Die letzten 36 Stunden war ich auf den Beinen. Zuerst, regulär, dann immer weniger regulär und jetzt nur noch bis das hier geschrieben ist und mein Bier getrunken ist. Zuerst wartest du wochenlang auf die Geburten, deshalb bist du ja eigentlich hier, das war deine Motivation, hier nach Koutaba zu reisen, Bern, Chrigu, Frida und den Rest meiner Familie und Lieben für drei Monate zu verlassen, und dann kommen gleich zwei Frauen miteinander. Gut, geboren haben sie dann nicht gleichzeitig, es lagen sehr knappe dreizehn Stunden dazwischen.
Gerufen wurde ich gestern, kurz nachdem ich zu Hause angekommen war, ich machte gerade Modeschau mit den neuen Kleidern, die Zenabou für mich genäht hatte, weil die Frau, die schlussendlich heute am Abend um 18:14 geboren hat, eingetreten ist. Obwohl es noch einige Zeit dauern würde bis das Kind auf die Welt kommt, nahmen wir sie ins Gebärzimmer. Das hiess dann, dass wir sie ein paar Stunden später ins Krankenzimmer zügeln mussten, da eine zweite Frau gekommen war, eine so genannte Drittgebärende und es ziemlich klar war, dass diese das Gebärzimmer vorher braucht. Mit zwei Frauen, die Wehen hatten, einer Ladung weiteren Frauen, die zur „Unterstützung“, was nichts anderes als ein Ferienaufenthalt im Centre bedeutet, mitgekommen waren und teils laut schnarchten, war es für mich nicht möglich, mich aufs Ohr zu hauen, was Ajara zum Beispiel problemlos konnte und der Gardien noch viel problemloser. Unser Wächter schläft derart tief, dass ihn wahrscheinlich auch Banditen mit einer Bombe nicht aufwecken könnten, wobei es für ihn sicherer ist, nicht auf zu wachen, weil er sowieso schon nach einer Sekunde umgehauen auf dem Boden liegen würde. Aber zurück zu mir und den beiden kreissenden Frauen, ich schlug mir die Nacht mit einer Pilgerreise von der einen Frau zur anderen und zurück zur einen, um die Ohren.

Die Drittgebärende nahm sich ihrer Aufgabe mit einer gewissen Routine an, zwischen den Wehen haben wir viel gelacht und sie war sehr zuversichtlich. Die Geburt war eine schöne, perfekte Wiedereinsteigerinnen Geburt. Danke! Alles blieb ganz, die Mutter, das Kind, ein Junge und der Damm. Das war sehr gut, denn die zweite Geburt war eine Herausforderung. Es war das erste Kind der Frau und der Kopf des Kindes stellte sich nach den Regeln der Beckenanatomie völlig falsch ein. Nach hunderten Umlagerungen, aufstehen, abliegen, rechts, links, Vierfüssler, ich wollte einen Kaiserschnitt verhindern, nach vielen Zweifeln an meiner Kompetenz und vor allem an meinem Urvertrauen, nach schwindenden Kräften, sowohl die der Frau, wie auch meine, nach vielen Beteuerungen, dass ich genau weiss was ich tue, nach all dem, gebärte die Frau heute Abend um 18:14 ein fittes, gesundes Mädchen. Uff!

Und ich habe etwas Neues gelernt! Trinkt die Frau kaltes Wasser, dann dauert die Geburt, trinkt sie jedoch heisses Wasser, dann beschleunigt das die Geburt. Das mit dem kalten Wasser, haben wir nicht ausprobiert, aber das mit dem heissen Wasser, es funktioniert! Keine Ahnung, was funktioniert, warum das funktioniert, aber nach dem Genuss von heissem Wasser, ging es wieder vorwärts. Simpel, cool!
Vom Bier bleiben noch eineinhalb Zentimeter, zum Schreiben gäbe es noch vieles, aber die Konzentration… die eineinhalb Zentimeter sind jetzt auch weg. Und Tschüss… es sind jetzt schon 37 Stunden.
Soooo gut! Gratuliere! Muntsch Mue
du bisch supercalifragelistigexpialidocious!!!
bravo 👍🏻 😘