Also wenn ich jetzt ganz ehrlich bin, ich möchte jetzt zu Hause sein, jetzt grad, sofort, auch keine Rückreise, einfach mit Chrigu und dem Ponyhof (das ist eine Abteilung im ASTRA) Nero di Sepia und Artischocken Spaghetti essen, etwas Weisswein säufeln, Berndeutsch rumalbern und dann in mein Bett liegen, nach einer Dusche mit Wasser und erst noch warm. Aber das geht halt nicht. Heute in vier Wochen, dann bin ich dort und dann esse ich Nero di Sepia, müde von der Reise, denn ohne komme ich nicht zurück, Chrigu kann nicht beamen und ich kenne auch sonst niemand, der oder die es kann und als Versuchskaninchen möchte ich auch nicht herhalten, wer weiss wie ich dann wieder zusammengesetzt werde.
Es ist wirklich ein wenig zum durchdrehen! Wenn ich denke, es klappt, Omar und ich sind ein Team, dann lässt er mich wieder sitzen, vertröstet mich, wenn ich Glück habe, per WhatsApp Stunde um Stunde. Wenn ich dann raste, finde das sei keine Teamarbeit, dann findet er ok, oder ich solle mich beruhigen, oder ich sähe nur meine Seite, er sei den ganzen Tag im Namen des Centres unterwegs, was genau, erfahre ich dann aber nicht und das ist dann für ihn im Team arbeiten.
Man kommt nicht vom Fleck hier, immer wirst du angelächelt und auf später vertröstet. Ich habe schon erwartet, dass die Leute hier anders funktionieren als wir, aber es ist schon sehr anders.

Ein ausgiebiger Spaziergang, eigentlich hätte ich keine Zeit dafür, aber ohne fahbaren Untersatz ist es schwierig, zuerst vierzig Kilometer in den Norden zu fahren, um die Medikamentenliste zu holen und dann vierzig Kilometer in den Süden zu fahren, um die Medikamente zu holen (die erste Medikamentenlieferung müssen wir über ein anderes Centre machen, da wir keine Bewilligung haben), darum, ein ausgiebiger Spaziergang, Wut und Frust im Stechschritt in den Boden stampfen, in Selbstgesprächen alle ins Pfefferland wünschen, übrigens der falsche Wunsch, sie sind schon da, Kamerun ist bekannt für seinen weissen Pfeffer. Nach dem Spaziergang hatte ich mich ein wenig beruhigt, ich kann noch nicht nach Hause, ich habe den Frauen im Centre versprochen, dass ich ihnen helfe, die zählen auf mich und ausserdem habe ich noch nasse Wäsche, die kann ich so nicht einpacken.

Noch vor Redaktionsschluss ist Omar aufgetaucht. Wir haben uns gefetzt und wieder vertragen. Es ist schon so, dass unsere Welten oft auseinander klaffen, er findet es respektlos mich um Hilfe zu bitten und ich finde es respektlos nicht zusammen zu arbeiten, schwierig. Aber anscheinend braucht es von meiner Seite immer wieder Verzweiflungsausbrüche, damit wir herausfinden woran es liegt. Es ist sehr anstrengend! Aber ich bleibe, ich versuche weiter mein Bestes zu geben und werde halt noch ein paar Mal ausflippen, aber schlussendlich finden wir einen Weg und zum Glück sind weder Omar noch ich nachtragend. Und morgen Punkt acht Uhr fahren Omar und ich nach Foumbot und organisieren dort im Spital, was wir brauchen. Zum Glück herrscht hier Automedikation, so bekommen wir so ziemlich alles, was unser Herz begehrt. Um 14:00 putzen wir dann das Centre noch einmal und räumen die Medikamente ein und am Montag um 08:00 geht es los.
Liebi Susle
Ich bewundere deinen Durchhaltewillen unter den gegebenen Umständen. Ein Hänger oder Koller zwischendurch ist da nur zu selbstverständlich! Ich plädiere dafür, dass dir bei der Rückkehr der Master in Health Care Management ehrenhalber verliehen wird.
Ich wünsche euch für morgen einen erfolgreichen und stimmungsvollen Start!
Lieber Gruss
Wali