Die Vorstellungskraft

Es kann sein, dass die Eine oder der Andere sich fragt: „Warum bebildert sie die Beschreibung der Geburt nicht?“

Ich bin der Meinung, dass die Vorstellungskraft uns hilft, die Vorgänge, die in unserem Körper passieren, besser zu spüren. In der heutigen Zeit neigen wir dazu, nur noch zu glauben was wir mit eigenen Augen sehen. Gerade die Geburtshilfe bietet dem grossen Vorschub. Es gab eine Zeit, da war das Schwangersein und das Gebären eine reine Frauenangelegenheit. Die Regel blieb aus, die Brüste waren gespannt, das Bedürfnis nach Sex veränderte sich, die Frauen waren emotional zwischen Tränen und Lachen hin und her gerissen, sie litten unter morgendlicher Übelkeit, beobachteten Veränderungen ihrer Haut und sowieso, alles war irgendwie anders. Das waren die Momente als sie sagten, sie seien in „guter Hoffnung“. Sie wussten nicht, keine Schwangeschaftstests bewiesen die Schwangerschaft und noch weniger konnte das Ungeborene über den Bildschirm beobachtet werden.

Ich will damit nicht sagen, dass wir zurück gehen müssen. Aber das Fühlen was in meinem Körper vor sich geht, darf nicht zu kurz kommen. Sich vorzustellen, wie das Kind aus einem Ei und einem Spermium zu einem kleinen Menschen heranwächst ist wunderschön. Sich vorzustellen, wie das Kind zusammengekauert, mit dem Kopf nach unten im Fruchtwasser schwimmt und am Daumen lutscht, hilft eine Beziehung aufzubauen. Sich das Becken vorzustellen, mit seinen knöchernen Vorsprüngen, bedeckt mit der Beckenbodenmuskulatur, hilft das Kind auf seinem Weg durch den Geburtskanal zu begleiten.

Ohne unsere Vorstellungskraft sind wir ausgeliefert. Sicher, die Profis wissen was sie tun. Trotzdem, es geht um Euch, Euern Körper, Eure Geburt. Da lohnt es sich selber zu spüren was gut ist und gut tut.

Wissen ist Macht, sagt man. Mit der Visualisierung, das heisst der Kraft unserer Vorstellung, können wir Wissen zu unserem eigenen Körper generieren. Wir sind nicht mehr ausgeliefert, sondern aktiv beteiligt an dem was in und um uns geschieht. Wir übernehmen Verantwortung für uns und das Kind, nicht nur während der Schwangerschaft und der Geburt, auch später, wenn hundert Entscheidungen gefällt werden müssen, hilft die Vorstellungskraft uns oft weiter.

Die Geburt in Worten

Obwohl die Schwangerschaft nur neun Monate dauert und die Geburt nur ein paar Stunden und obwohl das Leben mit dem Kind danach, mit mehr und weniger Nähe, lebenslänglich ist, ist die Geburt ein wichtiger Moment und manchmal schon vor der Schwangerschaft, spätestens jedoch während, für viele Frauen das Thema Nummer eins.

Warum genau die Geburt anfängt ist nicht wirklich geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Erklärungsansätze. Eine Möglichkeit ist, dass die Versorgung des Ungeborenen mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft abnimmt und das Kind Stresshormone aussendet, die die Geburt auslösen. Ebenfalls damit zu tun hat die Idee, dass das Fruchtwasservolumen abnimmt und dadurch die Gebärmutter mit Kontraktionen reagiert. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit ist, dass der Druck auf den Muttermund die Wehen auslöst. Ein Ansatz vertritt die Idee, dass das Ungeborene, wenn seine Lunge gereift ist, das heisst, wenn gewährleistet ist, dass es atmen kann, ein Protein ausscheidet, welches die Wehen auslöst. Versuche mit Mäusen haben an der University of Texas in Dallas diese Vermutung (für Mäuse) bestätigt.

