Kinderspital

Kinder, Kinder, Kinder … Malaria, Malaria, Malaria … so sah auch der heutige Tag aus. Wadenwickel machen, Wasser einflössen, trösten, wieder Wadenwickel machen und noch einmal Wasser geben. Seit wir angefangen haben zu arbeiten, waren die meisten unserer Kundinnen und Kunden Kinder. Alle mit hohem Fieber, fast alle mit Malaria und noch einige mit Typhus. Alle sind noch klein, die Ältesten vielleicht sieben Jahre alt, apathisch vom hohen Fieber, verängstigt und bei der Blutentnahme schreien sie wie am Spiess, sie tun mir leid! Warum nur Kinder gebracht werden, kann ich nur vermuten. Wahrscheinlich werden alle ab einem bestimmten Alter mit Marktstandmitteln behandelt, anders kann ich es mir nicht erklären, bei den kleineren Kindern haben die Eltern wohl mehr Respekt vor der Krankheit.

Jetzt können wir übrigens die Kinder wegräumen. Wir haben ein Laufgitterbett erhalten, ein grobes Teil, das aus Bambus zusammengesteckt ist. Es ist super, denn so können die Kleinen viel weniger Mist bauen.

Mein Kampf um eine professionelle Haltung, insbesondere auch beim Verschreiben von Medikamenten, geht weiter. Heute hat eine Mitarbeiterin, einem Mann mit Erektionsproblemen ein Antibiotikum und ein Medikament gegen einen erhöhten Cholesterinspiegel verschrieben, für besseren Sex. Als ich es gemerkt hatte, war sie schon nach Hause gegangen, die anderen schauten mich lang an und fragten, ob denn Erektionsprobleme anders behandelt werden. Also Männer, for good sex, Antibiotika mit Sortis (das Cholesterinmittel), obwohl, liebe Männer, in der Packungsbeilage von Sortis steht nichts zu verbesserter Erektion, dafür gehört Impotenz zu den, zwar seltenen, Nebenwirkungen. Eine schöne Geschichte, um euch zu zeigen, dass es wirklich sehr schlimm ist und mein Kampf nicht nur eine meiner Launen ist!

Auch die Grossen können weggeräumt werden!

Die Medikamente sind nicht die einzige Baustelle. Bürokratie! Da denken wir, dass wir in der Schweiz in Bürokratie ersaufen, egal wohin wir kommen, beklagen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die grossen Papierberge, über die Schreibberge. Aber ehrlich, das ist überhaupt nichts, verglichen mit der Schreibarbeit hier. Alles wird hundert Mal aufgeschrieben, in diesem Carnet, in jenem Register und als ob das noch nicht genug wäre, noch auf Notizzetteln, die dann nicht mehr gefunden werden. Also, Assana hat heute acht Patientinnen und Patienten empfangen, für sie gibt das pro Patientin, pro Patient etwa eine Stunde Schreibarbeit und das, nachdem Rafiatou schon einen Grossteil erledigt hat, das heisst, bei einem Arbeitstag von acht Stunden bleibt gar keine Zeit mehr, mit diesen Menschen zu sprechen, geschweige denn, sie zu untersuchen, was wiederum heisst, dass sie nie pünktlich aus dem Haus gehen kann. Ihr kennt mich, ich bin keine Geschwindigkeitskanone und ich verfüge über viel Geduld, aber wenn ich daneben sitze und zuschaue, wie sie schreibt und schreibt, dann schlafe ich entweder ein, oder ich drehe durch. Dazwischen gibt es nichts. Wenn ich den Papierkrieg verkleinern möchte, erklären sie mir, dass man das genau so machen muss und es unmöglich sei, etwas zu ändern. Da sie mit Schrift keine Menschen vergiften, nehme ich mich in dieser Hinsicht zurück, aber etwas mehr Effizienz wäre trotzdem wünschenswert. Ich wage gar nicht daran zu denken, was passiert, wenn wir auf einmal mehr Patientinnen haben.

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