Heute ist der Tag der Einheit und Vielfalt, der Nationalfeiertag, der 20. Mai 1972 wird gefeiert, der Tag an dem aus Kamerun die vereinigte Republik Kamerun wurde, in der jetzigen Situation ein Hohn. Natürlich wurde ich gefragt, ob ich die Defilés und Paraden sehen will, der Unterschied zwischen Defilé und Parade konnte mir Doktor Google leider nicht erklären, weshalb ich nicht weiss, ob ich nun einem oder mehreren Anlässen beiwohnen sollte, ich kann es auch nicht aus Erfahrung berichten, da ich überhaupt keine Lust verspürte, diesen Tag in irgend einer Weise zu feiern. Zum Einen machte ich mit der Odyssee um die Eröffnung von Mbambeluh keine Erfahrungen mit dem kamerunischen Staat, die ich feiern möchte, zum Anderen, welche Einheit soll gefeiert werden? Ich sehe nur eine Einheit im Staate Kamerun, die Korruption, ob die gefeiert werden soll? Wenn es so ist, zwar etwas geschmacklos, aber wenigstens ehrlich. Aber es wird wohl nicht um die einheitliche Korruption gehen, es ist das Wir-Gefühl, das Wir-Gefühl, das schon im kleinen Dorf abhanden kommt, wenn Wir nicht alle vom gleichen Stammbaum abstammen, das Wir-Gefühl, das die anglophone Bevölkerung schon länger nicht mehr spürt. Und so nehme ich am Tag der Einheit nicht teil, auch nicht als Gafferin, Touristin, schaue nicht die Frauen in den Paul Biya Röcken an, wie kann man nur, aber anscheinend wurden diese Röcke anlässlich des Wahlkampfes von La Force de l’Expériance an die Frauen verschenkt, helfe nicht mit beim kollektiven Selbstmord auf den hupenden Motorrädern. Dafür habe ich viel über die heutige Feier gelesen, finde mich auf der Seite der Opposition, die in Yaoundé die Défiles und Paraden boykottiert, weiss immer mehr über die Baustellen des Landes und sehe immer weniger einen Ausweg. Und Frau normala, Herr normalo, sie sind die Opfer, müssen hier eine Motivation abliefern, dort einen Luftpostumschlag in die Dokumente legen, hier stundenlang warten, dort nach stundenlangem Warten unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. In Douala sind die Märkte leer gekauft, es gibt nur noch Reis und Mais, auf den Äckern im anglophonen Gebiet vergammelt die Ernte, die Bauern sind geflüchtet. Es gibt wirklich keinen Grund zum feiern, auch wenn Monsieur Biya zur Rettung der Feier, sich vorgestern bereit erklärt hat zu verhandeln, über Alles, ausser einem Austritt aus der ach so schönen Einheit. Etwas spät.

Den beiden Babys, Mbambeluh 1 und Mbambeluh 2, sie haben beide noch keinen Namen, das sei Sache der Väter, sagten die Frauen, das stimme nicht, im Koran stehe, dass sich Mutter und Vater einigen müssten, sagte Omar, interessieren sich noch nicht für die Politik des Landes, sie wollen eine Brustwarze und Geborgenheit. Es war schön, heute Morgen ins Centre zu kommen und die zwei Frauen mit ihren Neugeborenen im Spitalzimmer anzutreffen, statt kranken Kindern, die elend, fiebrig und apathisch auf den Betten liegen, zwei muntere Neugeborene, eingepackt wie Inuitkinder, von ihren Müttern mit dem ungläubigen, suchenden, fragenden, liebenden Blick gemustert, den Frauen nur nach der Geburt haben. Was mich bei den Geburten sehr beeindruckt hatte, es ist einfach, es gehört zum Leben, Rhythmus, es ist nicht so, dass das Gebären hier weniger schmerzhaft ist, dass es schneller geht, aber vielleicht ist es weniger ein Event, etwas, das gestaltet sein muss, kein Projekt. Die Frauen kommen und gebären, sie haben keine Wünsche, wissen nicht, dass Frauen bei uns mit einer Periduralanästhesie gebären, dass man Schmerzmittel haben könnte. Die Art, wie ich die Frauen begleitet hatte, dass ich die ganze Nacht bei ihnen geblieben war, dass ich mit ihnen geatmet hatte, ihnen den Rücken, die Beine massiert hatte, sie nicht alleine liess, war anscheinend gestern und heute Gesprächstoff im Dorf, positiver Gesprächstoff.
Hey soo guet! Da chasch grad 84x stolz uf die si für jede Tag wo d hesch druf häre gschaffet😎..
❤️-lechi Gratulation!