Die ersten Wehen sind dazu da, das Kind ins Becken eintreten zu lassen und den Muttermund zu reifen. Ihr müsst Euch die Gebärmutter wie eine Glühbirne vorstellen. Das Gewinde ist der Muttermund. Während der Schwangerschaft ist es zum Berühren vergleichbar mit der Nasenspitze. Das muss so sein, damit die Gebärmutter lange genug geschlossen bleibt. Damit das Kind geboren werden kann, muss der Muttermund sich öffnen. Dafür muss er zuerst reifen, das heisst, schön weich werden. Er wird dann weich und immer kürzer, bis er nur noch eine feine Schicht zwischen der Scheide und dem kindlichen Kopf, beziehungsweise der Fruchtblase, ist. Die Hebamme sagt dann, der Muttermund sei verstrichen. Erst wenn diese Arbeit getan ist, fängt die eigentliche Geburtsarbeit an.

In der Eröffnungsphase öffnet sich der Muttermund bis er nicht mehr fühlbar ist. Die Hebamme sagt diesem Zustand vollständig eröffnet. Da viele Hebammen unter der Geburt ab und zu vaginal untersuchen und dann eine Zenitmerezahl angeben, ist es wichtig zu wissen, dass ein vollständig geöffneter Muttermund zehn Zenitimetern entspricht.

Nun beginnt die Austreibungsphase. Das Kind muss seinen Weg durchs Becken machen. Am einfachsten geht dies mit dem Kopf voran. Das Becken ist an seinem Eingang so genannt queroval, das heisst, der kindliche Kopf schaut beim Eintreten entweder zur linken oder zur rechten Hüfte der Mutter. Die Beckenmitte ist rund. Dort muss sich der Kopf des Kindes drehen. Meist blickt es dann in Richtung mütterliche Wirbelsäule. Das ist die einfachste Lage für den nächsten Schritt. Der Beckenausgang ist dann nämlich längsoval. Das Kind hatte bis hier sein Kinn auf der Brust, also flektiert. Nun kann es das Kinn anheben, deflektieren und wird geboren.

Der Weg durch das knöcherne Becken ist nicht einfach für den kindlichen Kopf. Falls die Fruchtblase noch intakt ist, wird es vom Fruchtwasser beschützt und bekommt weniger Beulen. Ausserdem kann die Mutter diesen Weg unterstützen, indem sie sich bewegt. Es ist wie bei einem Fingerring der hinter dem Fingergelenk festsitzt. Am besten kriegt man ihn weg, wenn er hin und her bewegt wird.

Die Wehen: Die Wehen sind Kontraktionen der Gebärmutter. Die Gebärmutter besteht aus Muskulatur. Diese zieht sich zusammen, das ist eine Wehe, und entspannt sich, das ist eine Wehenpause. Der Rythnus wird im Verlauf der Geburt intensiver und die Kontraktionen länger. Diese Kontraktionen dienen dazu, den Muttermund zu öffnen und das Kind durchs Becken zu schieben. Während der Eröffnungsphase bleibt die Mutter in Bezug auf die Wehen „passiv“. Das heisst sie versucht durch Atmung und Bewegung die grösstmögliche Entspannung zu erreichen. In der Austreibungsphase verspürt die Mutter auf einmal den Drang das Kind hinaus zu schieben oder zu drücken. Dort wird sie in Bezug auf die Wehen aktiv und unterstützt mit eigener Kraft.

Ein paar Gedanken zu meinem Blog

Ich bin Hebamme. Als Solche bringe ich ein umfassendes Wissen zu Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett mit. Ich weiss, dass es schon viele Seiten gibt, die sich mit dieser Zeit im Leben einer Frau und/ oder ihres Partners, ihrer Partnerin, der zukünftigen Grossmutter, Grossvater, Gotte, Götti, Tante, Onkel… auseinandersetzen. Trotzdem will auch ich meine Gedanken hier aufschreiben. Warum? Eigentlich ist es ganz einfach, ich schreibe gerne und es scheint mir sinnvoll ein Thema zu wählen, in dem ich kompetent bin.

Mein Ziel ist es, in regelmässigen Abständen meine Gedanken zu einem Thema zu beschreiben. Der Blogg wird nicht der Reihe nach, das heisst ab dem Ausbleiben der Regel bis zum Tag des Abstillens, geschrieben werden. Vielmehr werden Themen, die mir in meinem Alltag begegnen aufgegriffen und behandelt.

Der Blogg soll nicht die Wahrheit darstellen. Ich versuche  in meiner Alltagstätigkeit immer objektiv zu bleiben, jede Frau hat ein Recht auf ihre eigene Geburt. Hier möchte ich das Recht haben, subjektiv meine Wahrnehmungen, Ideen und Gedanken äussern.