Drei Kinder, zwei Erwachsene, die Krankheiten, Malaria mit oder ohne Typhus, Typhus mit oder ohne Malaria. Tönt vielleicht nicht nach viel Arbeit, aber ich bin nudlefertig. Es war kein Sprung ins kalte Wasser, aber kühl war es schon. Anstrengend ist es, weil die Frauen wirklich sehr anders arbeiten, als wir miteinander besprochen haben. Dass man Kinder informiert, was mit ihnen passiert, dass man Kinder, die Angst vor einer Blutentnahme haben mit anschreien nicht ruhiger bringt, sondern das Gegenteil erreicht, dass man Fieber auch mit Wadenwickeln senken kann, dass es meist keine Infusionen oder Spritzen braucht, sondern Tabletten ebenso gut helfen, dass die Dosis eines Medikamentes abhängig von Alter und Gewicht der Patientin, des Patienten bemessen wird, dass die Händedesinfektion wirklich wichtig ist und auch sonst die Hygiene zur Verhinderung der Ausbreitung der Krankheiten eingesetzt werden kann, all dies haben wir diskutiert, besprochen, doch nun, in der Realität, ist nichts mehr da. Das hiess für mich, mit der Desinfektionsflasche rumrennen, mit dem Besen, dauernd nachfragen, wurde dies, wurde das geputzt, desinfiziert, Kinder beruhigen, Behandlungen überprüfen, Packungsbeilagen (die von Swissmedics, wir haben ja keine) lesen, sensibilisieren, erklären, kämpfen, schauen dass Trinkwasser zubereitet wird, dass die Becher abgewaschen werden und nicht gleichzeitig Kinder mit Typhus und Kinder ohne Typhus aus den gleichen Bechern trinken, dass im Spitalzimmer nicht gegessen wird, dass die Kranken Ruhe brauchen und ihr Raum nicht zum Dorftreff verkommt, … deshalb bin ich jetzt nudlefertig.

Also kurz, ich bin zwar nudlefertig, aber auch sehr glücklich. Wir sind gesprungen und es hat sich gelohnt! Und bis jetzt ist auch noch niemand gekommen um uns zu schliessen. Aber es wird eine harte Zeit. Ich bin Hebamme und ich kümmere mich um Typhus und Malaria. Was ich weiss ist, beide Krankheiten muss man mit Medikamenten behandeln. Was ich auch weiss ist, dass hier alle immer Spritzen wollen und Spritzen geben wollen, dass Fieber sofort verschwinden muss und dass eine Krankheit in erster Linie mit Chemie behandelt wird und dass Pflege eine extrem untergeordnete Rolle spielt. Wenn also dann alle nach einer Spritze schreien und ich für orale Behandlungen plädiere und das mit meinem doch ziemlich miesen Hintergrund im Wissen um diese Krankheiten und ich nicht sicher bin, ob ich den Frauen Unrecht tue, wenn ich das Gefühl habe, trotzdem mehr als sie zu wissen, dann bin ich schon ziemlich verunsichert und trotzdem hinzustehen und meine Sicht zu verteidigen braucht viel Kraft.

Aber alles in allem haben wir uns gut geschlagen. Die Leute waren zufrieden und Unsicherheiten, weil es eben keine Spritzen gab, konnten wir aus dem Weg räumen. Bis zum Abend schafften es die Mütter, für jedes Kind einen eigenen Becher zu nehmen und diese wieder abzuwaschen. Ein kleiner Erfolg im Bereich Hygiene!
Ich gratuliere, gut gemacht!
Liebe susle habe deine Ausdauer bewundert um so mehr freue ich mich an der Eröffnung. Hoffe es verhäbt! Denke viel an dich. Alles Liebe Käthi