Heute waren vier Kinder mit Malaria im Centre. Es ist wirklich eine Scheisskrankheit. Wenn die Kinder kommen, geht es ihnen meist sehr schlecht. Üblicherweise bekommen sie dann eine Infusion mit Paracetamol (Dafalgan) und dann noch eine Infusion mit Malariamittel. Ja, und dann kommt diese fanatische Schweizerin und macht Wadenwickel, kocht Tee mit Zucker, Bouille (weisser Mais, auch mit Zucker) und päppelt die Kinder auf, bis sie essen können und verabreicht das Malariamittel durch den Mund und es wirkt und die Frauen sind ein wenig traurig, dass es wirkt, sie hätten eigentlich so gerne eine Infusion gesteckt. Die Mütter sind zuerst etwas skeptisch, auch sie denken, dass eine Spritze besser wäre, aber wenn sie sehen, dass sich jemand um ihre Kinder kümmert, sich Zeit nimmt sie zu pflegen, zuverlässig das Fieber kontrolliert, die kühlen Wickel wechselt, neuen Tee anschleppt und es schafft, dass ihre Kinder etwas essen, dann fangen sie an zu vertrauen und alles wird gut. Ob dies beim Personal gelingen wird, ich hoffe, denn die Hoffnung … ihr kennt den Spruch … auf jeden Fall haben wir nach wie vor keine Medikamente zum Spritzen und ich versuche die Frauen zu überzeugen, dass das so bleibt. Der Hauptgrund für meine fundamentalistische Haltung ist, dass ich wenig Vertrauen in die medizinischen Fähigkeiten und die Professionalität der Frauen habe. Ich finde es schlicht und einfach zu gefährlich, wenn ein bunter Haufen Laienmedizinerinnen mit Spritzen um sich wirft.

Heute haben sie versucht über Omar zu spritzbaren Medikamenten zu kommen, hinter meinem Rücken, aber sie haben Pech gehabt, Omar steht hinter mir. Der Versuch hat ihnen einen langen Vortrag von Omar eingebracht, unter anderem untermauert von einer selbsterlebten Geschichte, ihm wurde ein Medikament, das in den Muskel gespritzt werden sollte, intravenös verabreicht, was zu einer halbjährigen Venenentzündung führte, mit grossen Schmerzen. Die Angst, dass die Patientinnen und Patienten ausbleiben wenn sie keine Spritzen bekommen, ist riesig. Aber ich glaube nicht daran. Vielleicht werden nicht alle kommen, aber wir hätten auch keinen Platz für alle.
Am frühen Nachmittag geht die grosse Beterei los, eine Frau nach der anderen benutzt den Gebetsteppich, wir haben nur einen, und für mehr als zwei Stunden ist eine am Beten. Um mehr Ruhe zu haben, kam dann die Idee auf, fürs Beten das Gebärzimmer zu benutzen, was wieder einmal mich auf den Plan rief – und wenn eine Frau mit Presswehen kommt? soll sie dann klemmen bis ausgebetet ist? -. Die Religion ist schon sehr präsent. Obwohl sicher in keiner Weise vergleichbar mit anderen Gegenden, ist es doch eindrücklich, wie sie den Alltag aller, ob eher streng gläubig oder weltoffen, modern gläubig, bestimmt. Der Unterschied liegt höchstens in der Auslegung der Schriften, aber die Leute sind alle gläubig. Auch der Ramadan wird von allen eingehalten, oder wenn nicht, dann derart unterlaufen, dass es niemand merkt.

Wir haben zwei neue Tische bekommen. Bis jetzt war es immer so, dass wenn du bei einem Handwerker etwas bestellt hast, bekamst du die Zusage für morgen oder übermorgen und die Ware, wenn du Glück hattest, nach ein, zwei Monaten. Nicht bei den Tischen. Omar hat sie vorgestern bestellt und heute wurden sie geliefert, gestern hat er sich beim Schreiner gemeldet und ihm seine Hilfe angeboten, das Angebot wurde abgelehnt, da hat sich Omar halt vor der Werkstatt hingesetzt und den Bau der Tische überwacht und angefeuert. Das hat geklappt! Wir sind nämlich seit gestern stolze Besitzerinnen eines Druckers und der bekam heute seinen Tisch und die Frauen bekamen eine Einführung ins kopieren und fanden das sehr cool.

Ausser mit spritzbaren Medikamenten, sind wir jetzt top eingerichtet, es kann also kommen was will, wir können es händeln.