Kennt ihr die Tage auch, die an denen ihr besser zu Hause geblieben wärt, die die lieber nicht stattgefunden hätten, die an denen das Hamsterrad immer noch an der gleichen Stelle dreht, die an denen ihr euch am liebsten in der Disco hinter dem Haus, mit der schlechten Musik und dem noch schlechteren DJ, mit Whisky besaufen würdet, obwohl ihr Whisky hasst, die Tage, an denen euch das Blogschreiben wie eine endlose Wiederholung der immer gleichen Wiederholungen von optimistischem Gedusel erscheint.
Das ist heute. Auf der Papierfront: Assana und Laborant, erledigt. Awa, am Morgen kam die Nachricht, dass sie morgen einen Termin mit der Dame, die die letzte Unterschrift geben muss, hat, am Nachmittag, dass die oben genannte Unterschriftendame, morgen nicht in Yaoundé weilt, dass am Freitag Karfreitag ist und am Wochenende Wochenende und sie also erst am Montag wieder vorbei gehen kann.
Schon am Morgen schaffte ich es eine der Mitarbeiterinnen zum Weinen zu bringen. Ihr kleiner Sohn (dreizehn Monate) ist krank. Unter anderem hat er Malaria, aber auch noch Husten und Bauchschmerzen, beziehungsweise eine aufgedunsenen Bauch. Die Mutter hat ihm zuerst eine Spritze mit drei verschiedenen Medikamenten (gegen Malaria, Antibiotika und für den Magen) gegeben, dann drei verschiedene Sirups (gegen Malaria und zwei für die Verdauung). – Warst du mit dem Kind beim Arzt? Hat ein Arzt das verordnet?- Nein, ich selber.- Da bin ich ausgetickt: – Da wollen wir gegen Selbstmedikation ankämpfen und sind selber nicht besser! Weisst du überhaupt ob diese Medikamente untereinander verträglich sind, man kann nicht einfach wild durcheinander Medikamente geben!- Da liefen die Tränen, zuerst hatte ich ein wenig ein schlechtes Gewissen, aber nur kurz. Dem Buben ging es wirklich nicht gut. Er war apathisch und stöhnte bei jedem Atemzug. Etwas später hatte sie sich dann endlich selber davon überzeugt zum Arzt zu gehen. Da frage ich mich dann schon, wieviel am Schluss hängen bleibt von unseren Gesprächen. Er ist zu tief verankert, der Glaube an die Medikamente und deren Allheilkraft. Die Schulmedizin wurde den Menschen mit dem Holzhammer eingetrichtert, die traditionelle Medizin mit der Peitsche ausgetrieben. Wenn du dann kommst und behauptest, dass nicht alles an der traditionellen Heilkunst Humbuk ist und dass vieles durchaus sinnvoll ist, dann machst du dich der Ketzerei verdächtig.
Die Kinder sind wieder in der Schule, die Kleinen entweder im Kindergarten, oder mit der Mutter auf dem Feld (die Mütter verlassen das Haus schon um 06:00 um aufs Feld zu gehen) und wir bleiben kinderlos. Das erleichtert die Arbeit im Centre nicht besonders, die Gefahr, dass die Übung in eine Art Arbeitstherapie ausartet ist gross. Unter diesen Umständen alle bei Laune zu halten, äusserst schwierig. Und heute hat es mich erwischt, meine Laune war im Keller. Ich war murrig und ziemlich unfreundlich. Das tut mir leid. Alles in allem haben die Frauen meine schlechte Laune mit Würde ertragen und alles gegeben um Madame Suzanne aufzuheitern. Und es wäre ihnen fast gelungen, hätte Omar nicht die Nachricht von Awa gebracht.

Ursprünglich dachte ich, dass wir morgen, spätestens übermorgen die Papiere bekommen und dass wir möglicherweise am Wochenende arbeiten werden um die Eröffnung vorzubereiten, darum gab ich den Frauen für morgen frei. Im Nachhinein, bekommen sie trotzdem frei, um eine Übertherapierung im Arbeitstherapieprogramm zu verhindern. Und da unsere Hände extrem gebunden sind, was diese elenden Papiere anbelangt, gehen wir am Freitag auf einen Teamausflug. Teambildung nennt man das.
Noch ein kurzer Mäuseexkurs. Das elende Vieh hat trotz aller, von Dänu, angeschweissten Metallschranken, einen Weg gefunden um meiner Wohnung jede Nacht einen Besuch abzustatten. Und das Vieh ist hardcore! Ich weiss nicht ob es Kolleginnen und Kollegen mitbringt und sie zusammen im Wohnzimmer rumtoben und Mäusejagden veranstalten. Auf jeden Fall schmeisst sie alles um, zerwühlt den kleinen Teppich vor der Eingangstür und frisst den Deckel von der Ölflasche. Die Recherchen von Omar und mir haben zwei mögliche Eintrittsstellen ergeben. Beide sind in der Küche, von dort kann sie unter der noch ungesicherten Küchentür ins Wohnzimmer gelangen. Gestern verstopfte ich die Ritze mit einem Teppich. Das Resultat? Maus hat sich durch den Teppich gefressen. Wo wir vorhin von Arbeitstherapie gesprochen haben, das Vieh hat vielleicht vor mit mir eine Mäusetherapie zu machen. Der Schrecken ist auf jeden Fall schon ein ganz kleines bisschen kleiner. Lets hope! So oder so.