und entspannt dahin rauschen ist nix. Ich habe es geschafft, war kein Verkehrshindernis, habe nichts gefährliches gemacht und kam in Koutaba an, ohne geschafft zu sein (ich gebe es zu, es waren auch nur zwanzig Kilometer) und werde das Auto wieder fahren.

Unsere Papiergeschichten im Centre nehmen neue Dimensionen an. Omar war gestern beim Sekretär des Delegierten für Gesundheit der Region West. Dieser hat Omar zu sich nach Baffousam gebeten um gemeinsam das Dossier anzuschauen und Lücken zu füllen. Das ist äusserst positiv, denn das heisst, dass wir von dieser Seite volle Unterstützung geniessen. Aber wie die Geschichte läuft, das ist Bürokratie in ihrer Reinform. Wir brauchen auch noch eine Legalisierung des Diploms von einer Laborantin oder einem Laboranten, unsere Laborantin hat nur ein Fähigkeitszeugnis, kein Diplom. Aber, schon haben wir einen Herrn an der Angel, der Laborant ist und sein Diplom für uns legalisiert (er wird nie bei uns arbeiten und möglicherweise das Centre nie von innen sehen, aber das ist egal, wir brauchen nur das Papier). Weiter brauchen wir einen Abwart, der sich als Kameruner legalisiert. Also was dieses legalisieren heisst, kann ich auch nicht genau sagen, aber auf jeden Fall bekommst du viele Stempel und Unterschriften. Wahrscheinlich beweist du damit, dass dein Diplom, beziehungsweise deine Identitätskarte keine Fälschung ist, eine andere Erklärung finde ich nicht. Auch Assana hat noch zu wenig Stempel und muss noch ein Papier mehr machen. Aber dann, dann sind wir hoffentlich endlich fertig.

Was ich gelernt habe ist, dass Ungeduld überhaupt nichts nützt. Ein Schritt nach dem anderen und das Ziel im Auge, den Glauben nicht verlieren. In der Zwischenzeit schweissen wir das Team zusammen, lernen uns kennen, mit unseren Stärken und Schwächen, visualisieren wir unsere Arbeit, diskutieren wir unsere verschiedenen Standpunkte, suchen wir nach Lösungen, führen wir die KiTa, sensiblisieren wir die Dorfbevölkerung und üben uns in Geduld. Wie schon gesagt, ausser beim Abschalten des Stroms, braucht alles seine Zeit. Ich passe mich langsam an, ich hoffe nicht zu fest. Immerhin muss ich nach meinem Aufenthalt hier wieder mit dem Schweizertempo mithalten.

Auch Awa, unsere IDE braucht Geduld, ihre Papiere sind fast fertig, sie braucht noch eine Unterschrift, die Dame, die diese geben soll ist jedoch ausser Haus.
Auch bei uns 8in der Schweiz) braucht man diverse Bewilligungen um ein Zentrum wie das Mbambeluh zu eröffnen, aber die Qualitätssicherung hört nicht mit der Bewilligung auf, ich kann nicht einfach die Papiere von jemand hinterlegen, der gar nie bei mir arbeitet, er trägt nicht nur theoretisch die Verantwortung, auch praktisch.

Weg von Papieren, hin zum Essen. Oben seht ihr die beste Avocado, die ich je gegessen habe. Sie wog sicher ein halbes Kilo und war einfach nur Hammer! Und von wegen Anpassung, ich glaube, ich habe den ultimativen Afrikatest bestanden! Ich habe Batons gegessen, das ist Maniok, der zwei, drei Tage im Wasser gelegen hat und dann in Bananenblätter gewickelt wurde (ich mache morgen eine Foto). Dävu und Dänu ertragen nicht einmal den Geruch und mir hat es geschmeckt, obwohl ich zugeben muss, dass ich sie mit Sauce gegessen habe, sonst sind sie schon etwas speziell.

Ein Kommentar zu „Auto fahren“

  1. Hei susle ha aui dini biträg gläse, so spannend was du da machsch u erläbsch. Bi gspannt wis witer geit!
    Häb sorg 😘

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