Heute waren Omar und ich im Spital von Foumbot und haben Medikamente, Infusionen und Material eingekauft. Und das hat einfach funktioniert! Unglaublich! Die einzige Frage lautete, ob wir wissen wie einnehmen, quer durch den Antibiotika-, Malaria-, Wurm-, Schmerz- und sonstige Medikamentengarten, und man wird nur gefragt, ob man weiss wie einnehemen. Ob wir sie auch bekommen hätten, wenn wir die Frage verneint hätten? Vielleicht hätten sie uns geraten die Packungsbeilage zu lesen, wobei, das geht gar nicht, denn wir haben weder Verpackungen noch Packungsbeilagen bekommen, nur die splitternackten Medikamente.
Da das Auto zur Abwechslung wieder einmal in Panne ist (Obwohl ursprünglich aus Frankreich, hat es sich Afrika sehr gut angepasst), sind wir mit dem Töff nach Foumbot gefahren. Auf dem Rückweg waren wir dann mit dem ganzen Spitalzeug und Essen für unsere kleine (nur die Frauen, Omar und ich und Moussah, der noch dazu gestossen ist) Eröffnungsfeier ziemlich vollgeladen. Aber das ist gar nichts. Ich bin jedesmal aufs Neue baff, was alles auf einem Töff transportiert werden kann. Fünf Säcke Zement, der Fahrer sitzt dann auf dem Tank, Schränke, Ziegen, ganze Familien mit drei Kindern (in polygamen Haushalten funktioniert das dann aber nicht mehr), Hühner, Eisenstangen, die hinterher geschleift werden, das gleiche mit Holz, eigentlich habe ich bis heute, ausser Böhs, ziemlich alles auf den Motos gesehen. Schlimm finde ich es, wenn der Fahrer einen Helm trägt und die Kinder keinen, das kleinste meist vorne auf dem Tank. Etwas ketzerisch frage ich mich dann, ob der Mann davon ausgeht, dass er im Notfall einfach neue Kinder zeugt.

Morgen früh um acht Uhr, morgen, morgen, morgen eröffnen wir. Was das heisst? Ehrlich? Keine Ahnung! Wir ziehen unsere schöne Arbeitskluft an und schauen was passiert. Ob ich nervös bin? Ja! Ich komme mir vor, wie wenn ich morgen in einem Theater auf der Bühne stehen soll. Aber wahrscheinlich wird morgen die Post noch nicht abgehen, Omar hat am Freitagsgebet die Bevölkerung informiert, er meinte, dass sicher viele kommen werden um zu schauen, aber ob wir schon richtige Patientinnen und Patienten haben werden, wird sich zeigen.

Unsere Eröffnung fällt mit dem Beginn des Ramadans zusammen. Da ich im Centre nur mit Musliminnen zusammen arbeite, werde ich die einzige sein, die essen darf. Wie das wohl sein wird? Ich habe auf jeden Fall beschlossen, dass ich am Morgen frühstücke bevor ich zur Arbeit gehe, sonst klappe ich zusammen, falls ich dann nicht zu fest auffallen will, und wenn ich zusammenklappe, dann falle ich umsomehr auf, wobei, falls keine Patientinnen kommen, dann wäre ich wenigstens eine und das Positive, ich könnte am eigenen Leib erleben, was die Frauen mit mir machen würden. Aber vielleicht doch ein ausgiebiges Frühstück, ich habe mir heute Avocados geholt, die sind sehr nahrhaft und sättigen gut. Grundsätzlich kann ich mir vorstellen, dass ich mich ernährungstechnisch anpasse, aber trinktechnisch, nein. Ich werde trinken, es geht gar nicht anders, ich schwitze, wenn es so düppig ist, und düppig ist es fast immer wenn es nicht regnet, von morgens bis abends, da muss dann wieder etwas rein in mich, etwas Flüssiges (nein, kein Bier, Wasser).

Wie ihr seht (stimmt nicht, hört, auch nicht, lest…), ich habe mich von meinem Koller erholt. The Show Must Go On! Und schon wieder sind wir im Showbusiness, dehalb bin ich nervös, klarer Fall! Die Erwartungen sind hoch, die Menschen wollen etwas Anderes, etwas Neues. Ob wir das wirklich bieten können? Dass wir noch keine pralle Apotheke besitzen ist schon einmal positiv. Das heisst, dass wir uns auf Alternativen konzentrieren müssen, etwas anderes bieten als alle, sowohl die Patientinnen und Patienten, als auch die Mitarbeiterinnen gewohnt sind und das wiederum heisst, dass ich im Gebiet, das ich kenne, genau diese Alternativen aufzeigen kann. Darauf freue ich mich, das macht mir aber auch Angst.
Liebe Susle, ich bin beeindruckt von deiner Geduld und deiner Kraft, durchzuhalten und verstehe soo gut, dass du dir manchmal wünscht, dich nach Hause beamen zu können. Heute, am grossen Tag, denke ich besonders an dich und wünsche euch ganz gutes Gelingen! Wollen wir wieder mal telefonieren? Alles, alles Gute und eine Umarmung