Der Tag danach

Den gestrigen Abend verbrachte ich mit einem äusserst schrägen österreichischen Film. Hirschen. Da tauchte ich weg, kombiniert, Film und Capirinha. Ganz schaffte ich es jedoch nicht. Der kleine Junge, Arif heisst er, der gestern von seiner Mutter mit Medikamenten vollgepumpt wurde, lag im Spital mit einem akuten Nierenversagen. Da war ich froh um meine harsche Reaktion der Mutter gegenüber. Bei Kindern wird ein akutes Nierenversagen meist durch Medikamente ausgelöst (zum Beispiel Ibuprufen). Aber ich hatte auch grosse Angst um den kleinen Arif. Er hat es überlebt und es geht ihm schon wieder besser. Gott sei Dank.

Apropos Gott sei Dank. Heute bin ich auf meiner Wanderung an einer Kirche vorbei gekommen und habe drinn Gesänge gehört. Vielleicht gehe ich am Sonntag in die Kirche. Wenn wirklich so gesungen wird, wie ich das aus den Filmen kenne, vielleicht sogar so, wie in Blues Brothers, dann hätte es sich gelohnt. Und wenn nicht, hätte ich eine weitere Erfahrung gemacht.

Ich habe mich wieder beruhigt. Die schlechte Laune hat sich gelegt. Bis zehn Uhr habe ich geputzt und Wäsche gewaschen, propre Jeudi, sauberer Donnerstag, dann rumhölzeln, Brot backen für Sandwichs für morgen, zwei Stunden durch die Brouse spazieren, Einkaufen auf dem Markt, den Inhalt der Sandwichs vorbereiten, Essen und jetzt Schreiben. Mit diesem Programm habe ich wieder Zuversicht gewonnen und bin bereit, weiter Schritt für Schritt diesen unsäglich lahmarschigen Papieren entgegen zu gehen.

Auf meinem Spaziergang musste ich drei Bäche überqueren, den ersten kannte ich schon, dort sind immer Frauen am Wäsche waschen. Der nächste war nur ganz schmal und der dritte hatte es in sich. Er war breiter und anscheinend ein beliebter Übergang für die Böhs. Ich stand mehr als knöcheltief im Schlamm und habe danach den ganzen Weg gestunken wie ein Böh. Sogar auf dem Markt, wo die Gerüche sehr vielfältig und intensiv sind, blieb mein Böh Geruch dominant. Zuhause musste ich dann etwa fünf Minuten lang meine Stinkfüsse waschen. Jetzt stinkt es entweder nicht mehr, oder ich habe mich daran gewöhnt.

Nach dem Bach, beim Aufstieg durch die Brouse, Böhs, eine ganze Herde, ziemlich sehr grosse Hörner, ziemlich sehr viele, ziemlich sehr gross, wenn auch etwas mager, zielstrebig, Richtung Bach, ich bin ziemlich schnell aus dem Weg, hatte ziemlich grossen Respekt. Aber die Böhs sind einfach an mir vorbei gezogen, nur eines wollte mich ein wenig anschauen, es wurde vom Hirten weiter getrieben. Noch kurz für Pädu: sie machen tatsächlich eher böh als möh, ich habe heute gut zugehört.

Die Böhs gefallen mir und das nicht nur auf dem Teller. Das Fleisch ist zwar chüschtig, aber auch sehr zäh und muss bis zur Schuhsohlenqualität gegrillt werden. An den verschiedenen Ständen bekommt man es als sogenanntes Soya verarbeitet, das ist wie Schuhsohlengeschnetzeltes, lecker, serviert mit Zwiebelstücken und Piment.
So eine Herde Böhs, die am Morgen durch Bern zieht um dann auf der Allmend zu weiden und am Abend zurück ins Tscharni wandert, oder ins Kleefeld, das wäre schon schön.

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